Lübz : Gemeinsamer Aktionstag verbindet

Lehrer Gerd Vorhauer mit Saboor auf einem gespendeten Fahrrad, Abdullah (beide aus Afghanistan) und der gegenwärtigen FSJ-lerin Merel de Baat Fotos: Ilja Baatz
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Lehrer Gerd Vorhauer mit Saboor auf einem gespendeten Fahrrad, Abdullah (beide aus Afghanistan) und der gegenwärtigen FSJ-lerin Merel de Baat Fotos: Ilja Baatz

Schüler des Lübzer Eldenburg-Gymnasiums engagieren sich freiwillig bei Arbeit mit Flüchtlingen aus Parchimer Heim.

svz.de von
30. November 2015, 16:04 Uhr

Elf Flüchtlinge aus dem Parchimer Wohnheim an der Ludwigsluster Chaussee erlebten gestern auf Einladung der Gruppe „Schule ohne Rassismus (SOR) – Schule mit Courage“ im Eldenburg-Gymnasium einen gemeinsamen Aktionstag. Sie wollte so die inzwischen mehrjährige Zusammenarbeit fortsetzen. Auf dem Programm standen gemeinsames Kochen und Essen, persönliche Gespräche, die Besichtigung eines Bauernhofes und gemeinsamer Sport.

„Es geht darum, Berührungsängste auf beiden Seiten abzubauen“, sagt der für die Projekte SOR und  Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zuständige Lehrer Gerd Vorhauer. „Die Flüchtlinge sollen etwas lernen, sehen, in welches Land sie sich integrieren sollen. Sonst leben diese Menschen in Parchim ziemlich isoliert vor der Stadt.“ Vorurteilen begegne man am besten durch gegenseitiges Kennenlernen, indem man miteinander rede.

Die Zusammenarbeit mit dem Heim, in dem vornehmlich Menschen aus englisch und französisch sprechenden Ländern (also nicht aus Syrien) leben, gibt es seit drei Jahren. Für die Bewohner kann jeder Spenden im FSJ-Büro im Eldenburg-Gymnasium abgeben. „Auch nach Verfliegen der Euphorie in den ersten Wochen hält die Unterstützung an, was ich großartig finde“, so Vorhauer, dem Schulsozialarbeiterin Carola Henkelmann und die derzeitige FSJ-lerin Merel de Baat zur Seite stehen. Einmal in der Woche macht sich ein voll beladenes Auto auf den Weg nach Parchim.

Im Rahmen von FSJ stellt die Schule jährlich eine Stelle für junge Leute zur Verfügung, die mit jungen Leuten arbeiten und sich pädagogisch ausprobieren möchten. „Extrem erfolgreich“, lautet die Antwort Vorhauers auf die Frage, wie er das Projekt beurteilt.   Ganz ähnlich verhalte es sich mit dem Nachwuchs für die seit vier Jahren bestehende SOR-Gruppe, deren Mitglieder ihr freiwillig beitreten: „Es ist geradezu verblüffend. Vieles geschieht hier über Mundpropaganda.“

 Gestern hatten sich die  Gastgeber dazu entschieden, Reis mit Huhn zu kochen – ein Kompromiss, weil Moslems kein Schwein und Hindus kein Rind essen. Auch Lea Henke aus der 10b stand gestern mit am Herd, um das Essen zuzubereiten. Bei SOR arbeite sie seit eineinhalb Jahren unter anderem deshalb mit, weil ihr das zunehmende politische Desinteresse in der Gesellschaft Sorgen bereite. „Ich möchte den Flüchtlingen dabei helfen, die Integration zu erleichtern. Sie sollen sehen, dass es hier Menschen gibt,  die sich für sie engagieren“, sagt die 16-Jährige. Angesichts des massiven Aufmarschierens von  rechtsextremen MVgida-Anhängern in Parchim in diesem Jahr sei Aufklärung umso wichtiger: „Wir waren auch als Demonstranten bei der Demo, aber die Zahl der Gegner war so gering, dass man fast Angst bekommen hat.“

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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