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Neues Gesetz für Notfallsanitäter : Frischer Wind beim Rettungsdienst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

In Parchim bewährt sich ein erfolgreiches Modell bei der Ausbildung von Rettungsassistenten / Neues bundesweites Gesetz für Notfallsanitäter

svz.de von
erstellt am 07.Jan.2014 | 22:00 Uhr

Jennifer Loll ist frisch ausgebildete Rettungsassistentin in der DRK-Wache in Parchim. Die 26-Jährige, die vorher Altenpflegerin gelernt hatte, absolvierte zwischenzeitlich eine dreijährige Ausbildung für ihren neuen Beruf. Eine abwechslungsreiche Arbeit, berichtet sie. „Jeder Einsatz, jeder Tag ist anders.“ Wenn auch nicht immer einfach. Vor allem, wenn sie zu einem Noteinsatz muss zu anderen jungen Leuten oder gar zu Kollegen. „Man muss dafür geboren sein“, so Jennifer Loll.

Sie gehört zu den acht jungen Leuten, die in den vergangenen Jahren in der Parchimer Rettungswache ihre dreijährige Rettungsassistenten-Ausbildung absolviert haben bzw. noch absolvieren, erfährt SVZ vom Leiter der Wache Enrico Fuhrmann. Vier der einstigen Azubis haben wie Jennifer Loll ausgelernt. Das Modell der eigenen Ausbildung habe sich bewährt, so Fuhrmann. Man könne die junge Leite auch über die ganze Zeit beobachten.

Das Parchimer Modell ist keinesfalls die Regel. Die Ausbildung war bisher deutschlandweit nicht einheitlich geregelt. Breit verbreitete Praxis ist es, dass die angehenden Rettungssanitäter kürzere Zeit lernen und die Kosten von mehreren tausende Euro selbst bezahlen müssen. Und auch von einer Ausbildungsvergütung - wie in Parchim - können viele andere nur träumen.

Bereits seit mehr als fünf Jahren bietet die DRK Rettungsdienst Parchim Ludwigslust gGmbH in Kooperation mit der ASB Rettungsdienst gGmbH Südwestmecklenburg , dem DRK Kreisverband Nordwestmecklenburg e.V. und der Berufsfeuerwehr Schwerin die Rettungsassistentenausbildung als dreijähriges Modell an, bei dem die Auszubildenden - ähnlich wie in der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung oder den klassischen Berufsausbildungen nach dem Berufsbildungsgesetz - abwechselnd in der Schule theoretische Inhalte erlernen und auf der Rettungswache sowie in der Klinik praktische Erfahrungen sammeln, erklärt Christoph Richter, Geschäftsführer beim DRK Rettungsdienst.

Die Parchimer müssen sich indes wie alle anderen in der Branche auf eine Neuerung einstellen. Am 1. Januar 2014 ist das Gesetz über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters in Kraft getreten, so Richter: Bisher war die höchste nichtärztliche Ausbildung im Rettungsdienst die als Rettungsassistent. Daneben existieren noch kürzere und nicht bundeseinheitlich geregelte Ausbildungen als Rettungssanitäter und Rettungshelfer. Die Ausbildung für die Mitarbeiter im Rettungsdienst dauert jetzt bundesweit drei anstatt wie vorher zwei Jahre und ist als Blockunterricht gegliedert – also Berufsschule, Krankenhaus und Rettungswache im Wechsel – und wird dann auch vergütet. Während bisher die Ausbildung meist aus eigener Tasche bezahlt werden musste, sollen nun größtenteils die Krankenkassen diese Kosten tragen, da eine bessere Notfallrettung auch die darauf folgenden, meist erheblich höheren Krankenhauskosten senkt, so der Chef vom DRK-Rettungsdienst.

Dass bei einer Gesetzesnovellierung eine Ausbildungszeit von drei Jahren und ein Wechsel von schulischen und berufspraktischen Ausbildungsinhalten gefordert sind, erscheine retrospektiv wenig überraschend, aber durchaus sinnvoll, meint Richter. „Das DRK in Westmecklenburg fühlt sich mit seinem Konzept der dreijährigen Berufsausbildung sehr gut für die kommenden Herausforderungen aufgestellt, wohl wissend, dass das Konzept nicht eins zu eins übertragbar sein wird. Wir werden die geforderten Vorgaben sowie die Lernziele und Inhalte der schulischen Ausbildung selbstverständlich anpassen. Zunächst warten wir auf konkrete Durchführungsverordnungen für die Ausbildung und auf eine avisierte Novellierung des Landesrettungsdienstgesetzes, in dem die Mindestqualifikation des Personals auf den Rettungsmitteln geregelt ist.“

Mit der Umsetzung des Gesetzes auf Landesebene gehe es insbesondere um die Fragen, ab welchem Zeitpunkt und auf welchen Rettungsmitteln der Notfallsanitäter verbindlich eingesetzt wird und wie die Finanzierung geregelt wird, so der Parchimer weiter. „Sicherlich werden wir dann auch einzelne Inhalte unserer schulischen Ausbildung an die neuen Vorgaben anpassen. So werden wir z.B. voraussichtlich noch mehr psychologische Inhalte integrieren und aus heutiger Sicht wissen wir noch nicht genau, ob die Führerscheinausbildung weiterhin als Bestandteil erhalten werden kann.“

Um die Ausbildung den gesetzlichen Vorgaben entsprechend gewährleisten zu können, muss der Rettungsdienst auch seine Ausbilder weiterqualifizieren. Das neue Gesetz fordere hier höhere Qualifikationen als bisher. Die neuen Notfallsanitäter sollen zukünftig mehr Kompetenz erhalten und so z.B. teilweise auch bisher Ärzten vorbehaltene „invasive“ Maßnahmen in lebensbedrohlichen Situationen durchführen oder einzelne Medikamente verabreichen.

Richter: „Insgesamt verfügen wir durch die seit Jahren bereits gelebte dreijährige Berufsausbildung und durch die jährliche umfangreiche Fortbildung des Rettungsdienstpersonals bei uns jedoch bereits heute über beste Voraussetzungen, um die neue Ausbildung in Kürze gewährleisten zu können. Die vorgeschriebene Ausbildungsvergütung ist bei uns schon tariflich geregelt und eingeführt, so dass wir kaum komplizierte Veränderungen erwarten.“ Das im Rettungsdienst bereits seit Jahren tätige Personal, die Rettungsassistentinnen und Rettungsassistenten, seien nicht zuletzt auch durch die bereits 2008 eingeführte dreijährige Ausbildung und durch jährliche regelmäßige Fort- und Weiterbildungen auch in der Vergangenheit bestens für ihre Tätigkeit im Rettungsdienst qualifiziert, versichert Richter. „Sie dürfen also auch schon heute auf bestens qualifiziertes, motiviertes und kompetentes Personal im Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes vertrauen.“

 

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