Flüchtlinge in Lübz : „Flut an Gerüchten ist dramatisch“

Von Gudrun Stein (Mi. r.) erfuhr der Amtsausschuss auf seiner jüngsten Sitzung am Dienstagabend das Neueste zum Thema Asylbewerber.
Von Gudrun Stein (Mi. r.) erfuhr der Amtsausschuss auf seiner jüngsten Sitzung am Dienstagabend das Neueste zum Thema Asylbewerber.

Verwaltungs-Chefin des Amtes Eldenburg Lübz äußert sich gegenüber Bürgermeistern mit klaren Worten zur Flüchtlings-Situation

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11. November 2015, 21:00 Uhr

„Dramatisch ist die gegenwärtige Flut unterschiedlichster Gerüchte, die vollkommener Blödsinn sind, aber weitergetragen werden.“ Zum Thema Flüchtlinge und Asylbewerber hat sich Gudrun Stein, Leitende  Verwaltungsbeamtin des Amtes Eldenburg Lübz, auf der Sitzung des Amtsausschusses am Dienstagabend mit klaren Worten geäußert. In dem Gremium kommen Lübzer Stadtvertreter und die Bürgermeister der amtsangehörigen Gemeinden regelmäßig zusammen.

Zum Beispiel hätten Schüler aufgegriffen, dass jetzt am Rand von Lübz eine Containersiedlung errichtet werden solle und Gudrun Stein gefragt, ob es stimme, dass Deutsche ihre Wohnungen verlassen müssen, damit Flüchtlinge untergebracht werden können: „Ich war sprachlos über so viel dummes Zeug, das jedoch gefährlich werden kann und ich bin froh, dass die Schüler mit mir gesprochen haben, weil ich so darauf reagieren und das Bild gerade rücken konnte.“ Einzig und allein richtig sei, dass der Landkreis Wohnungen anmietet, in die dann Flüchtlinge einziehen können. Wann dies geschehen wird, stehe noch nicht fest. Sobald im Amt neue Erkenntnisse dazu vorliegen, werde es die Bürgermeister darüber informieren.

Auch in mehreren Gemeinden wurde schon intensiv über das Thema Flüchtlinge und Asylbewerber beraten. Dabei spielte die Möglichkeit, selbst eventuell Wohnraum zur Verfügung  stellen zu können, eine zentrale Rolle. Gegenwärtiger Stand sei, dass es im Amtsbereich keine zentrale Unterbringung der Hilfesuchenden gibt. Der Landkreis hingegen hat mehrere Stellen eingerichtet, in denen die Flüchtlinge bleiben, bis geklärt ist, dass sie ein voraussichtliches Bleiberecht erhalten. Erst dann erfolgt die Weiterleitung  in die Gemeinden. „Darüber sind wir sehr froh. Es gibt auch Landkreise, die es anders machen und die Aufgabe der Erstunterbringung sofort auf die Gemeinden übertragen, womit viele überfordert sind“, so Gudrun Stein. In unserem Landkreis gebe es derzeit rund 1400 Flüchtlinge, bis Jahresende könnten es 2000 werden. Jetzt gehe es darum, die dezentrale Unterbringung vorzubereiten, bei der die Betreuung jedoch schwieriger auszuüben sei, was man beachten müsse. An den zentralen Stellen hat diese Aufgabe  die Arbeiterwohlfahrt (AWO) übernommen.

 An der Regionalen Schule in Lübz wurde bereits eine Extra-Klasse gegründet, um den Flüchtlingskindern Deutschunterricht zu erteilen. Dafür habe man eine Lehrkraft zusätzlich eingestellt. Unter den Schülern – so die Beobachtung – befänden sich auch unbegleitete Jugendliche.

Amtsvorsteher Jens Kühl ergänzte, dass laut Aussage der Polizei auch in unserer Region zum Beispiel die Kriminalität nicht angestiegen sei, obwohl landesweit völlig anders lautende Gerüchte gestreut werden, wie er selbst zum Beispiel von seinem in Rostock lebenden Sohn wisse. „Da wird gezielt Stimmung gemacht und ich bitte Sie: Halten Sie dagegen, wenn Sie solche Dinge hören!“, so Kühl. „Selbst wenn unser Landkreis 2000 Asylbewerber aufnehmen sollte, würden sie ein Prozent der Einwohnerzahl ausmachen – das ist nichts. Ich bin froh, dass sich auch der Landrat dementsprechend öffentlich geäußert hat.“

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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