Umwelt : Gärreste im Naturschutzgebiet

Die dunkle Masse, als Gärreste aus einer Biogasanlage jetzt identifiziert, wurden überall auf den angrenzenden Grünflächen beim Gaarzer See ausgebracht.
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Die dunkle Masse, als Gärreste aus einer Biogasanlage jetzt identifiziert, wurden überall auf den angrenzenden Grünflächen beim Gaarzer See ausgebracht.

Schwarze Masse auch auf Grünflächen des NSG „Plauer Stadtwald“ entdeckt. Ordnungswidrigkeitsverfahren wurde eingeleitet

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02. Dezember 2014, 22:00 Uhr

Beißender Geruch liegt in der Luft. Werner Pauk klagt am heißen Draht unserer Zeitung über Kopfschmerzen und Übelkeit. „Ich habe nie Kopfschmerzen, so etwas kenne ich nicht“, sagt der Plauer.

Gern fährt er mit seinem Fahrrad am Gaarzer See entlang oder geht auf den gekennzeichneten Wegen mit seiner Hündin spazieren. Mit dabei immer eine Fotokamera. „Was ich jetzt dort beobachten musste, hat mich erschreckt und wütend gemacht“, erzählt er uns. Denn die angrenzenden Grünflächen sind dunkel, nahezu schwarz. Vom Grün ist nichts mehr zu sehen. Eine dunkle, klebrige und stinkende Masse wurde auf den Grünflächen entlang des Gaarzer Sees ausgebracht. Und nicht nur dort, sondern auch im Naturschutzgebiet „Plauer Stadtwald“ gibt es Flächen, auf denen die dunkle Masse zu finden ist. „Ich vermute, dass dies Reste aus der Biogasanlage sind“, sagt Werner Pauk. Recht hat er damit. „Bei der dunklen Masse handelt es sich um Gärreste aus einer Biogasanlage. Als Düngemittel auf Grünflächen gängige Praxis“, erklärt Jochen Krippenstapel, Fachdienstleiter Natur- und Umweltschutz des Landkreises Ludwigslust-Parchim. „Aber nicht in einem Naturschutzgebiet“, so der Fachdienstleiter weiter. Das ist verboten. Die Verordnung über das Naturschutzgebiet „Plauer Stadtwald“ des Landes MV vom 20. Juni 2012 schreibt dazu: „Insbesondere ist es verboten: Pflanzenschutzmittel oder sonstige Mittel zur Bekämpfung von Pflanzen und Tieren anzuwenden, Klärschlamm oder sonstige Stoffe organischer oder anorganischer Zusammensetzung [...] aufzubringen, zu lagern oder abzulagern...“ (§ 4, Abs. 17). Der Verantwortliche muss jetzt mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren rechnen. Das bestätigte Andreas Bonin, Pressesprecher des Landkreises auf Nachfrage unserer Zeitung.

Edgar Schippan, Arten- und Lebensraumschützer aus Dobbertin, kennt das Problem. Beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit dem Thema intensive Düngung von landwirtschaftlich genutzten Flächen. „Niemand weiß genau, um welche Stoffe es sich bei diesen Gärresten genau handelt. Und die Seen in unmittelbarer Nähe leiden darunter. Das ist deutlich zu erkennen“, erläutert Edgar Schippan. Immer wieder beobachtet er, wie der Dünger im großen Stil bis an die Uferzone ausgebracht wird. „Landwirte hoffen dann, dass es bald regnet. Dann ist die dunkle Masse nämlich wieder verschwunden. Aber die Folgen zeigen sich erst sehr viel später und kann niemand absehen“, verdeutlicht Edgar Schippan. Der Dobbertiner fordert seit geraumer Zeit eine Überprüfung der Düngeverordnung – bislang aber ohne Erfolg.

 

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