Plau am See : Er liebt die Königin der Instrumente

Nach 37 Berufsjahren schwärmt Andreas Arnold noch immer von der Vielseitigkeit seiner Arbeit: „Verschiedene Fachgebiete greifen ineinander über und man hat es mit den unterschiedlichsten Materialien wie Holz, Filz, Leder oder Metall zu tun.“
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Nach 37 Berufsjahren schwärmt Andreas Arnold noch immer von der Vielseitigkeit seiner Arbeit: „Verschiedene Fachgebiete greifen ineinander über und man hat es mit den unterschiedlichsten Materialien wie Holz, Filz, Leder oder Metall zu tun.“

Altes Handwerk in modernen Zeiten: SVZ-Besuch beim Orgelbaumeister Andreas Arnold in Plau am See

svz.de von
13. Mai 2018, 05:00 Uhr

In kaum einem Berufsstand liegen Tradition und technischer Fortschritt so nahe beieinander wie im Handwerk. Was früher ausschließlich mit der Hand gestaltet wurde, geschieht heute in vielen handwerklichen Berufen mit Hilfe von Computern. Trotzdem lernen Handwerker auch heute noch die traditionellen Techniken. Und so mancher alte und vom Aussterben bedrohte Handwerksberuf hat inzwischen wieder Konjunktur. Nur, um den Nachwuchs ist es nicht gut bestellt. Wir schauen uns in dieser Woche in Handwerksbetrieben der Region um, heute im Mecklenburger Orgelbaubetrieb Wolfgang Nußbücker.

Die Orgel gilt als Königin der Instrumente. Als Jugendlicher warf Andreas Arnold zum ersten Mal einen Blick in das majestätische Innenleben einer Orgel. Er sei sofort verliebt gewesen. „Mich haben Orgeln schon immer fasziniert und zudem hatte ich schon damals einen Hang zum Besonderen“, sagt der Orgelbaumeister.

Nach 37 Berufsjahren schwärmt Andreas Arnold noch immer von der Vielseitigkeit seiner Arbeit: „Verschiedene Fachgebiete greifen ineinander über und man hat es mit den unterschiedlichsten Materialien wie Holz, Filz, Leder oder Metall zu tun. Zudem lernt man Land und Leute kennen.“ Für das Restaurieren einer Orgel brauche es neben handwerklichen Fertigkeiten auch Fantasie und Ehrgeiz. Es sei wichtig, sich in die Orgel hinein zu versetzen und die Konstruktion des Orgelbauers nach zu vollziehen. „Jede Orgel ist ein Unikat und damit etwas ganz Besonderes“, so Arnold weiter.

Anfang der 1980er-Jahre erlernte der gebürtige Sachsen-Anhaltiner das Orgelbau-Handwerk bei einem Mann, der einige Jahre später auch sein Schwiegervater wurde. Der Plauer Wolfgang Nußbücker gründete seiner Zeit die Orgelbau-Werkstatt in der Steinstraße.

Kurz vor der Jahrtausendwende übergab der Altmeister die Firma an seinen Schwiegersohn. Doch der junge Firmenchef setzte einen anderen Schwerpunkt. Die Instandsetzung historischer Orgeln sollte fortan die Hauptaufgabe des Unternehmens sein. „Seit dem Mauerfall steht die Restaurierung im Vordergrund“, betont Andreas Arnold. Seine neue Herangehensweise habe durchaus zu Meinungsverschiedenheiten mit seinem Schwiegervater geführt. „Es ist wohl eine Art Generationenkonflikt“, sagt Arnold. Zum Glück konnten die Differenzen schnell wieder beigelegt werden.

Schließlich ist die Nachfrage nach Neubauten in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen, wohin gegen der hohe Restaurierungsbedarf die Auftragsbücher füllt. Die seien nämlich voll bis oben hin und die sechs Mitarbeiter des Orgelbau-Unternehmens hätten alle Hände voll zu tun. „Es wäre kein Problem, wenn noch zwei bis drei Leute mehr mitarbeiten würden“, sagt Andreas Arnold, der Nachwuchskräfte gut gebrauchen könnte. Außerdem seien Quereinsteiger wie Tischler, Akustiker oder Elektroniker in der Plauer Werkstatt willkommen.


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