Fisch aus Lübz : Frische als Grundprinzip verankert

Fischfachmann mit Leib und Seele: Wilhelm Bartels
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Fischfachmann mit Leib und Seele: Wilhelm Bartels

Fischfachmann Wilhelm Bartels aus Lübz ist seit über 50 Jahren eng mit seinem Beruf verbunden. Auch morgen ist er noch für seine Kunden da.

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30. Dezember 2017, 05:00 Uhr

1965 steigt Wilhelm Bartels ins Berufsleben ein. Er wird Fischer in Plau am See. Nach gut zwei Jahrzehnten dann eine entscheidende Änderung: Unmittelbar nach der Wende geht der gebürtige Lübzer für das Unternehmen, in dem er gelernt hat, zusätzlich mit einem Verkaufswagen über die Dörfer auf Tour – dorthin, wo damals noch viele ältere Kunden wohnen, die einen großen Teil ausmachen.

Mit Gründung seines eigenen Betriebes – einer „Ich-AG“ – 2004 übernimmt Bartels den Wagen und fährt zunächst auch weiter hinaus aufs Land, bis sich dieser Aufwand nicht mehr lohnt. „Mittlerweile merke ich deutlich, dass viele Ältere, die gern zu mir kamen, gestorben sind. Der Umsatz ist deshalb insgesamt zurückgegangen“, sagt Bartels. Unabhängig vom Alter stellten Stammkunden, die bei ihm kaufen, allerdings nach wie vor den größten Teil. Und auf sie könne man sich verlassen, was in bezug auf die geschäftliche Seite trotz des erwähnten Rückgangs beruhigend wirke.

Der heute 68-Jährige hat sich schon vor mehreren Jahren auf dem Gelände in der Kreiener Straße niedergelassen, wo einst die Lübzer Feuerwehr untergebracht war (vor allem am noch stehenden Schlauchtrockenturm gut zu erkennen). „Etwas komisch finde ich, wenn mir Einheimische sagen, dass sie gar nicht wissen, wo sie hinfahren müssen, wenn ich ihnen die Adresse sage“, berichtet Bartels und lächelt. In dem Gebäude gibt es neben einem Aufenthaltsraum unter anderem einen neu hergerichteten Verkaufsbereich und eine Räucherkammer – traditionell von Hand durchweg mit Buchenholz und nicht computergesteuert betrieben. Neuere Anlagen täuschten öfter mehr oder weniger nur noch etwas vor, weil in ihnen lediglich ganz zum Schluss sehr wenig Holz eingestreut werde, um wenigstens den typischen Geruch zu erhalten.

Auf dem Hof stehen zwei mit 2000 beziehungsweise 1500 Liter Wasser gefüllte Becken. Im größeren schwimmen zum Jahreswechsel rund 2000 Karpfen und ein paar Hechte, im kleineren etwa 800 Forellen, deutlich größere Lachsforellen und Saiblinge. Das Wasser kreist, wird nach dem Verlassen des Beckens mit einem Schlauch von oben wieder eingelassen und auf diese Weise mit Sauerstoff angereichert. „Dies sichert eine gute Reinigung des Karpfens“, weiß Bartels. Bei ihm seien etwa drei Kilogramm schwere Exemplare besonders beliebt, weshalb die Tiere dem Wunsch der Kunden entsprechend eingekauft werden. Die Antwort auf die Frage, wie lange es dauert, bis die große Menge Fisch verkauft ist, erstaunt: „Zwei, höchstens drei Tage. Dann muss alles weg sein.“

Schon zu Weihnachten war bei Bartels Erfolg zu erleben – neben Ostern und Silvester die einnahmestärkste Zeit. Zwei gute Freunde, die Erfahrung im Umgang mit Fisch haben, halfen ihm, den Kundenansturm zu bewältigen. Karpfen und Forellen wurden lebend aus dem Wasser geholt, geschlachtet und ausgenommen. „Frischer geht’s nicht!“, meint der Händler. Besonders zu Silvester steht Karpfen in vielen Familien ganz oben auf der Speisekarte. Heute und selbst am morgigen Sonntag ist Bartels auf dem Hof der alten Feuerwehr noch bis 12 Uhr mittags für seine Kunden da. „Auf die mittlerweile veränderten Wünsche besonders der jüngeren, die größere Fische zum Beispiel oft in Stücke zerteilt haben möchten, muss man eingehen. Sonst ist das Geschäft vorbei“, sagt er. „Vielen ist wichtig, das Tier vor dem Bezahlen lebend gesehen zu haben. Wer so einkauft, weiß genau, was er isst.“ Weil die meisten mit dem Auto kommen, sei es zudem wichtig, gut auf diese Art und Weise erreichbar zu sein: „Deshalb habe ich jahrelang an einem Parkplatz in der Stadt gestanden, was ich aus Altersgründen aber schon seit längerer Zeit nicht mehr tue. Ganz aufhören mag ich allerdings auch nicht. Dafür bin ich zu sehr mit meinem Beruf verwachsen.“

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