Landratswahl 2018 : Flüchtlinge sind sein Thema

Lieblingsort: Im Lübzer Rathaus hat Pasternak 1990 geheiratet.
Lieblingsort: Im Lübzer Rathaus hat Pasternak 1990 geheiratet.

Vorgestellt: Der Landratskandidat Matthias Pasternak von der Alternative für Deutschland

svz.de von
15. Mai 2018, 05:00 Uhr

Am 27. Mai wählt Ludwigslust-Parchim einen neuen Landrat. Unsere Redaktion hat die vier Kandidaten zum Gespräch gebeten – unter einer Bedingung: Es soll an ihrem liebsten Platz im Landkreis stattfinden. Den Beginn macht der AfD-Kandidat Matthias Pasternak.

Um seinen Weg in die Politik zu beschreiben, bräuchte Matthias Pasternak (50) nicht einmal einen vollständigen Satz. Ein Wort und eine Zahl reichten ihm. Er aber holt aus. Wohl in dem Wissen, den Eindruck nicht noch zu verstärken, in ein Klischee zu passen.

Pasternak sitzt auf einer abgesessenen Bank unweit des Lübzer Rathauses, vor ihm fließt die Elde, dahinter ein kleiner Park: Provinz im Brennglas, dazu seine Heimat, hier ist er geboren, hier hat er Abitur gemacht, hier hat er geheiratet. Er spricht über die „kompletten Veränderungen der gesellschaftlichen Strukturen durch die Einwanderung 2015 und 2016“, von „Asyl“ und „Rechtsstaatlichkeit“, von Geldern, die nach seinen Worten erst nicht da waren und dann wohlwollend verteilt wurden.

Pasternak fand zur AfD wie die AfD zu den Flüchtlingen: Zynisch klingt es, aber die Partei als Plattform sowie die geflüchteten Menschen als Thema versprechen in der deutschen Politik einen zügigen Aufstieg. Er würde sich auch in der CDU wohlfühlen, im konservativen Teil, sagt er. Aber da müsse man erst Kaffee kochen und kopieren, damit man sich durch die Strukturen kämpfen könne. In der AfD hat Pasternak knapp zwei Jahre gebraucht und er ist Landratskandidat.

Als gehörte es zum Parteibuch, war er bereits Gegenstand deutschlandweiter Berichterstattung. Ende März hatte ihn der Kreiswahlausschuss als Kandidaten abgelehnt. Dem lag das falsche Führungszeugnis vor. Versehentlich, so begründet es Pasternak, habe er im Februar anstelle des behördlichen das einfache angefordert. Die AfD ging dagegen vor und sprach von einer „Skandalentscheidung“ und einem bewussten Rechtsbruch der „Altparteien“. Obwohl der Kreiswahlausschuss formal im Recht war, entschied der Landeswahlausschuss, Pasternak zuzulassen – wegen der Freiheit der Wahl, wie es die Landeswahlleitung auf Nachfrage mitteilte.

Etwa einen Monat Zeit für den Wahlkampf hat Pasternak durch die Querelen verloren. Er muss trommeln. Seine ersten Amtshandlungen als Landrat sähen wie folgt aus: Der Landkreis soll bei Flüchtlingen das Alter feststellen. Die Echtheit ihrer eingereichten Dokumente soll überprüft werden. Und es braucht ein Computerprogramm, damit abgeglichen werden kann, ob sie Sozialmissbrauch begehen. Vorangestellt hatte Pasternak folgenden Satz: „Flüchtlinge und Asylpolitik sind hier kein kommunalpolitisches Wahlkampfthema.“ Einer seiner Fürsprecher ist Christoph Grimm, AfD-Landtagsabgeordneter, der mal in einem Brief schrieb, die Republik stünde am Vorabend einer Machtergreifung. Adressiert war er an Joachim Gauck, den damaligen Bundespräsidenten. Pasternak arbeitet für Grimm als juristischer Referent im Landtag. Dort habe er sich mit der Politik vertraut gemacht. Dazu seine Erfahrung als studierter Jurist. Er wäre ein geeigneter Landrat.

Angesprochen auf seine größten Themen sagt er, an Nummer eins stünde die Wirtschaft. Die Mittelständler stärken. Die Digitalisierung vorantreiben. Den Tourismusstandort fördern. Und er strebte eine kostenlose Schülerbeförderung an. Weit weg sind seine Kontrahenten hier nicht. Aber Pasternak wollte eben nicht zu den Etablierten gehen, wie er sie nennt. Die Alternative für Deutschland sei eine frische Bewegung: Sie spricht Dinge aus, über die andere nur hinter verschlossenen Türen reden. Zu zweifeln scheint er aber selbst. Als er ausholt, um über die finanzielle Verantwortung des Landkreises in Bezug auf Flüchtlinge zu reden, weiß er nicht, wie er sich ausdrücken soll. Sind es Flüchtlinge? Asylbewerber?

Matthias Pasternak macht eine Pause. Vor ihm fließt die Elde. Er senkt seine Stimme, der Anflug eines Flüsterns. „Ich nenne Sie mal Wirtschaftsmigranten“.






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