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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

22. Oktober 2017 | 17:27 Uhr

Parchim/Hagenow : Feuerwehrausbildung heißes Eisen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zehn Varianten zur Zukunft der Feuerwehrtechnischen Zentralen in der Diskussion, auch kompletter Neubau an zentralem Ort

von
erstellt am 28.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Die Zukunft der Feuerwehrtechnischen Zentralen FTZ in Dargelütz (Parchim) und Hagenow steht auf dem Prüfstand. Warum sind diese beiden Einrichtungen so wichtig? Ohne sie würden Feuerwehren nicht mehr einsatzbereit sein. Hier warten und prüfen Fachleute lebenswichtige Löschgeräte. Die Feuerwehrleute bekommen hier ihre Schulungen. Laut Gesetz muss der Landkreis die FTZ vorhalten, um Geräte zu pflegen und zu prüfen und Lehrgänge durchzuführen. Jedes der 480 Feuerwehrautos muss mindestens einmal pro Jahr dort vorfahren.

Die künftige Strategie wird jetzt in den Kreistagsausschüssen diskutiert. Erstmals kamen jetzt im Ordnungsausschuss Einzelheiten auf den Tisch. Am Ende soll der Kreistag eine Grundsatzentscheidung fällen. Über allem stehen Verbesserungen für die Kameraden, aber auch Kosten bleiben im Blick. Der Zuschussbedarf steigt von 576 886 Euro im Jahr 2014 auf voraussichtlich 728 700 Euro in diesem Jahr. In Dargelütz beklagt der Kreis „bauliche Defizite und einen Investitionsstau bei den technischen Anlagen“. Die FTZ Hagenow wurde 2004 gebaut, hier besteht kein Sanierungsbedarf.

Auch die Kosten der Varianten (Kasten) wurden geprüft. Dargelütz wird nur überleben, wenn es an den Hagenower Standard angepasst wird. Dafür bräuchte es 1,875 Millionen Euro. Sollte das ehemalige Bundessortenamt in Neuhof bei Parchim neuer Standort für eine FTZ werden, wären für Kauf und Umbau 1,697 Millionen Euro fällig. Dazu kämen 500 000 Euro für die neue technische Ausstattung. Die Konzentration der technischen Prüfung in Hagenow wäre billiger, aber beispielsweise die Feuerwehr Ganzlin müsste 97 Kilometer fahren. In den Prüfergebnissen heißt es, solch lange Abwesenheit könnte die „Einsatzfähigkeit zum Erliegen“ bringen. Die Aufgabe von Dargelütz und Hagenow und ein Neubau am zentralen Ort (genannt wird Neustadt-Glewe) könnte 2,4 Millionen Euro kosten, wobei Fördermittel möglich sind.

Kreiswehrführer Uwe Pulss sieht die Diskussion positiv: „Das ist eine Chance für die Feuerwehren, moderne Voraussetzungen zu bekommen. Das müssen wir jetzt in Ruhe diskutieren. Ich gehe dann mit dem Votum der Kameraden zur Politik.“ Pulss möchte,l dass mit der Entscheidung alle leben können.

Auch Linken Kreistags-Fraktionschef Wolfgang Bohnstedt will, dass zuerst die Feuerwehren entscheiden. Der Ordnungsausschuss hat eine zusätzliche Variante ins Spiel gebracht. Jetzt soll für die Randgebiete die Kooperation mit Nachbar-Bundesländern geprüft werden.

Hintergrund: Die zehn Varianten

Variante 0: Angleichung des technischen und baulichen Standards des Standortes Dargelütz an Hagenow.

Variante 1: Kauf und Umbau des Objektes in Neuhof (ehemals Bundessortenamt) unter gleichzeitiger Aufgabe des Standortes Dargelütz.

Variante 2: Erhaltung des Standortes Dargelütz als Ausbildungsstandort und Verlagerung der technischen Prüfung nach Hagenow.

Variante 2.0: Ausbildung an beiden Standorten, Konzentration technische Prüfung in Hagenow.

Variante 2.1: Ausbildung beide Standorte, Konzentration der technischen Prüfungen in Hagenow, kreisweites System an Tauschstationen.

Variante 2.2: Ausbildung an beiden Standorten, Konzentration der technischen Prüfungen in Hagenow, kreisweites System an Tauschstationen, FTZ wird mobil.

Variante 3: Aufgabe beider Altstandorte, Neubau einer FTZ am zentralen Ort im Landkreis.

Variante 3.0: Alleinige technische Prüfung und Ausbildung am neuen Standort.

Variante 3.1: Neubau einer FTZ am zentralen Ort im Landkreis mit kreisweiten System an Tauschräumen.

Variante 3.2: Neubau einer FTZ am zentralen Ort im Landkreis mit kreisweiten System an Tauschräumen, mobile FTZ (Werkstattwagen).

 

Kommentar des Autors: Alte Fehler

Die Feuerwehrtechnischen Zentralen sind ein heißes Thema. Der Bürger bemerkt sie nicht, aber die Brandschützer können nicht ohne sie. Bei der künftigen Ausrichtung gibt es deshalb mehrere Fallstricke. Die Größe des Landkreises überstrapaziert die ehrenamtlich tätigen Brandschützer ohnehin. Also kann eine Variante, die ein Feuerwehrauto samt Fahrer auf eine hundert Kilometer lange Reise zur Wartung schickt, nicht funktionieren. Deshalb ist der lange und mühsamere Weg richtig, zuerst die Feuerwehr-Kameraden selbst zu hören. Erinnern wir uns: Die Fusion der Kreis-Feuerwehren sorgte für Stress, weil sie zu brachial durchgezogen wurde. Jetzt steht an der Spitze des Verbands ein Mann, der alle von Boizenburg bis Plau mitnehmen will. Also: Jetzt sind die Kameraden dran. Und dann hoffen wir, dass die Politik auch zuhört. Das wäre dann ein Löscheinsatz ohne dass die Hütte brennt.

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