zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

25. November 2017 | 06:57 Uhr

Angekommen : Fasziniert vom Diesseits der Stille

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Schauspielerin Ute Kaiser und der Perkussionist Klaus Kugel sind ins „Nachtigallendorf“ Wangelin gezogen

So kann Tourneewahnsinn aussehen: Zwölf Tage, zehn Städte, zehn verschiedene Länder. Wer könnte unter diesen Umständen behaupten, er spüre den Boden noch unter den Füßen und könne tief durchatmen? Der Musiker und Neu-Wangeliner Klaus Kugel hat Trips wie diesen mit dem weltbekannten Charles-Gayle-Trio erlebt und überlebt, aber darf es wundern, wenn hochgeforderte Künstler wie Kugel und seine Frau, die Schauspielerin Ute Kaiser, sich für ihr Zuhause die kostbaren Bedingungen Natur, Stille, Weite wünschen? Und nun, welch ein Zuwachs für das „Künstlerdorf“ (Ute Kaiser), leben und arbeiten sie seit Kurzem in Wangelin.

Im vergangenen Winter lud Musiker Warnfried Altmann, Saxophonist aus Wangelin, Ute Kaiser und Klaus Kugel zu einer musikalisch-literarischen Lesung in die Kirche von Gnevsdorf ein. In wunderbar stimmungsvoller Atmosphäre rezitierte Ute Kaiser die poetischen und sehr persönlichen Tagebuchaufzeichnungen des ehemaligen Un-Generalsekretärs und Friedensnobelpreisträgers Dag Hammarskjöld (1905 - 1961). Musikalisch reflektierten, überhöhten der weltweit gefragte Perkussionist Klaus Kugel mit großem Drum Set und Warnfried Altmann mit seinem emotionalen Saxophonspiel die Texte. Ein tief beeindruckendes Konzert, aber nicht das einzige Ergebnis der gemeinsamen Aktion im winterlichen Mecklenburg. Das Paar nämlich beschließt, seinen bisherigen Lebensmittelpunkt nahe Köln gegen den 80-Seelen-Ort Wangelin einzutauschen. „Nach diesem Entschluss“, berichten Kaiser und Kugel, „lief alles Weitere wie ein Uhrwerk ab.“ Der Hauskauf, der Umzug ins „Nachtigallendorf“, der Tausch gegen das Grundrauschen und die Autohölle rings um Köln. Und das, obgleich Klaus Kugel noch wenige Tage vor dem Umzug in Weißrussland und anschließend im Altenburger Dom Konzerte gab.

„Diesseits der Stille“ wohnen sie nun seit neun Wochen. Obgleich Musik im Sinne von Unhörbarkeit für uns nicht existiert, sagen beide: „Wir suchen die Stille auch in der Musik.“ So ist es also der Ausdruck von Musik und Sprechen, der gemeint ist, der in die Stille führen soll, ein „Ergriffensein und Versinken wie von der Musik Bachs oder Arvo Pärts“, sagt Klaus Kugel, so dass die Flut der Gedanken einhält. Die Texte der gemeinsamen Programme sind außerordentlich reflexiv. Neben dem Hammarskjöld-Programm liest beziehungsweise spricht Ute Kaiser beispielsweise Texte von Anna Seghers und der Hildegard von Bingen, ein weiteres gemeinsames Programm steht unter der Überschrift „Licht“. Die künstlerischen Mittel sind jeweils die Stimme, Percussions und ein Blasinstrument. Schauspielerin Ute Kaiser bietet außerdem Stimmtraining als Einzelunterricht und in Seminaren an und entwirft und spricht Trauerreden.

Klaus Kugel, globusweit tätig, hat überdies mit einer endlosen Reihe namhafter Musiker gearbeitet, wie etwa mit Charlie Mariano. Das künstlerische Aktionsfeld ließe sich in etwa als Amalgam von Jazz, Neuer Musik und Improvisation beschreiben. Offen dafür, weitere Stilelemente zu integrieren, arbeitet Kugel heuer auch in der Gruppe „Ultramarine“ und dort unter anderem mit dem litauischen Sopransaxophonisten Petras Vysniauskas zusammen, einem Musiker, betont Kugel, der anerkannt „Weltspitze“ ist. Spitze ist auch, dass die vier Solisten von Ultramarine am 9. September im Lehmhaus im kleinen Wangelin um 20 Uhr ein (vermutlich) großes Konzert geben werden. In der musikalischen Sprache dieser Gruppe verschmelzen Jazz und Elemente Neuer Musik mit ukrainischen Traditionels und christlich-orthodoxem Gesang. Moderne trifft Archaisches. (Wir werden noch ausführlicher über das Konzert mit Ultramarine berichten, Karten sollten rechtzeitig bestellt werden unter 038737/499878 oder info@wangeliner-garten.de).







zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen