Notfallbegleiter : Erste Hilfe für die Seele

1. Fortbildung der Notfallbegleiter in Parchim: Hier zeigen Gerlinde Vohs (r.) und Rene Grove den Inhalt eines Notfallkoffers für die Seele. Fotos:  Michael-Günther Bölsche
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1. Fortbildung der Notfallbegleiter in Parchim: Hier zeigen Gerlinde Vohs (r.) und Rene Grove den Inhalt eines Notfallkoffers für die Seele. Fotos: Michael-Günther Bölsche

Nach schweren Unfällen sind Notfallbegleiter gefragte Helfer / In Parchim absolvierten sie am Wochenende gemeinsame Ausbildung

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03. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Sehr häufig berichten wir auch in unserer Zeitung von schweren Verkehrsunfällen, bei denen Personen ihr Leben verlieren. Erst in der vergangenen Woche verstarb ein 23-Jähriger bei einem Unfall auf der B 321 zwischen Crivitz und Schwerin. Derartige Einsätze sind für Polizei, Feuerwehr und Polizei auch mit einer enormen psychischen Belastung verbunden. Und dann kommt für die Polizei noch die undankbare Aufgabe zu, den Angehörigen die traurige Nachricht zu überbringen.

Diese Aufgaben einerseits zu meistern und die Erlebnisse vom Ereignisort verarbeiten zu können, andererseits den betroffenen Familien zur Seite zu stehen – dafür haben sich Menschen zusammen gefunden, die sich als Notfallbegleiter anbieten und Hilfe leisten wollen. In unserer Region sind es derzeit vier Personen, im gesamten Landkreis 13 Frauen und Männer, in der Nachbarregion Güstrow elf und in Schwerin neun Personen. Sie trafen sich am Wochenende im Gerätehaus der Parchimer Feuerwehr zu einer gemeinsamen Fortbildung, die von der Landeszentralstelle Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) Mecklenburg-Vorpommern organisiert wurde. Als Seminarleiter fungierte der Beauftragte für Notfallseelsorge und Projektleiter Notfallseelsorge/Krisenintervention im Land Brandenburg Stefan Baier.

„Wir wollen Ansprechpartner für Menschen in der Notlage sein. Das kann nach Bränden, Unfällen oder gar großen Schadensereignissen sein wie der Flugzeugabsturz im Mai 2012 in Parchim oder auch an die Massenkarambolage auf der A 19 im April 2011“, sagt Peter Stockmann vom Team der Notfallbegleiter in Parchim. Aber nicht nur diese großen und schlagzeilenträchtigen Ereignisse sind es, denn auch bei häuslicher Gewalt, bei Suizid sind die Notfallbegleiter Ansprechpartner. Auch wenn man bei den Notfallbegleitern von der Seelsorge spricht und etliche als Pfarrer tätig sind, so handelt es sich nicht um rein religiöse Teams und ein entsprechendes Studium ist auch nicht Voraussetzung.

Da sind Menschen, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, anderen zu helfen, anderen beizustehen in schweren Stunden. Es bedarf eines sehr guten Einfühlungsvermögen und einer hohen psychischen Eigenbelastbarkeit. Das Mindestalter beträgt 25 Jahre und man absolviert eine spezielle Ausbildung, unter anderem an der Landesfeuerwehrschule in Malchow. Manja Engelberg und Sarina Rose-Hönemann von der Parchimer Feuerwehr wollen diese Ausbildung demnächst beginnen und nahmen als „Zaungäste“ an diesem Seminar teil.

Die Fortbildung am Wochenende in Parchim war die erste dieser Art und soll zukünftig fortgesetzt werden. Diesmal stand das Verhalten der Notfallbegleiter vor Ort bei Großschadensereignissen im Mittelpunkt. Auch hier gab es mit dem Blitzeinschlag in Dabel am Himmelfahrtstag mit über 40 Verletzten in diesem Jahr so ein Ereignis, welches auch den Einsatz der Notfallbegleiter direkt vor Ort erforderte. Wie gehe ich vor, wo melde ich mich an, welche Befugnisse habe ich vor Ort, wie gehe ich mit der Presse um? All das wurde behandelt, denn bei einem Großschadensereignis gibt es viel Hektik und Stress und da gilt es besonders, Ruhe zu bewahren und Schritt für Schritt überlegt zu handeln. Bei derartigen Einsätzen sind meist auch mehrere Notfallbegleiter im Einsatz und die gilt es, einzuteilen und zu führen. Aber auch das Thema der Nachbereitung spielte eine Rolle. Zum einen bei den Einsatzkräften, die Hilfe bei der Aufarbeitung ihrer Erlebnisse benötigen, aber auch in Schulen, wenn Klassenkameraden involviert sind und die anderen Kinder dies verarbeiten müssen. Neben den Feuerwehrkameraden und den Rettungsdiensten verstehen sich die Notfallbegleiter als erste Ansprechpartner für die Betroffenen und sind nicht nur psychologisch geschult, sie sind auch mit „Handwerkszeug“ gerüstet, die sie in einem Notfallrucksack bei sich tragen. Darin sind speziell für Kinder Malsachen, Plüschtiere ebenso vorhanden wie Adressen für weitere Hilfe und vieles mehr. Rund um die Uhr sind sie für Menschen in Not im Einsatz und werden durch die Feuerwehr und/oder Polizei über die Leitstellen alarmiert. Eine Arbeit, die meist still im Hintergrund läuft und dennoch unverzichtbar ist.


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