Schauspiel : Erst die Suppe, dann die Kultur

Jeder spricht gegen eine Wand: Preilschek und Böttricht (r.).
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Jeder spricht gegen eine Wand: Preilschek und Böttricht (r.).

Das Landhotel Rosenhof in Plau veranstaltete zum ersten Mal eine Kombination aus Kabarett und Menü

svz.de von
09. März 2015, 22:00 Uhr

„Hetz mich nicht“, war auf einem T-Shirt an diesem Abend im Hotel Rosenhof in Plau zu lesen. Der Imperativ konnte auch als Motto des gesamten Abends gelten, denn es ging, im gehobenen Ambiente des Wintergartens, völlig entspannt zu. Das All-inclusive-Paket nämlich, das die Unternehmer für ihre Gäste zusammengestellt hatten, sah neben einem anspruchsvollen Drei-Gänge-Menü auch eines der Programme der jungen Berliner Agentur „Brot und Spiele“ vor. So wurde neben Esskultur auch Unterhaltungskultur aufgetischt, beides von gehobenem Standard.

Sie allerdings hetzten sich schon etwas ab: die Schauspieler Mario Böttrich und Egbert Soutschek, zuständig für den unterhaltenden Teil, führten zwischen den einzelnen Gängen des Menüs Sketche des legendären Komikerduos Herricht und Preil auf, Dialoge, die schnell, konzentriert und wortgetreu zu spielen waren, sollten sie ihre Wirkung tun. „Gewichtsabnahme direkt nach der Aufführung bis zu drei Kilo“, verriet Soutschek.

Die beiden Schauspieler lernten sich auf dem Theater in Zwickau kennen. Nun sind sie selbstständig mit Karl-Valentin, Herricht und Preil und einem Krimi-Dinner mit Soutschk als Inspektor Columbo auf Tour. Sie spielen, wohin man sie engagiert. Unter anderem kamen sie schon für die abendliche Unterhaltung im Anschluss an Unternehmensseminare auf, in denen der bessere kommunikative Umgang miteinander geübt werden sollte.

Die Unfähigkeit, im Gespräch aufeinander einzugehen, sei in den Sketchen von Herricht und Preil schon hellsichtig vorweggenommen worden, sagte Soutschek sinngemäß, und ein für unsere Zeit typischer Mangel. Darauf aufmerksam zu machen, ist die eine Motivation der beiden professionellen Schauspieler. Die andere ist, dass Soutschek die Texte der verstorbenen Kultstars einfach „genial“ findet: Zwei extrem unterschiedliche Charaktere mühen sich miteinander, besser, gegeneinander ab, um etwas zustande zu bringen, das Anlegen eines Gartens etwa oder die Improvisation Schiller`scher Szenen. Den Charakteren, die sich hier Böttricht und Preilschek nennen, liegen die Stereotypen Weißclown und dummer August zugrunde, der Zuschauer ordnet die Figuren aber eher dem zeitgenössischen Leben zu. Dafür spricht die Kostümierung mit Anzug mit Schlips, aber auch die spezielle Interpretation durch die Darsteller. Unschwer lässt sich hier ein ungeduldiger, rationaler und zielorientierter Charakter erkennen, der präzise mit Begriffen umgehen kann, nämlich Preilschek, und dort sein Gegenstück Böttricht, der langsam ist, begriffsstutzig und auf so umständlichen und unsicheren Denkpfaden wandelt, dass es den Choleriker noch immer weiter in die Raserei treibt: „Du musst deinen Garten doch sprengen“, belehrt Preilschek. Darauf Böttricht: „Was, ich soll meinen Garten sprengen?“ Das Aneinander-vorbei-Reden, die Missverständnisse - aus Autorenperspektive gesprochen, die vielen Wortspielereien - sind der eigentliche Griff der Minidramen. Sie unterscheiden den einen Typus, der eine funktionale Sprache beherrscht, von dem anderen, der die Wörter eher klanglich begreift und daher ihren Sinn ständig durcheinander bringt. Der kommt von Wallenstein auf Gallenstein, von Qualitäten auf Kalamitäten, von Gladiolen auf Gladiatoren, auf Alligatoren. Und so fort. Die beiden Typen zu glaubhaften Bühnenfiguren geformt zu haben, war das große Verdienst der Schauspieler, wobei Böttrich mit seinen rührend tastenden Versuchen, die Wörterwelt des anderen zu begreifen, eindeutig der sympathischere Part zufiel.


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