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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

13. Dezember 2017 | 02:45 Uhr

Parchim : Flüchtlinge danken ihren Helfern

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Lage in der Notunterkunft hat sich entspannt / Deutschunterricht für Kinder / Weitere Aktionen bei der Kirchgemeinde St. Marien

Dienstag, 18 Uhr: Hassan (Name geändert) ist guten Mutes und ziemlich entspannt. Der syrische Flüchtling und sein Küchenteam haben reibungslos funktioniert: Die von einem Parchimer Bäcker gespendeten Fladenbrote sind portionsgerecht geschnitten, die Hähnchenschenkel knusprig gegrillt; der Reis ist auf den Punkt gegart, der grüne Salat in feine Streifen zerkleinert und gewürzt, die Soße wartet.

Das Essen, das die in der Parchimer Tennishalle untergebrachten Flüchtlinge unbedingt ihren Betreuerinnen und Betreuern spendieren wollten, ist servierfertig: Für den deutschen Gaumen allerdings vielleicht ein wenig zu „spicy“ – also orientalisch scharf gewürzt, „aber super lecker“, verkünden die, die bei der Essensausgabe zuerst drankommen. In der Tennishalle warten Biertische und –bänke, geschmückt mit Blumen von den jüngsten Erntedankfest-Gottesdiensten aus Parchim.

Syrische Flüchtlinge waren es, die demonstrativ für das Netzwerk kochten. „Seit ihrem Eintreffen in der Parchimer Tennishalle ist dort unglaublich viel positive Energie entstanden“, lässt Robert Stenzel verlauten. Der Gemeindepädagoge von St. Marien, wo sich das Parchimer Netzwerk für Flüchtlingshilfe gründete, schwärmt von einem Lichtblick. „Wir erleben Menschen, die nicht nur fordern und nehmen, sondern dankbar sind für das, was ihnen an Hilfe zukommt.“ Damit, so Stenzel als Pressesprecher des Netzwerks, könne die aktuelle, durchaus kontroverse Diskussion spürbar entschärft werden. „Dem Parchimer Netzwerk ist es gelungen, die Stimmung unter der Bevölkerung wesentlich zu beruhigen und aufzuhellen.“ Positiv sei zum Beispiel auch, dass eine ältere Dame in der Parchimer Tennishalle nachmittags Flüchtlingskindern regelmäßig Deutschunterricht erteile. „Die Tische reichen inzwischen kaum aus.“

Seit dem 25. September kommen in der Parchimer Tennishalle unerwartet Busse mit Flüchtlingen aus Nahost und Afrika an, die in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes keinen Platz mehr finden – Jugendliche, junge Männer, auch Grauhaarige, schwangere Frauen, kinderreiche Familien. Die Gerüchteküche brodelt. Doch kaum einer, der die aktuelle Lage als Bedrohung des Abendlandes schlimm redet, hat je seinen Fuß in die Parchimer Tennishalle gesetzt. Wir treffen dort auf ein pralles, ungemein entspanntes Leben, auf das der Sicherheitsdienst allerdings ein waches Auge hat. Inzwischen gibt es dort mit Folien oder Decken abgehängte Trenngitter, die Privatsphäre wenigstens einigermaßen sicherstellen. Flüchtlingsjungen spielen mit Parchimer Altersgenossen locker Fußball. Im Außenbereich wird geharkt und tummeln sich dunkelhäutige Kinder, werden sogar zum Tennisspiel eingeladen. „Hier ist was los – da können wir uns kümmern und treffen Spielkameraden“, verkünden fünf Mädchen, die nach ihrer Christenlehre zur Tennishalle gekommen waren.

„Die Lage hat sich ungemein entspannt“; verkünden Frauen vom Parchimer Netzwerk für Flüchtlingshilfe. Allerdings wissen sie nie, wann die nächsten Flüchtlingsbusse eintreffen. „Es mangelt an Kommunikation.“ Und schon gar nicht sei bekannt, wie viele „Refugees“ es dann sein mögen. Daraus folgte prompt eine enge Vernetzung über das Internet, worin sich innerhalb kurzer Zeit die aktuelle Notlage verbreiten lasse und blitzschnell Helfer zu rekrutieren seien. „Mein Mann weiß dann, wo ich dann stundenlang bin“, berichtet eine Helferin. Das Netzwerk organisiert die Ausgabe der warmen Mahlzeiten, die von den Flüchtlingen eher gern abends zu sich genommen werden. Als Küche fungiert das Jugendwerk in Dargelütz, wo ebenfalls Flüchtlinge untergebracht sind.

Am Mittwoch hatte die Kirchengemeinde St. Marien zu einem ähnlichen Projekt in die Mühlenstraße eingeladen. Es gab eine Erntedanksuppe: Dafür hatten Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander gekocht. Dies soll sich nach Möglichkeit regelmäßig wiederholen.
Wer sich im Rahmen seiner Möglichkeiten für Flüchtlingshilfe engagieren möchte, findet im Internet sogleich auf der Startseite des Landkreises Ludwigslust-Parchim entsprechende Informationen (www.kreis-lup.de) 

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

 

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