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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. August 2017 | 23:31 Uhr

Mahnung : Gedenken an Massenmord und Peinigung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Auch in Lübz wurde an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz und die Holocaust-Opfer erinnert. Schüler beschäftigen sich auch mit heutigem Rassismus.

Auf Halbmast wehten die Fahnen am Montag auch vorm Lübzer Rathaus. In Gesprächen merkte man jedoch, dass vergleichsweise vielen die Ursache unbekannt war. Grund für die Trauerbeflaggung an diesem Tag – dem 27. Januar – ist die Befreiung des nationalsozialistischen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und der beiden benachbarten Konzentrationslager durch die Rote Armee im Jahr 1945. „Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an den europäischen Juden, Ausdruck des Rassenwahns und das Kainsmal der deutschen Geschichte“, kann man zum Beispiel im Internet nachlesen, ohne einen weiteren Kommentar hinzusetzen zu müssen.

Der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers wurde 1996 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog offizieller deutscher Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus und die Vereinten Nationen erklärten den 27. Januar 2005 zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts. „Als Kreistagspräsidentin zum Beispiel habe ich jedes Jahr eine Aktion mit jungen Leuten unternommen“, sagt Lübz’ heutige Bürgermeisterin Gudrun Stein. Etwas erreiche man allerdings auch schon, wenn jemand die Trauerbeflaggung sieht und nachdenkt.

Etwa 1,1 Millionen Menschen – darunter eine Million Juden – wurden in Birkenau ermordet. Zuerst hatte die Rote Armee das Hauptlager Monowitz am Vormittag des 27. Januar 1945 befreit. Von den dort zurückgelassenen Gefangenen – die Angaben reichen von 600 bis 850 Personen – starben trotz medizinischer Hilfe 200 in den Folgetagen an Entkräftung.

Für das Ende der Stammlager und Auschwitz-Birkenau sorgten ebenfalls die Soldaten der 322. Division am frühen Nachmittag des 27. Januar. In Birkenau waren fast 5 800 entkräftete und kranke Häftlinge, darunter fast 4000 Frauen, unversorgt zurückgeblieben. In den desinfizierten Baracken wurden Feldlazarette eingerichtet, in denen die an Unterernährung und Infektionen leidenden und traumatisierten Häftlinge versorgt wurden. Die Ermittler fanden über eine Million Kleider, etwa 45 000 Paar Schuhe und sieben Tonnen Menschenhaar, die von den KZ-Wächtern zurückgelassen wurden (Angaben: Wikipedia).

Welche Rolle spielt das unfassbare Verbrechen heute noch zum Beispiel im Leben junger Leute? Das Lübzer Gymnasium etwa – zertifiziert als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ – hatte in diesem Jahr zwar keine große Gedenkveranstaltung organisiert, aber an der Litfaßsäule im Gebäude fand sich ein Hinweis auf die Auschwitz-Befreiung und in der zehnten Klasse etwa stand dieses Thema dazu passend im Mittelpunkt des Geschichtsunterrichtes. Wie bei vielen anderen Schülern auch – nach wie vor unverändert. Fachlehrer Gerd Vorhauer zufolge gehe es nicht darum, Schuld zu verteilen, sondern Verantwortung für heute zu finden, sich demzufolge unter anderem mit aktuellem Rassismus in Europa zu beschäftigen und miteinander darüber zu sprechen. Heute fährt er mit Acht- und Neuntklässlern der nach der Zertifizierung gegründeten Aktionsgruppe ins Flüchtlingsheim nach Parchim, um nicht über, sondern mit Menschen zu sprechen.

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erstellt am 28.Jan.2014 | 19:00 Uhr

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