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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

19. Oktober 2017 | 18:31 Uhr

Lübz : Gefahr durch leerstehende Häuser

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Dachziegel herabgestürzt: Kreisliche Bauordnungsbehörde veranlasst die Anhörung des Eigentümers eines Hauses in Lübz. Die Stadt darf keine Maßnahmen anordnen.

von
erstellt am 09.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Bürgeramtsleiter Thomas Rosenfeldt hat Wochenendbereitschaft, als es passiert. Per Telefon wird ihm abends mitgeteilt, dass eine große Menge Schnee vom Dach des seit vielen Jahren leerstehenden Hauses Parchimer Straße 6 abgerutscht ist und dabei einen großen Teil des Traufbretts mit in die Tiefe gerissen hat. Er lässt daraufhin den Gehweg sofort mit einem Bauzaun sperren. Verletzt wurde zum Glück niemand. Weil das Haus, um das sich der Eigentümer nicht kümmert, später akut einsturzgefährdet ist und Teile auch auf die Straße stürzen könnten, veranlasst die Stadt letztlich den Abbruch auf ihre Kosten – „Ersatzvornahme“.

Überstanden sind die Probleme damit noch lange nicht. In der Parchimer Straße etwa stehen ebenfalls schon sehr lange stadtauswärts gesehen auf der rechten Seite gleich mehrere Häuser leer und verkommen, weil die Eigentümer nichts an ihnen tun. Von einem sind unlängst mehrere Dachpfannen abgerutscht, in der Dachrinne hängen geblieben, aber auch am Boden zerschellt – ohne einen Fußgänger zu treffen. Ein Anwohner macht sich Sorgen: „Wenn Du sowas abbekommst, bist Du tot – garantiert.“

In der Parchimer Straße stehen sehr viele Häuser leer und verfallen zusehends.
In der Parchimer Straße stehen sehr viele Häuser leer und verfallen zusehends. Foto: Ilja Baatz
 

Die Stadt könne nur bei akuten Vorfällen wie etwa dem in der Plauer Straße handeln, sagt Fred-Jan Salomon, Leiter des Fachbereiches Bau: „Wir haben das Problem, dass wir den Eigentümer einer Immobilie zu nichts zwingen können. Er muss sich um seinen Besitz selbst kümmern.“ Der Eingriff in privates Recht sei der Stadt untersagt. Bei gravierenden Mängeln dürfe nur die Bauordnungsbehörde des Landkreises Maßnahmen anordnen. Vielen sei offenbar nicht bewusst, dass die Aussage „Eigentum verpflichtet“ auch in heutiger Zeit unverändert Gültigkeit besitze. „Neben vielen Rechten hat der Eigentümer einer Immobilie auch Pflichten, die leider oft nicht erfüllt werden und dann kann es irgendwann lebensgefährlich werden“, sagt Salomon. Natürlich könnten zum Beispiel Dachpfannen auch von einem noch bewohnten Haus herabfallen, doch in der Regel bestehe dann eine Versicherung, die für Schäden aufkomme. Anzuraten sei dies unbedingt auch für unbewohnte Häuser, bei ihnen immer wieder jedoch nicht der Fall. Die Eigentümer nicht mehr aufzufinden, zerstrittene Erbengemeinschaften, keine Zusammenarbeitc mit Behörden – die Stadt habe schon alles erlebt.

Verletzt zum Beispiel ein herabfallender Dachziegel oder anderes Bauteil einen Menschen schwer, kann dies den dafür Verantwortlichen leicht in den Ruin treiben. Etwa, wenn der Verunglückte nach aufwändigen Rettungsmaßnahmen lange im Krankenhaus liegen muss und dann – noch schlimmer – nie wieder arbeiten kann. Der nachlässige Eigentümer könnte gezwungen sein, die Kosten zu übernehmen, weil er seine Pflichten vernachlässigt hat.

Dachpfannen sind unlängst von einem leerstehenden Haus in der Parchimer Straße abgerutscht und auf dem Gehweg zerschellt.
Dachpfannen sind unlängst von einem leerstehenden Haus in der Parchimer Straße abgerutscht und auf dem Gehweg zerschellt. Foto: Ilja Baatz

Auf Nachfrage unserer Redaktion äußert Susan Koch, Pressereferentin des Landkreises, dass der Bauordnungsbehörde die Situation in der Parchimer Straße bekannt sei. Ein Nachbar beschriebenen Hauses meldete sich bei ihr, woraufhin man umgehend Kontakt zu dem Eigentümer aufgenommen habe: „Die Anhörung läuft.“ Wer Anordnungen der Behörde nicht zeitnah nachkomme, müsse mit finanziellen Konsequenzen rechnen.

Salomon zufolge liege die Parchimer Straße außerhalb des nicht von der Stadt festgelegten Sanierungsgebietes, was den Niedergang zusätzlich verstärke. Effektiv ist es hier so, dass es für Investitionen keine Fördermittel gibt, was über kleine Absicherungen hinausreichende Maßnahmen für viele Privatleute unbezahlbar mache. Darüber hinaus sei die Stadtsanierung generell ein Auslaufmodell: „Bund und Land haben keine neuen Mittel in Aussicht gestellt.“

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