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25. November 2017 | 06:57 Uhr

Lübz : Gefahr durch leerstehende Häuser

vom

Wegen ihres starken Verfalls bereiten einige leerstehende Häuser der Stadt Lübz Sorgen. In der Plauer Straße steht ein Gebäude, wo bald weitere Steine der Fassade und Dachpfannen auf den Gehweg stürzen werden.

svz.de von
erstellt am 07.Feb.2012 | 05:50 Uhr

lübz | Wegen ihres mittlerweile starken Verfalls bereiten einige leerstehende Häuser der Stadt Sorgen. Ganz vorn an steht ein Gebäude in der Plauer Straße, wo bald zumindest weitere Steine der Fassade und Dachpfannen auf den Gehweg zu stürzen drohen. "An dieser Stelle gab es schon vor einigen Jahren einen Feuerwehreinsatz, nachdem tauender, vom Dach rutschender Schnee die halbe hölzerne Traufe mit in die Tiefe gerissen hatte", sagt Bürgeramtsleiter Thomas Rosenfeldt, als solcher auch für Ordnungsfragen zuständig. Daraufhin wurde der Gehweg mit einem kurzfristig organisierten Bauzaun voll gesperrt und letztlich auch das Wohnen im Nebenhaus untersagt. Es ist versiegelt. "Damit wurde die akute Gefahr gebannt, doch öffentliche Wege zu verschließen ist natürlich nicht im Sinne des Erfinders. Vom Eigentümer war vorgesehen und angekündigt, das Haus abzureißen, doch passiert ist gar nichts", so Rosenfeldt.

Abbruch in Gesprächen mehrfach angekündigt

Die Stadt meldet Vorfälle genannter Art dem Bauordnungsamt des Landkreises, was auch jeder Privatmann direkt tun kann, dem gefährliche Schäden auffallen. Daraufhin gibt es in der Regel eine Kontrolle vor Ort. Laut Landesbauordnung ist jeder Eigentümer dazu verpflichtet, sein Haus so instand zu halten, dass Gefahr für die öffentliche Sicherheit und damit das Leben anderer ausgeschlossen ist. Den Verantwortlichen zu erreichen, kann jedoch sehr schwierig sein, wie Rosenfeldt weiß: "Grundsätzlich gesagt ist es unerheblich, wie weit entfernt von seinem Besitz jemand wohnt. Das ebenfalls schon sehr verfallene Haus Schützenstraße 7 ist ein gutes Beispiel dafür, wie problematisch die Lage werden kann. Zunächst einmal wohnen die Eigentümer in Belgien und gehören außerdem einer Erbengemeinschaft an. Je größer sie ist, desto kleiner ist die Hoffnung, sich einigen zu können. Nach Belgien geschickte Briefe blieben unbeantwortet."

Beeinträchtigt sei in genanntem Fall der Nachbar. Um ihn nicht zu gefährden, habe die Stadt in der Vergangenheit schon den Bauhof zu Sicherungsmaßnahmen beauftragt und sitze jetzt mit dem Problem an. Dabei sei die öffentliche Hand immer dazu gezwungen, das vom Umfang her geringste Mittel auszuwählen, um eine Gefahr zu beseitigen. In Burow etwa habe der Landkreis allerdings auch schon einmal von der stärksten Möglichkeit Gebrauch gemacht. Dort drohte ein Gebäude insgesamt einzustürzen, woraufhin der Landkreis den Abbruch anordnete. "Positiv erwähnen muss man, dass wir Glück mit unserer Wohnungsverwaltung haben", sagt Rosenfeldt. "Sie hat unter anderem mehrere Häuser in der Plauer Straße und das seinerzeit durch ein Feuer geschädigte Gebäude sanieren lassen, in dem sich heute die Deutsche Bank befindet." Zunehmend Sorgen bereiten der Stadt mittlerweile einige leerstehende Häuser in der Parchimer Straße. Als Einstieg drohen von ihnen mittlerweile teilweise Dachrinnenteile abzufallen.

Zumindest bezüglich einiger Leerstände könne man dem Amtsleiter zufolge vermuten, dass Spekulation im Spiel war. Unmittelbar nach der Wende sei es lukrativ gewesen, Häuser für vergleichsweise wenig Geld zu erwerben, zu sanieren und mit Gewinn wieder zu verkaufen: "Dies ist zumindest angesichts der momentanen Immobilienpreise unattraktiv geworden."

Da Sicherheit letztlich immer vorgehe, werde der Landkreis irgendwann auch ohne den Eigentümer tätig und könne zum Beispiel ein Gebäude abreißen lassen. Die Kosten dafür werden dem Eigentümer in Rechnung gestellt. Es gebe eine privat- wie öffentlich-rechtliche Verpflichtung, seinen Besitz zu erhalten. Erfolgt auf zunächst angesetzte Zwangsmittel keine Reaktion, kann im anschließenden Gerichtsverfahren eine Bestrafung in Höhe von bis zu 500 000 Euro folgen. Noch nicht abgedeckt sind mit beiden genannten Dingen Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen. "Es kann also richtig teuer werden", sagt Rosenfeldt. Schon angesichts der reinen Vorschriften möge man einen Unfall "nicht zuende denken", von gesundheitlichem Schaden für Fußgänger, Rad- oder Autofahrern ganz zu schweigen. Die Möglichkeit, dass etwas passiert, werde oft nicht ernst genug genommen, aber: "Die Regel ist, dass auf Zwangsmaßnahmen reagiert wird."

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