Klaus Regolin aus Wendisch Waren stellt Motive aus : Fotografie: Mehr als nur ein Knips

<fettakgl>Hier kann er künstlerisch arbeiten:</fettakgl> Klaus Regolin in seinem kleinen Atelier in seinem Haus in Wendisch Waren. <fotos>sabrina Panknin</fotos>
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Hier kann er künstlerisch arbeiten: Klaus Regolin in seinem kleinen Atelier in seinem Haus in Wendisch Waren. sabrina Panknin

Für Klaus Regolin ist Fotografie mehr als nur Knipserei. Er schießt Bilder mit seiner Kamera, wenn Herz und Verstand gleichermaßen bei der Sache sein. Ab morgen zeigt er im Natur-Museum Goldberg einige seiner Aufnahmen.

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11. Januar 2013, 07:43 Uhr

Wendisch Waren/Goldberg | Hier hängt ein Stein von der Lampe, dort liegen welche auf dem Fußboden - überall im Wohnzimmer von Klaus Regolin verstreut liegen sie, jahrtausend Jahre alte Steine. Aus einer Zeit, die sich niemand wirklich genau vorstellen kann. Klaus Regolin hängt an ihnen, sie erzählen ihm allein durch ihre besondere Form eine Geschichte. Der Wendisch Warener sammelt sie, mit Herz und aus Leidenschaft. Genauso sammelt er Bilder, Fotografien von Landschaften. Mehrere Fotos stehen aufgereiht hintereinander, sie zeigen immer wieder das gleiche Motiv, und doch ist es anders. Das Licht, die Empfindung, der Blickwinkel wechselt. Das sei es, was Fotografie ausmache. "Fotografieren ist mehr als nur Knipsen, das ist der große Unterschied", erklärt Klaus Regolin.

Sein altes Wohnhaus steht umringt von hohen, großen Bäumen. Wie Riesen stehn sie da - inmitten der Natur. Wenn Klaus Regolin aus dem Fenster schaut, sieht er diese - seine Landschaft. Die Landschaft, die ihn zu Herzen rührt und die er immer wieder im Bild festhalten möchte. Wie ein Labyrinth gestaltet sich das Haus in Wendisch Waren. Wer hier zum ersten Mal hereinkommt, fühlt sich wie Alice im Wunderland. Hinter zahlreichen Türen verbergen sich die unglaublichsten Schätze - Bilder, Bücher, Bronzestatuen. "Das hier ist mein Liebling", sagt der 83-Jährige und lächelt, während er die kleine Statue von Wolfgang Amadeus Mozart in den Händen hält und dreht. "Mein Amadeus", flüstert er sich zu. Jedes Zimmer erzählt eine eigene Geschichte. Nicht nur wegen all der Dinge, die der gebürtige Hamburger sammelt, sondern vor allem wegen seiner eigenen Bilder. Ob gemalt oder fotografiert - Klaus Regolins Bilder wirken auf den Betrachter, lösen Em pfindungen aus. Ebendiese sind es, die auch zum Fotografieren gebraucht werden, weiß der pensionierte Kapellmeister.

Den gebürtigen Hamburger zieht es beim Fotografieren immer wieder raus in die Natur, vor allem zum Wasser hin - eben ein Hanseat durch und durch. "Als kleiner Junge habe ich im Knabenchor im Michel gesungen. Wir wussten immer, wie lange ungefähr die Predigt des Pastors dauert. In dieser Zeit haben wir uns dann immer rausgeschlichen, eine Treppenstufe mussten wir überspringen, da diese knarrte", erinnert sich Klaus Regolin. Während der Predigt saßen die Jungen dann am Hafen und haben alles "ausspioniert". "Einmal sind wir fast zu spät gekommen. Unser Chorleiter schaute nicht wirklich erfreut", erzählt der 83-Jährige. Von diesen Erlebnissen aus Kindheitstagen zehrt Klaus Regolin heute noch. Zusammen mit seiner Mutter musste er aber 1943 nach Bayern flüchten. Der Zweite Weltkrieg hatte die norddeutsche Hansestadt fest im Griff. "43 wurden wir ausgebombt. Deshalb zog es meine Mutter und mich nach Bayern. Aber nur für kurze Zeit. Zu diesem Zeitpunkt waren meine Eltern bereits geschieden", erzählt Klaus Regolin.

Das Fotografieren wird während seines Studiums schon zur großen Leidenschaft. Doch ist dieses Hobby weit entfernt von dem eigentlichen Beruf, den Klaus Regolin in Berlin und Stralsund viele Jahre ausübt: er arbeitete als Kapellmeister. "In Berlin hatte ich während meines Studiums schon mein eigenes Sinfonieorchester", erzählt der 83-Jährige. Damals aber stand noch die Musik im Mittelpunkt seines Lebens. "Die Fotografierei war mehr Knipserei. Heute ist das anders", sagt der Wendisch Warener und lächelt. Überall stehen sie, hintereinander weg aufgereiht. Fotografien aus seiner heutigen Heimat.

Nicht jeden Tag zieht es den pensionierten Kapellmeister raus in die Natur. Oftmals steht er auch in seinem kleinen Atelier und malt. Auch das gehört zu Klaus Regolin wie all die großen Bilder, die in seinem Zuhause hängen. Einige davon präsentiert jetzt das Natur-Museum Goldberg. "Wir freuen uns, dass wir einige seiner tollen Bilder zeigen können", erzählt Museumsleiterin Roswitha von Pich Lipinski. Klaus Regolin selbst wird bei der morgigen Eröffnung um 14 Uhr im Museum zugegen sein, verspricht die Leiterin. "Ich werde nur kurz ein paar Worte zur Einleitung sagen. Danach wird Klaus Regolin auch über seine Fotografien sprechen", verdeutlicht Roswitha von Pich Lipinski.

Bis Ende Februar werden die Bilder von Klaus Regolin dann in einer Sonderausstellung im Natur-Museum Goldberg zu sehen sein. Immer zu den Öffnungszeiten können Interessierte vorbeischauen und sich die Ausstellung anschauen. Während das passiert, wird Klaus Regolin vielleicht schon wieder mit seiner Kamera bewaffnet durch die Natur schweifen - auf der Suche nach dem besten Motiv. Immer mit anderen Empfindungen, immer aus einer anderen Perspektive, aber immer mit Herz bei der Sache - eben keine bloße Knipserei.

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