Fachkräftemangel größtes Problem

<strong>Kfz-Mechatroniker</strong> <strong>gehört </strong>zu den  drei beliebtesten Ausbildungsberufen. Der Anteil junger Leute an den Arbeitslosen ist im Raum Lübz rapide gesunken. <foto>archiv/grafikfoto.de</foto>
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Kfz-Mechatroniker gehört zu den drei beliebtesten Ausbildungsberufen. Der Anteil junger Leute an den Arbeitslosen ist im Raum Lübz rapide gesunken. archiv/grafikfoto.de

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09. Januar 2013, 10:00 Uhr

lübz | Beim Blick auf 2012 beurteilt Volker Syring, Leiter der Außenstelle Lübz der Arbeitsagentur Schwerin, die Entwicklung in seinem Zuständigkeitsbereich grundsätzlich als positiv. "Anders als in den Jahren zuvor sind mehr Menschen in Beschäftigung gekommen und geblieben", sagt er. "Das ist insgesamt ein Verdienst der Bundesagentur, gerade vor Ort zum Beispiel aber auch der sehr guten Leistungen in unserem Haus im Zusammenwirken mit den Arbeitgebern, an denen wir stets nah dran sind." 2012 wurden insgesamt 426 offene Stellen angeboten - 15 Prozent mehr als 2011. Dies bezeichnet Syring für eine Stadt wie Lübz als viel. Zurück zu führen sei die Steigerung auf die vielfach bessere Auftragslage von Unternehmen.

Besonders drastisch zeigen sich die Veränderungen in der Sparte der 15- bis 25-Jährigen. Lag ihr Anteil an den Arbeitslosen im Dezember vorigen Jahres noch bei rund 25 Prozent (Arbeitsamt ohne Arge), so macht er jetzt nur noch knapp elf Prozent aus. Von insgesamt 439 im Dezember registrierten Männern und Frauen ohne Beschäftigung waren 48 bis zu 25 Jahre alt. "Effektiv sind es vielleicht 20, weil die anderen nur saisonbedingt momentan zuhause sind, weil sie zum Beispiel in der Landwirtschaft oder Tourismusbranche arbeiten - sehr wenig also", sagt Syring. Allerdings fand die Zählung bereits Mitte Dezember statt, so dass sich die Werte bis zur nächsten Erfassung deutlich verändern werden. Schon jetzt sind 150 Arbeitslose mehr registriert, was jedoch analog der vergangenen Jahre geschehe. Der Mangel an Jüngeren führe immer mehr dazu, dass Saisonkräfte durchgängig beschäftigt werden.

Die Hälfte aller Registrierten sind 50 Jahre und älter. "Wir sprechen von einem Tannenbaum, demzufolge ein breiter Sockel aus jungen Leuten eigentlich den sich nach oben hin immer kleiner werdenden Anteil an Älteren tragen soll", erläutert der Leiter. "In unserer Region ist es so, dass sich dieses Bild zunehmend auf den Kopf stellt. Zuviele Jüngere wandern ab und ich rechne damit, dass sich diese Tendenz wohl auch 2013 fortsetzen wird. Hauptursache dürfte sein, dass Ballungszentren wie vor allem Berlin und Hamburg, aber auch Lübeck relativ nah an Lübz liegen und viele Anreize bieten." Freie Stellen könnten zunehmend nur noch nach längerer Zeit oder manchmal sogar gar nicht mehr besetzt werden. Immer weniger geeignete Bewerber stünden zur Verfügung, weil sie oft unmittelbar nach der Ausbildung abwandern: "Am meisten werden ausgebildete Fachkräfte gesucht. Der Fachkräftemangel ist momentan das größte Problem." Offene Stellen gebe es in fast allen Bereichen.

Vorurteile gegenüber der jüngeren Generation seien nicht gerechtfertigt. "Es ist nicht die Masse, die nichts kann und/oder nichts will", sagt Syring. "Grundsätzlich erst einmal positiv ist auch, wer sich heimatverbunden zeigt und länger hier bleibt. Viele von ihnen sind jedoch arbeitslos und dann stellt sich schnell die Frage, welche Perspektive sie haben, weil der Anschluss in vielen Bereichen relativ zügig verpasst ist."

Heute zu sagen, wie sich die Konjunktur 2013 entwickelt, würde einem "Blick in die Glaskugel" gleichen, also keine Aussagekraft besitzen. Sicher sei hingegen, dass sich Schwankungen in der Wirtschaftsentwicklung in unserer Region nicht so groß wie in Bereichen auswirkten, wo es mehr produzierendes Gewerbe gebe, das oft auch noch vom Export abhänge. Lübz und seine Umgebung seien ein vor allem von der Tourismusbranche geprägter Raum: "In Urlaub gefahren wird immer."

Auf die öffentlich oft geäußerte Kritik angesprochen, dass die Statistik gefälscht werde, weil man zum Beispiel befristet/geringfügig Beschäftigte sowie Teilnehmer an Trainings- und Weiterbildungsmaßnahmen als nicht mehr arbeitslos führe, sagt Syring, dass dies nicht gerechtfertigt sei. "Ihr Anteil ist wesentlich geringer als in den 90er-Jahren, als es zum Beispiel massenhaft Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gab", berichtet der Leiter. "Ein gewisser Anteil an Menschen ohne feste Arbeit wird nicht mitgezählt - richtig. Aber wenn ich jemandem durch eine Maßnahme zum Beispiel Kenntnisse vermittle, wirkt dies auch positiv auf den Markt, ist also kein Betrug an Zahlen."

Unabhängig davon, dass sich der Arbeitsmarkt wirklich verbessert habe, schreibe der Gesetzgeber vor, wer als erwerbslos gilt: "Und das gilt nicht nur für Deutschland, sondern ist europäische Politik."

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