Bürgermeister geht : „Es hat Spaß gemacht, für die Parchimer zu arbeiten“

2009 erfüllte sich für Parchim der Traum vom Buga-Außenstandort
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2009 erfüllte sich für Parchim der Traum vom Buga-Außenstandort

Bernd Rolly (SPD) verabschiedet sich nach 25 Dienstjahren im Rathaus - Er hat nicht jede Schlacht gewonnen

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25. August 2015, 21:00 Uhr

Das beschäftigt Bernd Rolly sehr. Selbst aus dem Urlaub in der Karibik meldet er sich dieser Tage per facebook zu Wort, um seine Mitbürger zur Teilnahme an der Volksabstimmung zur Änderung der Gerichtsstrukturreform zu mobilisieren. Wenn es um die Rolle von Parchim als Kreisstadt geht, versteht der erste Mann im Rathaus keinen Spaß. Als im Januar 2009 unerwartet ein Referententwurf des Innenministers auf seinem Schreibtisch landete, reagierte Rolly kompromisslos: „Eine Entscheidung gegen Parchim werden wir in keinem Fall kampflos hinnehmen“. Es gehörte zweifellos zu den glücklichsten Stunden im Arbeitsleben des Parchimer Bürgermeisters, als fast die ganze Stadt mit Kerzen, Fackeln und Lampions auf die Straße ging, damit den Politikern im fernen Schwerin ein Licht aufging. Da wurden unwillkürlich auch bei Bernd Rolly Erinnerungen an den Herbst 1989 wach.

Als Hauptenergetiker beim Kombinat Nordfrucht Parchim hatte der knapp Dreißigjährge nach dem Abschluss seines Diplom-Ingeniersstudiums hautnah miterlebt, wie Mangelwirtschaft den Alltag bestimmte. Nach der Arbeit flüchteten viele ins Privatleben, dass sie mit Freunden und Nachbarn ganz selbstverständlich teilten. Bernd Rolly gehörte 1984 zu den Mitorganisatoren des ersten Stadtfestes in der Weststadt. Auch nach mehr als 30 Jahren lag ihm viel daran, dass die Tradition der Straßenfeste und des legendären Martinimarktes in Parchim lebendig blieben.

In die Politik verschlug es den dreifachen Familienvater mit der Wende. 1989 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Sozialdemokratischen Partei (SDP), die später in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) aufging. Rückblickend begründet er es so: „Wir wollten 1989 etwas ändern, da musste man selbst etwas tun und räumt zugleich ein: „Ich war in der Kommunalpolitik noch völlig unbeleckt“. Nachdem er gerade für die Sozialdemokraten ein Mandat in der ersten frei gewählten Stadtvertretung gewonnen hatte, gab er es bereits drei Tage später zurück und wurde am 1. Juni 1990 Dezernent für die Aufgabenbereiche des Haupt-, Umwelt- und Sozialausschusses und sogleich erster Stellvertreter von CDU-Bürgermeister Konrad Frankenberg.

Schon bei der nächsten Kommunalwahl im Frühjahr 1994 eroberte Bernd Rolly den Bürgermeisterstuhl im Rathaus. Bis dato brachte es der inzwischen 66-Jährige auf 21 Jahre an der Spitze der Verwaltung und ist damit einer der dienstältesten Bürgermeister in Mecklenburg-Vorpommern.

Als Bernd Rolly vor wenigen Wochen in der Kindersprechstunde im Rahmen der alljährlichen Vereinsa(u)ktionswoche Rede und Antwort stand, ließ er keinen Zweifel daran, dass ihm der Bürgermeisterjob „gut 20 Jahre viel Spaß“ gemacht habe. Nur in den letzten Monaten gab es jede Menge Streit, der teils auf offener Bühne in der Stadtvertretung und vielfach hinter den Kulissen ausgetragen wurde. Nachdem es mit der Kreisstadt jahrelang sichtbar aufwärts ging, die Altstadtsanierung vorankam, die Stadtforst schwarze Zahlen schrieb, Schulen- sowie Sporteinrichtungen saniert sowie ein neues Stadthaus gebaut wurden und die Kreisstadt sogar als Außenstandort der Bundesgartenschau glänzte, gab es derbe Rückschläge. Aus Parchim wurden wichtige Behörden abgezogen, Pläne für eine Schweinemastanlage gekippt und gegen massiven Widerstand gigantische Windtürme am Stadtrand gebaut. Und auch die Suche eines Nachfolgers für den Bürgermeisterstuhl endete für die Sozialdemokraten blamabel. Umso mehr würde sich Bernd Rolly wünschen, dass sich der Kampf um den Erhalt des vollständigen Amtsgerichtes lohnt. Wenn am 6. September die Entscheidung beim Volksentscheid fällt, ist Bernd Rolly bereits Privatmann.
 

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