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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

22. November 2017 | 08:41 Uhr

Unterhaltung : Fetzige Töne im Kraftwerk

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Der umtriebige thüringische Folk-Musiker „Doc Fritz“ machte Station in der Bobziner Schleuse

Vor zwei, drei Jahren sei er schon einmal in Bobzin gewesen. Das Ambiente insgesamt habe ihm so gefallen, dass er versprochen habe, wiederzukommen und im Saal des Kraftwerks zu spielen, sagt der Vorsitzende des Kraftwerkvereins, Arno Pommerencke aus Schwerin. „Er“ ist Doc Fritz, bürgerlich Tim Liebert. Er hat sein Versprechen nun wahr gemacht, sitzt im tatsächlich sehr ansprechenden Kraftwerksaal vor roter Wand, trägt seinen bart urig lang und spielt den Zuhörern irisch, schottisch und amerikanisch auf. Zwischen den Tunes plaudert er, gibt Kurzkommentare zu den Stücken.

Er spreche vier Sprachen, erklärt er. Hochdeutsch zwar nicht, aber vogtländisch, rottwelsch, englisch, gälisch. Und er spielt sechs oder sieben Instrumente, als da sind Gitarre, Flöte, Banjo, Mandoline, Mundharmonika, Bouzouki, was man allerdings vermissen mag, das ist die heiße irische Fiddle, die so charakteristisch ist für die total ausgelassenen Fetz Töns der iro-schottischen traditionellen Musik, sofern sie nicht in die balladenhaft-melancholische Richtung schlägt.

Das Konzert ist gut besucht, der Saal angenehm mit Stuhlreihen, aber auch mit Tischen ausgestattet. Es gibt Bier, Pub-Atmosphäre könnte man sagen, wären die Ausstattung des Saals mit Plakaten und Aktstudien und auch die Ausstrahlung des Musikers nicht einen Hauch zu intellektuell und nur wenig bis gar nicht richtig derb, irisch-volkstümlich und guinness-besoffen. Was nicht schaden muss.

Songs des irischen Gitarristen und Song-Writers Rory Gallagher, ein getragenes schottisches Traditional, dazu ein „Werk“ aus eigener Feder, geschaffen auf der Seebrücke von Zinnowitz während des Usedom Folk-Festivals, amerikanische Folklore, dies alles deutet schon an, wie breit gefächert Doc Fritz’ Repertoire ist. Und als sei dies noch nicht genug, präsentiert er nach der Pause auch noch die Urfassung von „Dirty old town“ aus den 40er Jahren und interpretiert das textlich allerdings ziemlich fragwürdige deutsche Volkslied „Die Gedanken sind frei.“ Von Anfang an bemerkt man die typischen rhythmischen Bewegungen, schaut man dem Publikum auf die wippenden Füße und ist man fasziniert von Lieberts virtuosen Handbewegungen auf dem Griffbrett seiner Saiteninstrumente. Nach der Pause dann schlägt die verhaltene Begeisterung der Zuhörenden in ausgelassene um. Das Publikum ist restlos angeturnt, was sich auch an der gut gefüllten Spendenurne ablesen lässt. Einen festen Eintrittspreis hat es nämlich nicht gegeben. Doc Fritz nächste Station wird ein Auftritt auf dem Markt von Bad Doberan sein. Zurück bleiben, abgesehen von den Eindrücken des Publikums, gewisse Sorgen des Veranstalters. Die alle aus dem Bereich der Energieversorgung stammenden Mitglieder des Vereins Wasserkraftwerk Bobziner Schleuse suchen dringend ehrenamtliche Helfer, vor allem für das einschlägige Museum des Vereins. Wer sich berufen fühlt, möge sich an Arno Pommerencke wenden, Tel. 0385/4863262.




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