Plau am See : Frommer Jazz?

Kontrabass, Klavier und Schlagzeug beim Konzert des Plauer Musiksommers

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09. August 2019, 05:58 Uhr

War das, was man am Mittwoch, 7. August, im Rahmen des Plauer Musiksommers hören konnte, Kirchenmusik? Zu Bachs Zeiten wohl kaum so akzeptiert. Und doch hat auch er viele Choräle bearbeitet, Bearbeitungen voller Genialität und wunderbarer künstlerischer Ausdeutung.

Für Ohren, die mit solcher Musik leben, ist es nicht einfach, sich solchen Jazzern wie Christian Grosch, Klavier (Brandenburg), Thoralf Schrader, Kontrabaß, Enno Lange, Schlagzeug (beide Dresden) hinzugeben. Man musste schon genau hinhören, um hinter dem Feuerwerk an Virtuosität die angekündigten Choralmelodien herauszuhören. „Du meine Seele singe“ war die Eröffnung, „Die güldne Sonne voll Freud und Wonne“, „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ - alles bekannte Melodien, deren Texte vom Pianisten zuvor vorgelesen wurden. Dadurch konnte man sich durchaus auf die dann folgende Musik vorbereiten. Ein sehr irdisches Stück mit einem brillanten Schlagzeugsolo hatte den Titel „Magdala“ - inspiriert von der Autobahnabfahrt des Thüringer Städtchens – durchaus skurril, aber eben einem Jazzerhirn entsprungen: Der Pianist entpuppte sich auch als Komponist – so auch in dem Stück „Helenas Tanz“: Hier war er inspiriert durch die kindlichen Tanzschritte seiner 3-jährigen Tochter, die er besonders heiß dem Schlagzeuger ans Herz legte. Ein unsinniges dadaistisches Gedicht war schließlich die Vorlage für den Gipfel der „weltlichen“ Klänge des Abends. Gegen diese stand ein Werk, das die Begegnung mit Trauer und Tod sehr eindrucksvoll darstellte, obwohl der Kontrabassist dem dunklen Klang seines Instrumentes viel abverlangte – aber nicht nur dunkle Töne entlockte ihm der Künstler: Es gab atemberaubende Passagen zum Beispiel in der Bearbeitung des Osterliedes „Gelobt sei Gott im höchsten Thron“ oder im Luther-Lied des Glaubensbekenntnisses „Wir glauben all an einen Gott“. Hier sang der Pianist zunächst mit schöner, schlichter Stimme die Strophen voraus – um dann seine Mitspieler mitzureißen in einem Wirbel von Jazzharmonien und -Rhythmen, wobei vor allem wieder der Kontrabass besonders tatsächlich „brillierte“, insofern man bei diesem Instrument überhaupt von Brillanz reden kann. Ein schlichteres „Abendgebet“; eine Zugabe um so feuriger vom Pianisten vorgelegt, hier wie bei allen Werken so fingerfertig, wie es sich für einen Jazzpianisten gehört: „Nun danket alle Gott“. Ein Konzert, das im Vergleich zu dem Höhepunkt der Vorwoche eben rein jazzig daherkam, insbesondere durch den grandiosen Einsatz des Schlagzeuges und eben des Klaviers. Das Publikum dankte durch frenetischen Beifall.

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