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Campen extrem in Dobbertin : Für ganz Harte: Zelten im Schnee

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Eigentlich hat der Zeltplatz am Dobbertiner See im Winter geschlossen. Eigentlich. Bei Kälte und Schnee kommt sowieso kein Mensch. Wie gesagt: eigentlich. Der Campingplatz liegt unter einer dichten Schneedecke.

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erstellt am 14.Feb.2012 | 04:59 Uhr

Dobbertin | Eigentlich hat der Zeltplatz am Dobbertiner See im Winter geschlossen. Eigentlich. Bei Kälte und Schnee kommt sowieso kein Mensch. Wie gesagt: eigentlich. Der Campingplatz liegt unter einer dichten Schneedecke. Der Wind weht vom See herüber, wirbelt etwas Schnee auf. Die Wiese, auf der sich die Urlauber im Sommer sonnen, ist leer. Eigentlich.

Unten am Seeufer holt Siegried Kromer mit der Axt aus. Er schwingt das Beil über seinen Kopf und lässt es auf einen Holzblock krachen. Das Holz splittert, kleine Stückchen fliegen durch die Luft. Wieder ein paar Scheide mehr für das Lagerfeuer. Das Feuer - es ist mit das Wichtigste für Kromer und seine Freunde. Die sieben Berliner lieben es, im Winter zu zelten. Immer im Januar machen sie sich auf, packen ihre Zelte ein und fahren in die Kälte. So machen sie das schon seit 36 Jahren.

Es war 1976, als die Berliner zusammensaßen und Jens Dobberkau die zündende Idee hatte. "Eigentlich war es nur eine Schnapsidee", erinnert sich der Mann mit dem weißen Bart. Daran, dass daraus ein 36-Jahre-Projekt werden könnte, dachte damals niemand. "Es hat sich eine Tradition entwickelt - ohne können wir gar nicht mehr", sagt der 68-Jährige und zieht sich seine Mütze etwas tiefer in die Stirn.

Die richtige Kleidung sei überhaupt das Wichtigste. "Vor allem jüngere Menschen sind oft viel zu dünn angezogen - das könnte uns nicht passieren", sagt Dobberkau. Ihm und seinen Freunden ist kein Winter zu kalt und keine Wiese zu verschneit, um nicht mitten im Schnee die Zelte aufschlagen zu können. Im Gegenteil: "Je kälter es ist, desto größer die Vorfreude", sagt der gebürtige Hamburger. Sein persönlicher Kälterekord: minus 21 Grad.

Eigentlich fahren die Sieben immer auf einen anderen Zeltplatz. In Dobbertin waren sie schon im vergangenen Jahr. "Doch es hat uns so gut gefallen, dass wir wiedergekommen sind", sagt Wolfgang Barthel. Es sei ein herrlicher Zeltplatz, da sind sie sich einig.

Bloß keine Heizung - bloß kein Strom

Nicht überall gefällt es den Freunden der Kälte. Einmal verbrachten sie ein paar Wintertage mit anderen Wintercampern. "Die hatten Elektroheizungen", sagt Dobberkau und winkt ab. Für die Kältezelter ist das nichts. "Wir wollen es natürlich", sagt Dobberkau. Die Ruhe im Schnee, der Kampf gegen die Kälte, das Feuermachen, die Einsamkeit - das ist es, was die sieben Freunde so sehr fasziniert. Heizungen, Strom oder fließendes Wasser stören das Erlebnis.

Ihre kalten Urlaubstage verleben die Naturliebhaber immer gleich. Am Feuer grillen sie, trinken Tee mit Rum, kochen Kesselgulasch. Eine große Wanderung steht auch auf dem Programm. Unter zehn Kilometern geht gar nichts. Zwischen elf und zwölf Uhr nachts legen sie sich in ihre Schlafsäcke. "Früher haben wir uns die Nächte um die Ohren geschlagen, aber wir werden ja auch nicht jünger", sagt Dobberkau und lacht. In den Zelten liegen dünne Isomatten und Schlafsäcke - mehr ist es nicht, was die Berliner vor der Kälte schützt.

Vor einigen Jahren begegneten ihnen bei einer Wanderung Menschen. "Stellt euch vor, da hinten zelten welche", sagten sie, "die müssen wohl verrückt sein." "Die Verrückten, das sind wir", hätten die sieben Wanderer eigentlich sagen müssen. "Aber wir haben einfach nichts gesagt, sondern gelacht", sagt Dobberkau. Wer auf dem Dobbertiner Zeltplatz im kommenden Winter wieder sieben Menschen aus ihren Zelten kriechen sieht, dem sei gesagt: Es ist alles ok - das sind keine Verrückten. Eigentlich.

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