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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

14. Dezember 2017 | 05:33 Uhr

Wirtschaft : Firma wieder auf sicherem Boden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Auch in Lübz produzierende Döllinghareico GmbH & Co. KG meisterte Schwierigkeiten / Massive Sanierungsmaßnahmen

svz.de von
erstellt am 17.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Die Döllinghareico GmbH & Co. KG, seit Jahrzehnten einer der renommiertesten Wursthersteller Deutschlands mit Stammsitz im schleswig-holsteinischen Elmshorn, produziert seit Ende 1992 auch im damals neu eröffneten Werk im Lübzer Gewerbegebiet – hier unter dem Namen „Mecklenburger Wurstspezialitäten GmbH & Co. KG“ mit der Marke „Landhof Lübz“. Gerade auch wegen des guten Bildes in der Öffentlichkeit hat vor den Werkstoren vermutlich so gut wie niemand geahnt, dass das Unternehmen bereits seit 2008 rote Zahlen schrieb und in den Folgejahren mehrere Male kurz vor der Insolvenz stand. Mittlerweile steht es wieder auf sicherem Boden. Darüber hat die Geschäftsführung jetzt in einem Gespräch mit unserer Redaktion informiert.

Neue Entwicklung auf Markt zu spät erkannt

„Los ging es mit sinkenden Absätzen, weil die verstärkte Nachfrage von Kunden im SB-Bereich nach kleinen Packungen etwa mit 200 oder 400 Gramm Inhalt zu spät erkannt wurde“, sagt Produktionsleiter Dirk Höhle. „In diesem Bereich gibt es viel mehr Anbieter und demzufolge auch einen ungleich größeren Wettbewerb.“ Vor allen Umstellungen habe Döllinghareico 75 Prozent Großpackungen mit ein oder zwei Kilogramm Inhalt produziert. Erschwerend hinzugekommen seien damals stark gestiegene Fleischpreise.

Als Sanierungsbeauftragter wurde daraufhin Andreas Subai geholt, der als erste Maßnahmen Urlaubs- wie Weihnachtsgeld strich und Urlaub von 30 auf 27 Tage senkte. „Alles griff“, so Höhle. „Unterstreichen muss man, dass die Mitarbeiter alles zu nahezu 100 Prozent unterstützt, also persönlich verzichtet haben, um das Unternehmen und damit ihren Arbeitsplatz zu retten – ohne zu diskutieren.“

2011, als sich die Situation beruhigt zu haben schien, wurden die Einschnitte wieder zurückgefahren – und nur ein Jahr später war die Situation dieselbe wie 2008. „Die damalige Geschäftsführung hat die besseren Zahlen falsch interpretiert, die wahre Lage zu spät erkannt und wollte den Beschäftigten etwas Gutes tun, was in der gegebenen Situation fatal war“, sagt Dirk Barthel, Technischer Leiter in Lübz und Elmshorn.

Andreas Subai kam zurück, habe „die Ärmel hochgekrempelt“ und das Unternehmen gerettet, wie alle sagen. Er blieb als Geschäftsführer. Die erneute Sanierung funktionierte allerdings nicht ohne tiefgreifende Maßnahmen: Nach Rückkehr zu seiner alten Strategie reduzierte Subai außerdem das Gehalt leitender Angestellter und verkleinerte das Management. Darüber hinaus verzichteten alle Angestellten auf Lohnerhöhung. Familie Dölling ist weiterhin beteiligt, selbst aber nicht mehr federführend.

Entlassungen: „Es war nicht die knallharte Tour“

„Seit 2008 wurden etwa 150 Mitarbeiter entlassen, da muss man nichts schönreden“, sagt Höhle. „Es war jedoch nicht die knallharte Tour, wir haben mit jedem einzelnen über Alternativen beraten und Abfindungen gesprochen.“ Lübz hatte Glück im Unglück: Hier hat Döllinghareico nur einer Handvoll Mitarbeiter gekündigt. Generell hat die Produktion am wenigsten gelitten. Getroffen hat es vor allem die Verwaltung, Serviceleistungen und den hauseigenen Fuhrpark, der aufgegeben wurde. An beiden Standorten arbeiten jetzt noch 230 Männer und Frauen, davon 60 in Mecklenburg.

Die Lübzer hatten bis einschließlich 2015 auf jegliche Extrazahlungen verzichtet. Sobald das Unternehmen die Möglichkeit dazu hat, etwas an die Mitarbeiter auszuschütten, werde dies auch getan. Das habe Subai von Anfang an betont.

Für dieses Jahr, 2017 und 2018 wurde ein Konzept von der Geschäftsführung, der Personalleiterin sowie dem Betriebsrat entwickelt, bei dem 53 Mitarbeiter eine Einzelvereinbarung angeboten bekamen. „Alle haben unterschrieben, was für mich große Loyalität ausdrückt“, sagt die stellvertretende Personalleiterin Manuela Meyer. Wegen bei ihnen aus Sicht der Geschäftsleitung unzureichender Leistungen wurde das Angebot sieben Mitarbeitern nicht unterbreitet. Das Papier beinhaltet die Rückkehr zu 30 Tagen Urlaub und Einmalzahlungen: 100 Euro im April, 200 Euro im Mai, Juli, September und November (alles brutto) sowie 150 Euro netto im August. „Unter dem Strich eine Mehreinnahme von rund 1000 Euro im Jahr“, so Manuela Meyer. Auch die Zuzahlungen für Nacht- und Samstagsarbeit bleiben, Urlaubs- und Weihnachtsgeld werde es jedoch weiterhin nicht geben.

Döllinghareico stellt allein in Lübz rund 125 verschiedene Produkte mit einem Gewicht von acht Gramm bis ein Kilogramm her, insgesamt sind es etwa 350. „Die Sanierung hat auch einen früher nicht gekannten Austausch von Mitarbeitern beider Standorte untereinander bewirkt“, sagt Höhle. „Wir sind enger zusammengerückt, alle Zahlen sind transparent. Das war früher oft nicht so, wir wussten teilweise von nichts, was mit zur Krise beigetragen hat.“ Als gutes Zeichen wertet Barthel zudem die an beiden Standorten in allen Bereichen ins Auge gefassten Investitionen in Höhe von rund 750 000 Euro. „Und wir suchen weiter Auszubildende“, bekennt er. „Gefunden haben wir in Lübz schon lange keinen. Die Zahl von Bewerbern ist verschwindend gering und deren schulische Leistungen sind oft erschreckend schlecht.“

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