Neue Verwaltung : Froh über mehr Nähe zum Bürger

Anne-Marie Surrey (r.) und Kathrin Riediger engagieren sich im Lübzer Bürgerbüro.
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Anne-Marie Surrey (r.) und Kathrin Riediger engagieren sich im Lübzer Bürgerbüro.

Einwohner im Raum Lübz nehmen Angebot gern an, auf lokale Verwaltung übertragene Aufgaben zu nutzen / Manchmal Gedränge im Rathaus

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14. Juli 2014, 22:00 Uhr

Seit dem 1. März ist es möglich, ein Auto zuzulassen und Katasterauszüge zu erhalten, ohne zur Kreisverwaltung nach Parchim fahren zu müssen, sondern dies auch im Rathaus zu tun. Fazit nach gut drei Monaten: Das neue Angebot wird gern angenommen, hat die Arbeitsbelastung in der Verwaltung allerdings auch deutlich erhöht. „Der Amtsausschuss hatte für die neue Regelung plädiert und sie wurde auch von uns forciert“, sagt Bürgeramtsleiter Thomas Rosenfeldt. „Hintergrund war in erster Linie die Rückgewinnung von Bürgernähe, die durch die Kreisgebietsreform stark gelitten hat und sich immer weiter zu verstärken drohte. Einmal davon abgesehen, dass es besonders für Bewohner des ländlichen Raumes sehr zeitaufwändig ist, nach Parchim zu fahren, dort alles zu erledigen und wieder zurück zu kommen, weiß ich nicht, was beispielsweise eine Mutter mit Kinderwagen machen soll, wenn die Regionalbahn wie geplant nicht mehr verkehrt.“

Am 1. Mai kam das Angebot hinzu, auch Anträge auf die Auszahlung von Unterstützung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG – ein aktuelles Saisongeschäft) abgeben zu können. In naher Zukunft wird es außerdem möglich sein, auch Führerscheinanträge im Rathaus abzugeben. Weil es jedoch darum gehe, nicht nur Papier entgegen zu nehmen, sondern auch zu beraten, sei eine große Menge zusätzliches Fachwissen notwendig. Um das Gewöhnen an die neue Situation zu erleichtern, werden die Neuerungen schrittweise eingeführt. „Insgesamt gesehen ist es bemerkenswert, wie sich die Frauen in alles hineingefunden haben“, sagt Rosenfeldt über seine Mannschaft anerkennend. Vor allem durch Urlaub und Krankheit bedingt wäre trotz allem eine zusätzliche Kraft wünschenswert, wo die allseits bekannt schlechte Finanzausstattung jedoch enge Grenzen setze. „Mein Appell an die Hilfesuchenden lautet, Verständnis zu zeigen, wenn es einmal etwas länger dauert“, so der Amtsleiter. „Zehn Minuten sind nicht immer einzuhalten und der Bedarf lässt sich nicht steuern. Da kommen an Tagen, an denen ich die volle Mannschaft zur Verfügung habe, vielleicht vier oder fünf Leute, und 24 Stunden später scheint sich ein ganzer Bus vor dem Rathaus zu entladen, aber im Bürgeramt sind aus verschiedenen Gründen nur zwei Frauen.“

Um Wartezeiten insgesamt zu verkürzen, habe man zwischendurch zum Beispiel schon versucht, einige Bereiche wie Wohn- und Bußgeld getrennt von den neuen abzuarbeiten, dies jedoch schnell wieder zurückgefahren, weil einige Besucher, die später gekommen waren, so früher fertig waren. Der alles entscheidene Umstand, dass das zu bearbeitende Problem bei dem Betreffenden schlicht und einfach mit weniger Aufwand (und damit Zeit) zu lösen war, zählte dabei nicht: „Dann gab’s Stimmung und einige haben sich richtig Luft gemacht, was zwar nichts brachte, aber das interessiert dann nicht. Großen Unmut hält täglich niemand aus – daran muss ich auch im Sinne unserer Leute denken.“ Trotz allem stehe Rosenfeldt zu dem neuen System. Der (wenn auch nicht vorhersehbare) Andrang an vielen Tagen und Gespräche zeigten, dass der Bedarf vorhanden sei.

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