Box-Event in Mestlin : Fliegende Fäuste zu Ehren Sduneks

Nach 30 Jahren wieder Boxen im Kulturhaus Mestlin: Die Norddeutschen Meisterschaften 2015 – den Kampf der Junioren in der Klasse bis 80 Kilogramm zwischen Max Andreas Raffel vom PSV Wismar (Blau) gegen Max Maschmann (Rot) vom TS Kaltenkirchen konnte der Mecklenburger nach Punkten für sich entscheiden. Fotos: michael-günther bölsche
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Nach 30 Jahren wieder Boxen im Kulturhaus Mestlin: Die Norddeutschen Meisterschaften 2015 – den Kampf der Junioren in der Klasse bis 80 Kilogramm zwischen Max Andreas Raffel vom PSV Wismar (Blau) gegen Max Maschmann (Rot) vom TS Kaltenkirchen konnte der Mecklenburger nach Punkten für sich entscheiden. Fotos: michael-günther bölsche

Nach rund 30 Jahren hieß es am Sonnabend im Kulturhaus Mestlin erneut „Ring frei“ für die Norddeutschen Meisterschaften im Boxen

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19. April 2015, 18:00 Uhr

Die Boxhandschuhe werden überprüft, sie sitzen fest. Trainer Sven Breitenbach setzt seinem Schützling Ole Herrmann den Kopfschutz auf. Jetzt nur noch der Mundschutz. Dann geht’s für den Jüngsten, für den elfjährigen Ole in den Ring. Der erste Kampf des heutigen Box-Events im Kulturhaus Mestlin steht an. Zu Ehren Fritz Sduneks fliegen heute die Fäuste. Der schmächtige Ole von Aufbau Altentreptow geht kämpferisch in seinen ersten Kampf. Es geht um was – um den Titel des Norddeutschen Meisters. Den will auch sein Gegner, Philipp Schweigert aus Schleswig-Holstein ergattern. Ringrichter Marco Wilzopolski gibt den Ring frei. Seine ausgestreckten Arme bewegen sich aufeinander zu. Er fixiert die beiden Jungen in der Gewichtsklasse bis 31 Kilogramm. „Boxt“, ruft er in den Ring. Und dann geht’s los. Drei Runden lang, jeweils eine Minute boxt Mecklenburg-Vorpommern gegen Schleswig-Holstein. „Und hier das Urteil des Kampfgerichtes nach Punkten: Der Sieger kommt aus der blauen Ecke!“ Ole Herrmann, elf Jahre alt und der leichteste beim Mestliner Box-Event gewinnt den Auftaktkampf. Große Freude auch bei Trainer Sven Breitenbach: „Ole ist auf einem sehr guten Wege. Er hat vergangenen November angefangen zu boxen. Er hat ein Kämpferherz.“

Die Zuschauer verfolgen gespannt jeden einzelnen Kampf. Von Runde zu Runde steigert sich nicht nur das Alter der Boxer, sondern auch die Gewichtsklasse sowie die Euphorie im sogenannten „Gummisaal“ von Mestlin. Trainer, Familienangehörige, Box-Kollegen, Freunde gehen mit. Springen auf, feuern an. „Andre, Andre, Andre“, schallt es aus der blauen, der mecklenburger Ecke. Besonders einer scheint mit im Ring zu stehen: Andre Schraders älterer Bruder Stefan. Immer wieder springt er in die Höhe, boxt am Ring mit, feuert seinen kleinen Bruder an, schreit ihn quasi zum Sieg. Und es wirkt. Andre Schrader, ebenfalls ein Schützling von Sven Breitenbach, sichert sich den Norddeutschen Meistertitel bei den Junioren in der Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm gegen Mehmet Cacaj vom ACE Elmshorn.

Die Kämpfe gehen weiter, die Fäuste fliegen durch den Boxring. Nur klare, eindeutige Treffer zählen. „Gegen die Deckung zählt nicht“, erklärt Punktrichter Manfred Jost. Hier und da blutet eine Nase, es wird mitunter auch das Handtuch geworfen – technischer KO lautet dann das Urteil des Kampfgerichtes, drei an der Zahl gibt es bei diesen Norddeutschen Meisterschaften 2015 im Kulturhaus Mestlin.

Vor mehr als 30 Jahren stand Dieter Berg selbst im Ring von Mestlin. Jetzt sitzt er am Ring und trainiert seine Schützlinge, redet auf sie ruhig ein, wedelt Luft mit einem Handtuch zu, gibt Anweisungen für die nächste Runde. Auch der Präsident des Boxverbandes Mecklenburg-Vorpommerns steigt wieder in den Ring. Doch bevor Ralf Ruhnau seiner Funktion als Ringrichter an diesem Tag nachkommt, nimmt er seine Brille ab. Sicher ist sicher. „Als ich mit 15, 16 Jahren im Ring stand, hat Fritz Sdunek bereits am Ring gestanden und junge Boxer trainiert“, erinnert sich der Punkt- und Ringrichter in Personalunion. Ralf Ruhnau schaut genau hin, passt auf wie ein Schießhund, ruft laut „Stopp“ und schickt beide Kämpfer in ihre Ecken. Dann bewegen sich seine ausgestreckten Arme wieder aufeinander zu: „Boxt!“ lautet das Kommando. Ring frei für die nächste Runde im Mestliner „Gummisaal“. Zu Ehren Fritz Sduneks fliegen die Fäuste – am 18. April, seinem 68. Geburtstag.
 

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