Neue alte Berufe : Fernab von Umwelt-High-Tech

Am Ende des Lehmbackofen-Workcamps 2016 fand ein Rückblick statt. Sitzend rechts im Bild Projektleiterin Uta Herz.
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Am Ende des Lehmbackofen-Workcamps 2016 fand ein Rückblick statt. Sitzend rechts im Bild Projektleiterin Uta Herz.

Projekt „Wangeliner Workcamps – eine grüne Idee von Zukunft“ findet in diesem Sommer/Herbst wieder statt

svz.de von
19. April 2017, 12:00 Uhr

Nicht mehr lange hin und auf dem Gelände des FAL werden wieder sommerliche Workcamps aufgeschlagen werden. Junge Leute im Alter von 16 bis 24 Jahren können sich dort spielerisch übend mit dem Ernst „klima- und ressourcenschonenden Handelns im Beruf“, wie es offiziell vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Bau formuliert wurde, auseinandersetzen. Jungen Leuten soll die Möglichkeit gegeben werden, sich im Spektrum sogenannter „grüner Berufe“ zu orientieren. Und was es da alles gibt, dürfte so manchen überraschen.

Es geht nicht um Umwelt-High-Tech. Auf dem großen Gelände des Wangeliner Vereins, unter dessen Dach auch das Europäische Zentrum für Lehmbau untergebracht ist, werden hauptsächlich umweltschonende handwerkliche Techniken vorgestellt. Und sollte ein Kurs etwas mehr in Richtung Technik abzielen, so wird sich allein das Grundprinzip durch uriges Experimentieren erschließen. Ein Beispiel: „Mit Himbeersaft, Klebeband und Zahnpasta kreieren wir funktionstüchtige Solarzellen im Selbstbauverfahren.“ Mit diesen „Farbstoffsolarzellen“ ließe sich, so die Verantwortlichen, nach dem Prinzip der Photosynthese Energie gewinnen. (Der Solar-Workshop mit dem Titel „Sonnenexperimente“ wird vom 6. bis 12. August stattfinden.)

Klassisch handwerklich hingegen ist das Angebot, an der ökologischen Renovierung eines alten Fachwerkhauses - behutsam und unter Berücksichtigung alter Techniken - mitzuwirken. Dass in diesem Workcamp („Dem Original auf der Spur“) Lehm ins Spiel kommt, versteht sich. Neben dem unvermeidlichen Putz aus Lehm werden auch Lehmsteine und Lehmwickel zum Einsatz kommen. Zwei weitere Kurse drehen sich ebenfalls um den uralten Baustoff. Im Workcamp „Tattoos an der Wand“ geht es nicht um die Basics Wand und Decke, sondern darum, wie man Lehmwände schlussendlich aufputzen kann, Farben und Schmuckformen kommen ins Spiel, es geht in diesem Kurs um die ästhetische Gestaltung von Außenwänden und Innenräumen. Das dritte Workcamp in Sachen Lehm ist fast schon im Wortsinn „altbacken“. Nach alten Mustern sollen funktionstüchtige Lehmbacköfen gebaut werden. Im letzten Jahr berichteten wir, wie afghanische Tandooris zur Produktion hauchdünner Fladen in Wangelin entstanden.

Sieben Workcamps über je eine Woche werden sich 2017 über die Saison verteilen. Fast alle werden (noch) in mindestens zwei Zeiträumen zwischen Juni und Oktober angeboten. Upcycling, Bauen einer Strohbrücke, Selbstversorgung aus der Streuobstwiese sind übrigens die restlichen drei der insgesamt sieben Workcamps, zu denen man sich anmelden kann. Die Kurse werden vom Bundesministerium für Umwelt mit Mitteln des europäischen Sozialfonds gefördert und kosten die Teilnehmer nichts, nicht einmal Fahrgeld, was für junge Leute nicht unerheblich sein dürfte.









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