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Naturpark Nossentiner / Schwinzer Heide mit neuem Projekt : Geburtshilfe für junge Riesen

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Unter dem Titel "Junge Riesen" startet der Naturpark Nossentiner/ Schwinzer Heide ein neues Projekt. Um den Fortbestand der Baumriesen zu sichern, werden Stecklinge jahrhundertealter Bäume gewonnen und aufgezogen.

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erstellt am 12.Dez.2011 | 10:24 Uhr

Karow | Ihre mächtigen Wurzeln verzweigen sich schon seit Jahrhunderten im Boden, ihre Krone hat mehr Jahreszeitenwechsel erlebt, als sich ein Mensch überhaupt nur vorstellen kann: Die Stieleiche bei Sandhof zählt bereits 661 Jahre und ist damit älter als das Dorf selbst. Sie gehört zu den lebenden Naturschätzen im Naturpark Nossentiner/ Schwinzer Heide. Doch selbst an solchen Jahrhundertgewächsen nagt der Zahn der Zeit. Stirbt die Eiche, ist sie für die Nachwelt verloren, denn "Naturdenkmäler verjüngen sich nicht", erklärt Ralf Koch vom Naturpark Nossentiner/ Schwinzer Heide. Um den Fortbestand solcher Baumriesen dennoch zu sichern, startet der Naturpark ein neues Projekt: Unter dem Titel "Junge Riesen" werden Stecklinge jahrhundertealter Bäume gewonnen und aufgezogen. Das Vorhaben geht zurück auf eine Initiative in Kassel, die damit bereits erfolgreich ist. Das soll nun auch in der Nossentiner/ Schwinzer Heide klappen.

In einem ersten Schritt sind die betreffenden Bäume bereits erfasst worden. Von ihnen werden Stecklinge und Samen gewonnen. Diese werden auf einer Fläche nahe des Karower Meilers aufgezogen und sollen, so sie ein entsprechendes Alter erreicht haben, in der Nähe der alten Riesen ausgepflanzt werden.

Das Projekt kommt gerade recht, denn in den vergangenen Jahren sind viele alte Bäume wegen mangelnder Pflege abgestorben. "Den Blick dafür hatten wir vor 15 Jahren noch nicht, sonst wäre es gelungen, viele alte Bäume zu erhalten. Das ist schon bitter", sagt Ralf Koch. Doch die Nachkommenschaft vieler Bäume ist noch zu retten: 444 Naturdenkmäler hat die Naturparkverwaltung in der Nossentiner/ Schwinzer Heide gezählt und samt Schäden katalogisiert. 62 Prozent davon sind Stieleichen, aber auch Buchen, Fichten oder Eschen gehören dazu.

Das Projekt "Junge Riesen" ist auf einen Förderzeitraum von drei Jahren angelegt und wird unter anderem durch Sponsoren und den Förderverein des Naturparks finanziert. "Das Projekt wird uns wohl fünf bis zehn Jahre beschäftigen", sagt Ralf Koch. Schließlich dauere es, bis die Jungpflanzen zu Bäumen heranwachsen und ausgepflanzt werden können.

Der erste "Junge Riese" hat zum Projektstart seinen Platz beim Karower Meiler bereits gefunden: Wolf-Peter Polzin von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Rostock schenkte der Naturparkverwaltung einen jungen Bergahorn. Er stammt aus dem Kassler Raum und soll ein Symbol für den Erfolg des Projektes sein. Das hat nicht nur die Baumaufzucht zum Inhalt, sondern soll auch die Öffentlichkeit für solch biologische Schätze sensibilisieren. "Wir wollen alte Bäume wieder ins Gespräch bringen", sagt Ralf Koch. Ein wirtschaftliches Interesse verfolgt die Naturparkverwaltung mit dem Projekt hingegen nicht. "Wir sind keine Konkurrenz zu Baumschulen. Wie pflanzen nur in geringer Stückzahl", betont Naturparkleiter Jörg Gast. Doch selbst in geringer Menge wird der Nachwuchs viel Arbeit bescheren, denn allein mit der Pflanzung der Bäume wird es nicht getan sein. "Sie brauchen viel Pflege. Dafür brauchen wir Hilfe", sagt Jörg Gast. Er hofft auf Ehrenamtler, die sich für die jungen Riesen engagieren wollen.

Und auch wenn alle Helfer wohl nicht selbst erleben werden, wie aus dem Steckling eines Tages ein majestätischer Baum gewachsen ist, die Riesen werden die Zeit überdauern und den Fortbestand von Naturdenkmälern sichern.

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