Bildung : Gedanken über „Karate Forst“ & Co

Alexander Riedel stellte das österreichische Projekt „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ vor.
1 von 2
Alexander Riedel stellte das österreichische Projekt „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ vor.

Vorstellung von Referaten, die Schüler im Rahmen des „Nachhaltigkeitsprojektes“ am Lübzer Eldenburg-Gymnasium ausgearbeitet haben

von
16. März 2016, 12:00 Uhr

Im Rahmen eines „Nachhaltigkeitsprojektes“ haben sich Schülerinnen und Schüler aus Biologiekursen der zwölften und dann auch neunten Klassen sowie des Kurses „Gesundes Kochen“ des Eldenburg-Gymnasiums unter Leitung ihrer Lehrerin Birgit Brügmann mit Umweltproblemen und dem sich daraus ergebenden Aufruf zu bewussterem/besserem Umgang mit natürlichen Ressourcen beschäftigt. Auch die Lübzer nehmen am Bundeswettbewerb „Vom Wissen zum nachhaltigen Handeln“ teil und hoffen darauf, einen Preis zu erringen (wir berichteten). Entstanden sind mehrere aufwändig erarbeitete Vorträge, von denen wir in loser Reihenfolge ein paar veröffentlichen möchten.

Den Auftakt macht Leon Milbrat, der die Erkenntnisse verschiedener Themen zu Papier gebracht hat. Ein Fakt: Die Entstehung eines einzigen Zentimeters fruchtbaren Bodens etwa benötige 100 bis 300 Jahre. Schon dadurch sei es gelungen, den Mitschülern die Bedeutung des Themas Umweltschutz zu verdeutlichen. Den wertvollen Boden benötige die Landwirtschaft, was zeige, wie eng die Themen miteinander verknüpft sind. Der Fakt machte die Landwirtschaft zum zweiten Aspekt des Projektes. Dort verglichen die Referenten konventionelle und ökologische Landwirtschaft. Letztere sei vielseitig wie zukunftsweisend, weil sie zeige, wie man mit vielseitigen Fruchtfolgen, vorbeugendem Pflanzenschutz und weitestgehend ohne chemische Mittel wirtschaften kann.

Allerdings werde nicht nur die Landwirtschaft von der fortschreitenden Mechanisierung beeinflusst, sondern auch das gesamte ökologische System durch die erhöhte CO2- Emission der heutigen Gesellschaft. 2014 lag der Ausstoß in Deutschland bei 902 Millionen Tonnen, klimaverträglich wären jedoch nur 45 000. Schuld daran trage nicht nur die Industrie, sondern auch der „normale“ Verbraucher, der nämlich elf statt der vertretbaren 2,5 Tonnen CO2 freisetze. Ursache Nummer 1: Der Stromverbrauch mit elf Tonnen. Um dem entgegen zu wirken, wurde in Österreich das Projekt „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ ins Leben gerufen, dessen Internetseite auch Leon Milbrat empfahl.

An einem weiteren Referat zum Thema Wasserverbrauch habe vor allem fasziniert, dass der Wert weitaus höher sei als gedacht, denn er setze sich nicht nur aus dem Bedarf für Duschen, Waschen und Getränke zusammen. Dieser beläuft sich pro Person auf etwa 200 Liter, der tatsächliche Verbrauch liege jedoch bei durchschnittlich 4000. Dabei handele es sich um Wasser, das zur Produktion von Konsumgütern sowie für Dienstleistungen verwendet werde und daher nicht ersichtlich ist. Beispielsweise steckten in einem Liter produzierter Milch umgerechnet 1000 Liter Wasser: „Erschreckend, wenn man bedenkt, wie knapp Wasser in unserer Welt ist.“

Ein weiteres Thema lautete Technik und Kleidung, das sich um den aus Rohstoffgewinnung, Produktion, Transport und Recycling bestehenden Stoffkreislauf drehte. Wesentlich sei hier, dass es bei jedem der genannten Punkte zur Umweltschädigung oder sogar Zerstörung kommt. Diesen vielfältigen Problemen stehe der Naturschutz gegenüber. Er widme sich der Erhaltung des natürlichen Zustandes, der Leistungsfähigkeit und selbstständigen Regeneration der Natur. „Doch Naturschutz bedeutet nicht nur, alle Lebewesen zu schützen, was auch nicht möglich wäre, denn ein bestimmtes ökologisches Gleichgewicht muss herrschen“, schreibt Leon Mil-brat.

Ein Beispiel für den integrierten Pflanzenschutz, der das letzte Thema darstellte, sei die Bekämpfungsmethode des Eichenprozessionsspinners – eine auch für den Menschen hochgiftige Raupenart, die als Forstschädling gilt. Seine Bekämpfung bereitete Probleme, weil ein ökologisches Verfahren wie zum Beispiel die Absaugung der Schädlinge und ihrer Nester zu kosten- und zeitaufwändig war. Der wesentlich günstigere Einsatz von Chemikaline wie etwa „Karate Forst“ wurde daher favorisiert, was aber zu weiteren Umweltschäden führte und die auch nach dem Tod der Raupen weiterhin giftigen Brennhaare nicht beseitigt habe.

„Als Fazit dieses gelungenen Projektes formulierten die Schüler die These: An der Schädigung der Umwelt trägt unsere heutige Gesellschaft durch gewinnorientiertes und egoistisches die alleinige Schuld“, so Leon Milbrat. „Kurz: Der Mensch ist Pro-blem und Lösung zugleich.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen