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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

16. Dezember 2017 | 15:59 Uhr

Einzelhandel : Fachgeschäfte: Kampf um Kunden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Oft Überraschung, wenn vermeintlich günstigeres Angebot aus dem Internet vor der Tür steht / Inhaber: Langfristig immer schwerer, zu überleben

von
erstellt am 05.Feb.2015 | 22:00 Uhr

Immer mehr Fachgeschäfte schließen ihre Türen, Innenstädte verarmen. Mit ein Grund: Der vermeintlich billigere Einkauf, das „Schnäppchen“ im Internet. Aber ist es das wirklich?

Lübz zum Beispiel hatte bis zur Wende mehrere Fleischer (seit diesem Jahr keinen mehr), verschiedene Drogerien, ein Sportgeschäft, mehrere Textilläden und auch ein Möbelhaus. Nacheinander haben deren Eigentümer aufgegeben.

Ein politisch wie auch im Gewerbeverein aktiver Geschäftsmann hat sich gehalten. Unentscheidend, ob 1912 Firmengründer Karl, dann Karl-Friedrich oder jetzt in dritter Generation Karl-Joachim Rohde: Alle hatten ein Fachgeschäft. Mittlerweile in einem Haus am Markt für Haushaltswaren, Geschenkartikel, Hausgeräte und – fürs Fortbestehen sehr wichtig – Zweiräder. Im Sommer hat der heute 60-Jährige 150 verschiedene zur Auswahl, Kunstgewerbe zum Beispiel das ganze Jahr über. Einen Trend hat auch der Lübzer wie viele Kollegen schon hart zu spüren bekommen: „Gerade im Hausgerätebereich kommen potentielle Kunden in Geschäfte vor Ort, lassen sich ausführlich beraten, kennen so die Details – und kaufen dann im Internet. Natürlich ist das alles andere als nett, aber es ist der Lauf der Dinge – die freie Marktwirtschaft. Vor 20 Jahren kannte auch noch so gut wie kein Mensch Internet. Wenn ich heute ein Smartphone in der Hand halte, frage ich mich, ob man damit überhaupt auch telefonieren kann.“

Die bei vielen mittlerweile tief verankerte Ansicht, dass das Geschäft vor Ort teurer ist als das Angebot im Computer, stimme so nicht, weil man in der Regel gerade im Detail Qualitätsunterschiede ausmachen könne. Bei Waschmaschinen etwa fehlten oft etliche Zusatztasten, was viele Kunden jedoch erst dann sähen, wenn das Gerät vor der Tür steht. „Und wo ist der Service?“, fragt Rohde. „Wir zum Beispiel übernehmen ihn für rund 90 Prozent unserer Artikel. Beim Kauf im Internet muss dann ein schweres Gerät möglicherweise sogar noch irgendwo abgeholt, in die Wohnung gewuchtet und selbst angeschlossen werden. Von der Mühe abgesehen gelingt das auch nicht immer und Maschinen wurden beim Selbstversuch schon stark beschädigt. Dann hat man uns geholt.“

Je mehr Internet-Handel, desto mehr Arbeitsplätze gehen verloren – das müsse jedem bewusst sein. Rohde beschäftigt einen Elektriker, einen Zweirad-Monteur und zwei Verkäuferinnen. Angesichts der sich immer weiter verringernden Zahl an Fachgeschäften und der stetig älter werdenden Einwohner werde es gerade in einer kleinen Stadt wie Lübz immer schwerer, zu überleben.

Über das Genannte hinaus sei der gelernte Kfz-Meister aus Überzeugung Stadtvertreter geworden: „Ich lebe in, von und mit dieser Stadt. Grundsätzlich sollte die Politik nicht in die Wirtschaft eingreifen. Als Stadtvertreter mache ich mir Gedanken um die Zukunft der Region vor meiner Tür – und merke immer wieder, dass alles wirklich Wichtige von weiter oben über unseren Kopf hinweg gesteuert wird.“

Ohne danach gefragt zu werden, kommt Rohde auf eine Untersuchung von 1995 zu sprechen, derzufolge es durch das EKZ schon damals für noch mehr Einwohner als heute genug Verkaufsfläche in Lübz gegeben habe. „Im ehemaligen Kreisgebiet arbeitet die Polizei in mehr oder weniger maroden Revieren – in Parchim, Plau am See und Goldberg“, sagt er. „Gleichzeitig wird in Lübz ein für viel Geld saniertes Bürogebäude abgerissen, um einen weiteren Verbrauchermarkt zu bauen, der schon in der Stadt vertreten ist. Darüber haben wir auch im Gewerbeverein gesprochen, aber der ist keine Genehmigungsbehörde. Nicht befriedigend, aber meiner Meinung nach bringt es nichts, aufzugeben.“

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