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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

25. November 2017 | 12:43 Uhr

Baugeschehen : Feinschliff für Plaus Nordtangente

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Bis 1. Dezember können Einwohner Einfluss auf die Planung nehmen / Info-Veranstaltung am Mittwochabend zeigt konträre Meinungen

svz.de von
erstellt am 31.Okt.2014 | 22:00 Uhr

In 2015, darüber sind sich Bund und Straßenbauamt Schwerin (StBA) lange einig, soll der erste Spatenstich für die Plauer Ortsumfahrung, die so genannte Ortsumgehung Nord, gesetzt werden. Wann genau – das steht noch nicht fest. Diese Entscheidung wird vom Verlauf des Planfeststellungsverfahrens abhängen, in dessen Rahmen zurzeit die öffentliche Beteiligung läuft. In der hat Plau – die Stadt wie ihre Bürger – jetzt die Chance, ihre Bedenken, Anregungen und Kritiken vorzubringen. Wichtig: Die schriftlichen Stellungnahmen müssen bis 1. Dezember entweder bei der Stadt oder dem StBA in Schwerin vorliegen. Was danach eingeht, findet keine Berücksichtigung.

Dass es Stellungnahmen zu dem Acht-Millionen-Projekt geben wird, steht außer Zweifel. Das machte die Informationsveranstaltung am Mittwochabend deutlich. Im vollen Rathaussaal erläuterte Bürgermeister Norbert Reier das Projekt, bei dem der Bund von den ursprünglich drei Varianten die stadtnächste, weil finanziell günstigste, favorisiert. Ziel sei es, den Südverkehr an der B 103 abzufangen, der auf seinem Weg zur B191 derzeit Teile der Innenstadt belaste. Diese Variante sieht die Einbindung im Süden vor dem Ortsausgang in Richtung Klebe vor. Von hier verläuft die Trasse westlich der Stadt über die Elde, weiter durch die Feldmark, schneidet den Kuppentiner Weg (der dann abgeschnitten sein wird), zieht sich weiter bis zur Plauhäger Straße (die erhält Anbindungen zu beiden Seiten), schneidet dann erneut die Mark bis zum Zarchliner Weg, wo der bestehende Bahnübergang zurückgebaut werden und der Zarchliner Weg stadtseits in einem Wendehammer enden soll. Von hier zieht die Trasse zwischen Weidensoll und dem Landgut an die B 103 und wird in einem Kreisel eingebunden. Angestellte Lärmprognosen würden Schallschutzmaßnahmen, aktive wie passive, nicht hergeben. Ausnahme sei eine Hecke im Bereich des Weidensolls. Schutzeinrichtungen für Fledermäuse sind geplant.

Bevor Reier die Fragerunde eröffnete, erläuterte er einige Punkte, bei denen die Stadt intervenieren wolle, um „negativen Effekte für die Einwohner so gering wie möglich zu halten“. So wolle man Bund und StBA dazu bewegen, entweder an der Plauhäger Straße oder am Zarchliner Weg eine Querung zu schaffen. Zum einen wegen der hier schlummernden brachen Industrieflächen, die sich entwickeln können, was später die Schulstraße belasten würde. Andererseits wegen der dann fehlenden Anbindung zur Tankstelle, was den Verkehr wiederum in die Stadt zwingen würde. Die Stadt hoffe auch, die Projektträger dazu bewegen zu können, die Baustraße am späteren B-103-Kreisel nicht parallel zur Bundesstraße, sondern auf die Gewerbeflächen an der Tankstelle zu legen. Vorteil wäre, dass sie später als Erschließungsstraße dienen könnte. Auch in punkto Ausgleichsmaßnahmen folgt die Stadt den Plänen des StBA nicht. Statt dafür weitere landwirtschaftliche Flächen zu nutzen (ca. acht Hektar Land wird die Ortsumgehung verschlingen) sollten versiegelte Flächen und amputierte Straßen, wie etwa der Wendehammer Zarchliner Straße zurückgebaut werden. Auch werde man darauf drängen, dass auch die im Landesverkehrswegeplan enthaltene Südtangente gebaut wird.

Etliche Wortmeldungen machten im Anschluss deutlich, dass die Haltung zum Projekt Ortsumgehung durchaus vom Wohnort abhängig ist. Was wohl wenig wundert. Ein Anwohner des Weidensolls etwa bezweifelte, dass die eingangs erwähnte Hecke tatsächlich allen Lärm und Schadstoffe der nahen Nordtagente schlucken werde. „Und überhaupt, warum kann die nicht hinter dem Landgut anbinden?“, wollte er wissen. Weil, so Reier, das genau die zwei Millionen ausmacht, die der Bund eingespart sehen wollte. Ein Quetziner, der mehr Lärm für den Ortsteil befürchtet, schlug vor, statt der Ortsumgehung, die Tonnage für Plau zu begrenzen und dies auf den Autobahnausfahrten auszuschildern. Anhänger fand er keine. Ein klares Ja vom Podium bekam Hotelier Thorsten Falk, der wissen wollte, ob im Rahmen der Beteiligung auch Hinweise zur Vorwegweisung – wie etwa Burg, Hafen, Einkaufsmöglichkeiten – gegeben werden können. Und

Zu Beginn der Sitzung hatte Plaus Bürgermeister nicht nur darauf hingewiesen, dass die Stadt nicht Träger des Verfahrens sei. Reier betonte auch, dass in Vorgesprächen schon auf viele Dinge hingewiesen worden sei. Sollten Einwände unberücksichtigt bleiben, scheue man auch vor einer Klage nicht zurück.

Das war nicht unbedingt das, was die Anwohner der Lübzer Chaussee, von Stein-, Schul- und Lange Straße (Ortsdurchfahrt B 191) hören wollten. Sie, die seit Jahren mit den Schäden durch den Durchgangsverkehr an ihren Häusern leben, hoffen auf ein reibungsloses Verfahren, einen schnellen Spatenstich und den zügigen Bau der Ortsumgehung. „Ich befürchte mit einer Klage sind die 20 Jahre, die wir für die Ortsumgehung gekämpft haben, ganz schnell im Eimer“, sagte Dietmar Villwock, der die Bürgerinitiative „Lkw-Fern- und Schwerlastverkehr raus aus unserem Luftkurort Plau am See“ anführt.

Ein anderer Gast sprach von Verhinderung. „Wir wollen die Ortsumgehung nicht verhindern“, konterte Bürgervorsteher Dirk Tast. „Im Gegenteil, wir wollen das Bestmögliche für die Stadt und die Einwohner. Und wir wollen dazu motivieren, die Möglichkeiten der Beteiligung wahrzunehmen.“

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