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Neues Projekt in Karow : Erste Pflöcke für den Sternenpark

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide um Zertifizierung durch die IDA bemüht. Projektleiter führt Gespräche mit 17 Gemeinden.

von
erstellt am 20.Apr.2017 | 21:00 Uhr

Der Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide hat ein hehres Ziel: Seit noch nicht ganz einem Jahr laufen hier intensive Bemühungen, das 36000 Hektar große Fleckchen Erde, das durch seine reiche Tier- und Pflanzenwelt besticht und mit seinen vielen Seen trumpfen kann, als „Sternenpark“ zu etablieren. Ein Park also, in dem ausgeklügelte Energiesparkonzepte und innovative Lichtquellen den Blick auf den „Dark Sky“, den dunklen Nachthimmel oder eben Sternenhimmel möglich machen.

Erste wichtige Pflöcke sind eingeschlagen. Experten aus drei Ländern (Sternenpark Poloniny, Slowakei; Sternenpark Bieszczady, Polen; Sternenpark Transkarpatien, Ukraine) präsentierten ihre Erkenntnisse und Erfahrungen bei einem Workshop in Neu Sammit, insbesondere die verschiedenen Modelle der Kooperation, technische Ausrüstung, Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit sowie internationale Zusammenarbeit. Seit Juni 2016 treten die drei Parks sogar als trilateraler „Sternenpark Karpaten“ auf. „Beschlossen wurde in Neu Sammit auch die enge Kooperation zwischen den drei Großen und unserem Park“, berichtet Dr. Martin Labuda, der das von der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung genehmigte Sternenpark-Projekt im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide leitet. Für den Herbst ist eine Gegenexkursion in die drei Länder geplant, mit Workshops und der Unterzeichnung eines Memorandums, in dem die Unterstützung bei der Vorbereitung des Sternenparks Nossentiner/Schwinzer Heide festgeschrieben wird. Auch wenn das Memorandum kein Vertrag bedeutet, für Labuda ist die Unterstützung der „drei Großen“ wichtig. Gerade auch hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit.

Hintergrund zum Sternenpark

Die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung fördert das  Sternenpark-Projekt für den Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide.

Ziel ist es, die Dunkelheit der Nacht zu schützen. Denn tatsächlich zählt die „Dunkelheit der Nacht“ zu den gefährdeten  Bestandteilen der Umwelt. Grund ist das Licht (z. B. Straßenlaternen), das den Sternenhimmel  über kleinen Siedlungen manchmal nur erahnen lässt, ihn  über Großstädten  nahezu verdrängt. Umweltexperten sprechen von Lichtverschmutzung.

 2013 war der Naturpark Nossentiner/Schwinzer dahingehend  untersucht worden. Erhält er die Sternenpark-Zertifizierung von der Internationale Dark Sky Assoziation, wäre das ökologisch von Bedeutung, z.B. beim Schutz nachtaktiver Organismen,  würde der Mensch bei der Steuerung des Tag-Nacht-Rhythmus unterstützt und könnten touristische Angebote entwickelt werden.

17 Kommunen liegen entweder direkt im Naturpark oder wie etwa Plau am See und Goldberg am Rande. Bei den meisten hat der Projektleiter die aktuelle Beleuchtungssituation analysiert; mit den ersten hat es bereits Gespräche gegeben. Ob sie mitziehen werden, bleibt ihnen überlassen und abzuwarten. Labuda hofft es. „Um Sternenpark zu werden, brauchen wir die Unterstützung von gut zehn Gemeinden“, sagt er und hat in den letzten Wochen festgestellt, dass das Interesse riesengroß ist. Zum Beispiel überlegt die evangelische Kirchgemeinde Goldberg, bei der geplanten Außenbeleuchtung ihrer Kirche von vornherein eine Lösung zu finden, bei der Licht nicht als „Lichtverschmutzung“ in den Nachthimmel entweicht. „Das ist natürlich ein Vorzeigebeispiel“, sagt Labuda. Der Projektleiter ist sich bewusst, dass es für Gemeinden schwierig ist, technische Lösungen ungefördert zu finanzieren. „Wir orientieren deswegen darauf, bei notwendigen Umrüstungen – kurzfristig aber auch langfristig – auf energiesparende Lösungen zu setzen.“ Nicht in den Städten, aber doch in den kleinen Gemeinden wäre aus Sicht des Projektleiters auch denkbar, das Licht von ca. 22 bis 4 Uhr ganz abzuschalten. Über Bewegungssensoren könnte es bei Bedarf zugeschaltet werden. Die Lichtverschmutzung ließe sich auch reduzieren, indem Calvin- (Farbwärme) oder Lumenzahl (Lichtstärke) optimiert würden, erklärt Labuda. Goldbergs Straßenbeleuchtung beispielsweise erfolgt bereits mit enegiesparenden LED. Allerdings sind die 4000 Calvin stark (nahezu weißes Licht). „Zuviel für die Sternenpark-Zertifizierung. LED dürfen danach maximal 3000 Calvin haben“, erklärt Labuda und bietet den Gemeinden an, ihn zu konsultieren oder das bereitgestellte Info-Material zu nutzen, bevor sie in neue Systeme investieren.

Die Internationale Dark Sky Assoziation (IDA) ist unter den Zertifizierern so etwas wie die „heilige Kuh“. Und ihre Kriterien sind streng. Sehr streng sogar. Zertifizierte Parks gibt es vor allem in den USA, Kanada und Neuseeland. Nun will es auch der Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide schaffen. „Es gibt drei Stufen der Zertifizierung und es wird ganz sicher eine Zeit dauern, bis wir den Anforderungen der IDA genügen. Bis dahin“, so der Projektleiter, „wollen wir wenn möglich den Titel ,Sternenpark in der Entwicklung‘ tragen. Ein entsprechender Brief geht an die IDA.“

Noch bevor die Antwort aus Tucson (Arizona) zurück ist, soll der nächste Sternenpark-Pflock eingeschlagen werden: Zusammen mit dem Kiwi-Hotel am Drewitzer See wird noch im Mai der erste Beobachtungspunkt eingerichtet. Gemütlich auf Liegen liegend können Besucher den Sternenhimmel entdecken.

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