Feuerteufel gefasst: Region atmet auf

Ein Feuerwehrmann löscht am 6. Januar bei dem letzten Brand die  ausgebrannten Busse und die letzten Glutnester.  dpa
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Ein Feuerwehrmann löscht am 6. Januar bei dem letzten Brand die ausgebrannten Busse und die letzten Glutnester. dpa

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27. September 2012, 05:21 Uhr

parchim / Plau am See | Die ausgeglühten Stahlgerüste lassen nur erahnen, dass diese rostigen Schrotthaufen einmal moderne Reisebusse waren. "Mir fehlen die Worte, wenn ich das sehe. Wie krank muss jemand sein, um so etwas zu tun?" Busunternehmer Manfred Maaß (60) steht vor seinen ausgebrannten Fahrzeugen. Wieder einmal, denn insgesamt gab es auf seinem Betriebshof seit Februar 2011 drei Brände. Die Kripo geht von Brandstiftung aus, und Busunternehmer Maaß sagte damals: "Man versteht sich nicht mit jedem gut. Aber mir ist nicht bewusst, dass jemand einen so gewaltigen Hass auf mich hat, der notwendig ist, um solche Dinge anzurichten."

Unfassbar deshalb die gestrige Nachricht: Sein Sohn Michael (39), wie der Vater Geschäftsführer des Unternehmens, soll einen Angestellten Daniel S. (26) angestiftet haben, die Feuer zu legen. Hintergrund: Die Firma steckte in finanziellen Schwierigkeiten, ein Versicherungsbetrug sollte die Rettung sein. Gerüchte hatte es zwischenzeitlich schon immer gegeben, ob die Taten nicht einen familiären Hintergrund hätten. Hinter vorgehaltener Hand wurde viel getuschelt.

Fassungslos und gleichzeitig erleichtert reagierten die Menschen in der Region. Die unheimliche Brandserie hatte für Angst und Schrecken gesorgt. Insgesamt 24 Busse des privaten Familienunternehmers Manfred Maaß in Plauerhagen und des kreiseigenen Reisediensts Parchim gingen seit Februar 2011 in Flammen auf - immer nachts.

Ein Bild, das unserer Zeitung seinerzeit abdruckte, brannte sich ins Gedächtnis ein: Familie Maaß steht in einer Brandnacht geschockt vor den Trümmern ihrer Existenz. Auch Sohn Michael sitzt erschüttert auf dem Trittbrett eines Kleinbusses, während dahinter die Feuerwehrleute löschten.

Immer wieder rappelte sich der Unternehmer Manfred Maaß auf, 20 Mitarbeiter beschäftigte er in seinem Busbetrieb und zwei kleinen Reisebüros in Plau am See und Parchim. Maaß und seine Söhne lenkten die Reisebusse selbst, die Touren führten in den Spreewald oder an die Ostsee. Viele Parchimer erinnern sich an die angenehm-familiäre Stimmung auf den Ausflügen.

Nach den ersten Brandanschlägen zeigte sich die Region dann auch sehr solidarisch: Ein unbekannter Unternehmer setzte eine Belohnung für Hinweise auf die Täter aus. Der kreiseigene Reisedienst Parchim lieh Maaß sogar Fahrzeuge aus. Die Quittung: Auch Busse der Parchimer brannten, zunächst in Plau, später in der Kreisstadt.

Nach dem fünften Bus-Anschlag mischte sich auch die Politik ein. Minister Till Backhaus (SPD) forderte schnelle Erfolge, Landrat Rolf Christiansen (SPD) mahnte Hilfe des Landes an, immerhin hatten auch Schulbusse gebrannt.

Was blieb war Unsicherheit und die Frage, wann die unheimlichen Täter wieder zuschlagen würden. Um so größer ist jetzt die Erleichterung in der Region. Silke Darnstädt, Leiterin der Schule am Teich in Lübz: "Ich bin sehr erleichtert. Wir waren von den Bränden indirekt auch betroffen, denn die meisten unserer Schüler kommen mit dem Bus zur Schule. Einige Kinder haben die Brände sogar miterlebt, weil sie in der Nähe der Tatorte wohnen. Sie waren regelrecht traumatisiert und hatten Angst vor weiteren Bränden."

Auch die Busfahrer atmen auf. Werner Schulte, Tech nologe beim Reisedienst Parchim, spricht seinen Kollegen aus der Seele: "Wenn die Jungs es wirklich waren, dann sind wir alle hier sehr erleichtert. Zweimal haben sie bei uns Busse angesteckt. Endlich kann man wieder ruhig schlafen. Wenn in den letzten Monaten die Feuerwehr rausfuhr, haben wir immer Angst gehabt. Es war eine Anspannung unter den Kollegen, unbeschreiblich."

Auch Andreas Plestinsky, Geschäftsführer des Reisedienstes Parchim, atmet auf: "Endlich können wir wieder ruhiger schlafen. Schlimm muss es für die Familie des Plauerhagener Unternehmers sein. Die Anschläge auf den Reisedienst waren dann wohl eher ein Ablenkungsmanöver." Der kommunale Busbetrieb hatte zwölf Fahrzeuge verloren, in absehbarer Zeit soll die Lücke wieder gefüllt sein. Zwischenzeitlich hatten Schweriner und Ludwigsluster Kollegen mit Leihbussen ausgeholfen.

Die freiwilligen Feuerwehrleute, die bei den Großeinsätzen ihr Leben riskieren, waren zuletzt völlig genervt von der Häufung der Brandanschläge. Nach jedem Einsatz blieb die bange Frage: Wann geht es wieder los?

Stellvertretend für die Blauröcke sagte gestern Bernd Schröder, der Chef der Parchimer Wehr: "Gott sei Dank ist der Täter gefasst. Das ist eine große Erleichterung für uns. Die Frage, wann geht es wieder los, ist man nicht mehr los geworden."

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