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18. Dezember 2017 | 12:01 Uhr

Urlaubsperle Plau am See : Gästeplus und große Pläne

vom

In diesem Jahr hat die Seestadt wieder mehr Gäste angelockt. Mit dieser positiven Bilanz beschließen die Touristiker aus Plau am See das Jahr. Doch es gibt auch Schattenseiten.

svz.de von
erstellt am 18.Dez.2012 | 10:20 Uhr

Plau am See | Plau ist die touristische Perle im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Jährlich zieht es hunderttausende Gäste an den Plauer See. Wie die Resonanz in diesem Jahr ausgefallen ist, welche neuen Angebote, aber auch welche Probleme es in Plau am See aus Tourismussicht gibt, darüber hat Antje Bernstein mit Michael Wufka, Geschäftsführer der Plauer Tourist Info, gesprochen.

Herr Wufka, welche Bilanz ziehen Sie für das Tourismusjahr 2012?

Michael Wufka: Wir können ein positives Fazit ziehen. Es lief in der ersten Jahreshälfte schwierig an was den Übernachtungsbereich anbelangt. Das hat sich aber im Laufe des Sommers zum Positiven gewendet. Insbesondere im August und September waren mehr Gäste in Plau als im Vorjahr. Wir werden also am Jahresende ein leichtes Plus verzeichnen können - etwa zwei Prozent werden es wohl sein.

Kommt der positive Trend auch bei den Unternehmern an?

Wir haben in den vergangenen zwei Jahren mehr Quartiere im Privatvermieterbereich dazubekommen. Die Gästezahlen sind nicht im gleichen Maße angestiegen. Die durchschnittliche Auslastung beim Einzelnen ist deshalb tendenziell rückläufig.

Positiver Effekt ist, dass durch neue Objekte die Qualität in der Ausstattung steigt. Wer neue Objekte an den Markt bringt, investiert in neue Ausstattung. Das macht es für einzelne Anbieter aber auch schwieriger, sich zu behaupten. Man steht nicht nur mit seinem Nachbarn im Konkurrenzkampf um den Gast, sondern der Gesamtzahl der Quartiere.

Mit welchen Angeboten kann Plau bei Urlaubern punkten?

Wir haben mit dem Leuchtturm in diesem Jahr ein neues Highlight dazubekommen. Die Resonanz darauf ist richtig gut. Es hat sich zum Besuchermagneten entwickelt.

Eine sehr gute Wirkung hat der kulinarische Bereich, allen voran die Initiative "Plau kocht". Sie zeigt, wie schmackhaft regionale Küche aus Mecklenburg sein kann.

Das Museum stand in diesem Jahr wegen der Sanierung leider nicht zur Verfügung. Aber die Besucherzahlen der vergangenen Jahre haben gezeigt: Das Angebot kommt sehr gut an. Ich hab auch schon mit Kollegen aus anderen Städten gesprochen. Die sind fast schon ein bisschen neidisch und bewundern die Arbeit, die der Heimatverein leistet. Gerade als Schlechtwetterangebot und in der Nebensaison sind solche Einrichtungen wichtig für uns. Es zieht zudem auch Gäste aus anderen Urlaubsorten nach Plau am See.

Schifffahrt, Infrastruktur, Freizeitangebote -die Urlauber äußern nicht nur Lob, sondern auch Kritik. In welchen Bereichen sehen Sie Nachholebedarf?

Die Entwicklung der Infrastruktur ist ein wichtiger Aspekt. Das Bewusstsein für Qualität bei den Gästen nimmt zu. Im Beherbergungsbereich sind wir gut aufgestellt. Jetzt muss die Infrastruktur drumherum weiterentwickelt werden. Der Leuchtturm und die Museumssanierung sind erste wichtige Schritte. Die Beschilderung ist ein Thema. Wir müssen die Gäste gut durch die Stadt leiten. Sie müssen die vorhandenen Angebote gut und einfach finden können. Die Kommunikation zum Gast ist ein wesentlicher Aspekt. Da hat unsere Tourist Info entscheidenden Anteil daran. In den Sommermonaten werden hier gut 300 Gäste am Tag betreut.

Wie steht’s um Qualität und Service in der Seestadt?

Solide, aber es gibt Nachholbedarf. Die Ansprüche der Gäste wachsen. Die Unternehmen müssen sich dessen bewusst sein, dass sie dies nur selbst leisten können. Wir können die Gäste mit unserem Marketing in den Ort holen. Mit dem Angebot überzeugen müssen aber die Unternehmer. Nicht alle Gäste fahren zufrieden wieder nach Hause. Das liegt in der Natur der Sache. Wir werten derzeit mit Stadt und Verkehrsverein aus, wo die Problemfelder lagen. Ohne jemanden an den Pranger zu stellen: Wenn es regelmäßig wiederkehrende Beschwerden zu einem bestimmten Angebot gibt, kann das nicht immer nur an den Gästen liegen. Dann muss der Anbieter sich auch mal hinterfragen. Es gilt, gemeinsam Probleme zu erkennen und anzugehen. Die Mund-zu-Mund-Werbung der Gäste kann man mit keinem Marketingplan beeinflussen. Da sind die Anbieter in der Pflicht.

In Sachen Wassertourismus ist Plau in diesem Jahr mit dem Molenausbau und dem Aussichtsturm einen weiteren Schritt voran gekommen. Gibt es weiteres Entwicklungspotential?

Die Entwicklung wasserseitig ist mit dem Ausbau der Strandstraße und der Fertigstellung des neuen Hafens nächstes Jahr gut aufgestellt. Jetzt gilt es, die Struktur im Ort daraufhin auszurichten.

Auch die Infrastruktur rings um die Seestadt ist wichtig für den Tourismus. Stichwort öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn.

Da sehe ich große Schwierigkeiten auf uns zukommen. Eine Anreise ohne PKW ist hier sehr schwierig. Wenn das Netzt der öffentlichen Verkehrsmittel jetzt noch weiter ausgedünnt werden soll, stellt sich die Frage, wie wir die Gäste hier in der Region bewegen. Es ist ein wirtschaftlicher Aspekt solche Netzwerke zu betreiben. Aber bei manchen Strecken macht es Sinn, sie zu behalten. Wir wollen Angebote erlebbar und erreichbar für unsere Gäste erhalten. Auch der Aspekt des ökologischen Tourismus spielt da mit rein. Außerdem haben wir gerade in Berlin und Hamburg ein Klientel, dass nur mit dem Zug verreisen möchte.

Nicht nur für Reisende, auch für Radler sind die Wege in und um Plau holprig. Wie bewerten Sie das Radwegenetz?

Im Bereich der Radwege haben wir eine Situation, die nach wie vor nicht zufriedenstellend ist. Gerade um den Plauer See haben wir etliche Probleme. Aber es ist einiges in der Planung zum Ausbau - zumindest auf Plauer Seite. Schön wärs, wenn endlich Ergebnisse sehen würde. Es ist schade, wenn man Deutschlands siebtgrößten See vor der Haustür hat und im Marketing nicht richtig damit werben kann.

Der fehlende Radrundweg ist nicht der einzige Kritikpunkt am Plauer See. Auch die Badestellen kommen nicht bei jedem gut weg.

In diesem Bereich sind wir noch nicht so gut aufgestellt wie anderer Orte. Das ist auch Thema bei den Gästen. Die Familienerlebnisbadestelle direkt in Plau fehlt. Da muss noch was passieren. Uns allen im Tourismusbereich ist aber bewusst, dass wir in Plau nicht immer acht Wochen Sonnenschein am Stück haben, was die Bewirtschaftung einer solchen Badestelle nicht ganz so einfach macht.Vielleicht wäre eine Kombination aus Badestelle mit Erlebnisbereich landseitig möglich. Der Pachtvertrag für die Badestelle Plötzenhöhe läuft in den kommenden Jahren aus. Da muss man dann sehen, was qualitativ und baulich machbar ist.

Eine wichtige bauliche Veränderung war schon in diesem Jahr Thema. Der Ausbau des Milchgutes sorgte immer wieder für erhitzte Diskussionen. Welche Meinung haben Sie zur Debatte?

Es ist kein neuer Umstand, dass Mecklenburg von der Landwirtschaft geprägt ist. Damit stehen wir als Region nicht allein da. Aber man muss gucken, wie lässt sich Landwirtschaft und Tourismus in Einklang bringen. Geruchsbelästigungen sind nie sehr angenehm.Aber würde die Schließung einer Anlage diesen Umstand komplett minimieren? Aus meiner Sicht nein. Dazu sind genug andere Anlage in der Umgebung präsent. Sicher ist es richtig und notwendig inwieweit Haltungsmaßnahmen und Produktionsabläufe den gesetzlichen Vorschriften entsprechen. Es kann natürlich nicht 300 Tage im Jahr eine Dunstglocke über dem Ort hängen. Aber ich denke, das Ziel hat keiner der Beteiligten. Es ist wichtig, den Dialog miteinander zu suchen.

Wie können Landwirtschaft und Tourismus nebeneinander funktionieren?

Es wäre sicher interessant zu schauen, inwieweit man den Gästen Einblick in die landwirtschaftliche Produktion geben könnte. Das ist natürlich ein Thema das aufgrund von Hygienebestimmungen nicht ganz einfach ist. Vielleicht gibt es Möglichkeiten in kleinen Bereichen den Gästen Einblick zu geben und so Landwirtschaft und Tourismus miteinander zu verbinden und ein Stück weit Ängste und Sorgen abzubauen. Zumal das Thema regionale Produkte an Bedeutung gewonnen hat. Wenn man den Gästen zeigen kann, wie gewisse Sachen entstehen, ist das vielleicht für sie auch interessant.

Auch die noch immer fehlende Ortsumgehung und der LKW-Verkehr durch die Stadt bleibt Thema. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Als Anwohner möchte man natürlich nicht im Minutentakt einen LKWs vor der Haustür vorbeifahren haben. Aber man muss auch sehen: Welche Wirkung hätte eine Umgehung insgesamt für den Ort? Sie betrifft nicht nur LKWs, sondern auch Gäste die Plau auf dem Weg zu ihrem Urlaubsort durchfahren und für einen späteren Tagesausflug entdecken. Man muss schauen, wie man diese Gäste durch eine Beschilderung und entsprechende Verkehrsleitführung trotz Umgehung in den Ort lockt. Sie dürfen nicht an Plau vorbeifahren und uns nicht wahrnehmen.

Von der Straße auf die Datenautobahn: Mit der neuen Urlaubs-Online-Plattform www.plau-am-see.de ist der Plauer Tourismus seit diesem Jahr erstmals gebündelt im Internet präsent. Wie wird das Angebot von einheimischen Unternehmern aber auch von potenziellen Gästen genutzt?

Die neue Seite hat eine richtig positive Resonanz erfahren. Wir hatten in den Vorjahren immer um die 200 000 Besucher. Wir hatten jetzt im November bereist die 300 000er-Marke überschritten. Die Gäste informieren sich sehr ausführlich, klicken im Schnitt vier Seiten an. Die Darstellungsmöglichkeiten für die Anbieter hat sich mit dem Relaunch sehr verbessert. Alle, die im Gästepass drin sind, kommen auch automatisch auf die Internetseite. Diese Kombination macht es gerade für kleinere Anbieter attraktiver.

Welche Zukunftspläne gibt es für die Homepage?

Es gibt Überlegungen, dass wir eine Art virtuellen Rundflug planen. Aus der Luft sollen verschiedene Aufnahmen der Stadt gemacht werden, die auf der Internetseite den Gästen die Möglichkeit geben sollen, den Ort schon vorab kennenzulernen.

Welche Pläne haben Sie für den Plauer Tourismus für das kommende Jahr?

Wir wollen das Marketing weiter ausbauen. Die Möglichkeiten, wie sich die Gäste über Urlaubsorte informieren können, sind so vielfältig, dass es nicht mehr ausreicht, mit eins, zwei großen Aktionen zu werben. Wir müssen das ganze Jahr über präsent sein. Weitere Angebote für Familien sollen ausgebaut werden, zum Beispiel der Plaulina-bezogene Stadtrundgang. Mit dem Museum zusammen wollen wir ein spezielles Angebot für Kinder schaffen. Wir wollen unsere Gäste zukünftig auch außerhalb der Öffnungszeiten der Tourist Info informieren. Da gibt es erste Ideen, zum beispiel durch Infosysteme.

Online werden wir unser Reservierunsgssystem umstellen. Wir werden uns dem System der Firma "Wild East" anschließen. Das ist ein landesweit genutztes System, wo mehr Vertriebskanäle angeboten werden - deutschland- und europaweit. Wir wollen mit dabei sein.

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