schule : Erhellender „Dialog im Dunkeln“

Projekt für mehr Verständnis: Klüschenbergschüler erlebten in Hamburgs Speicherstadt Lebensalltag von Blinden und Sehbehinderten

svz.de von
03. November 2014, 22:00 Uhr

Wie ist es, wenn man nicht alle Sinne beisammen hat? Wie lebt es sich, wenn etwas fehlt? Wie gehen andere damit um? In Zeiten, in denen überall über Inklusion geredet wird, über das Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten, ist es wichtig, dass Kinder und Jugendlichen damit in Berührung kommen.

Die Klüschenbergschule, die alle ihre Schüler fit für die Zukunft machen will, nutzt dazu auch externe Projekte. So wurden die Schüler der achten Klassen aufmerksam auf das Projekt „Dialog im Dunkeln“. Diese Ausstellung gibt es seit dem Jahr 2000 in Hamburg in der Speicherstadt. Von den 70 Mitarbeitern sind 40 blind oder sehbehindert. Anliegen ist es, dass sich einerseits Sehende und Blinde begegnen und austauschen können. Andererseits bietet diese Ausstellung ein beeindruckendes Abenteuer für die Sinne.

Zur Vorbereitung auf den Besuch dieser Ausstellung fanden die Achtklässler in Frau Rentz, Jugendsozialarbeiterin der Stadt Plau am See, eine kompetente Hilfe.

Dann fuhren beide achten Klassen gemeinsam mit ihr, den Klassenlehrerinnen Frau Schubert und Frau Bonk, Frau Vienhues, der Schulsozialarbeiterin und Herrn Bühring, dem Amtsjugendpfleger nach Hamburg.

Zuerst wurden beide Klassen in Workshops mit den unterschiedlichen Formen einer Sehbehinderung vertraut gemacht. Zur Unterstützung gab es verschiedene Brillen, die einen Tunnelblick, eine Sehstärke von nur 5 Prozent oder milchiges Sehen simulierten. Die Betreuerin dieses Workshops war blind. Die Schüler lernten auch Hilfsmittel kennen, z.B. einen elektronischen Farberkenner, der die Farbe der Kleidung ansagt. Oder ein sprechendes iPhone. Dabei erkannten die Schüler auch, dass sich bei der Beeinträchtigung eines Sinnes die anderen verschärfen, so hatten sie Mühe, dem Sprechtempo des Computers zu folgen. Nach diesem Workshop ging es für eine Stunde in die dunklen Räume. Auch hier war der Betreuer blind. In den Räumen gab es null Prozent Restlicht, dass heißt es war so dunkel, dass man nicht einmal die Hand vor Augen sehen konnte. In diesen Räumen sind Alltagssituationen nachgestellt, z.B. ein Park, Straßen, die bei laufendem Verkehr überquert werden müssen, ein Wochenmarkt, auf dem man einkaufen kann. Geführt wurden die Schüler durch sprachliche Anweisungen, sie hatten aber auch „Blindenstöcke“ bei sich. Trotz der Hilfen gab es doch den einen oder anderen Anstoßer oder Zusammenprall. In einem „dunklen Cafè“ konnten die Schüler sich etwas zu essen und trinken kaufen. Hier kam dann auch der „Cash-Test“ zum Einsatz, ein Gerät, das anzeigt, welchen Geldschein man in der Hand hat. Nach diesem Ausflug in die Dunkelheit kamen die Schüler in einen abgedunkelten Raum und wurden so wieder allmählich an das Licht gewöhnt.

Die Schlussfolgerungen, die die Teilnehmer aus diesem Projekt zogen, waren recht einhellig. Viele Schüler meinten, sie hätten sehr viel Bewunderung und Hochachtung gewonnen für ihre sehbehinderten oder blinden Mitmenschen. Die Rede war auch von ganz viel Respekt. Und alle waren sich einig, dass sie sehr froh seien, normal sehen zu können.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen