Portrait : Er ist schneller als alle anderen

Uwe Knust ist seit 40 Jahren Hubschrauberpilot. Fotos: Ilja Baatz
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Uwe Knust ist seit 40 Jahren Hubschrauberpilot. Fotos: Ilja Baatz

Seit 40 Jahren unterm Rotor: Aus dem Berufsleben von Rettungshubschrauberpilot Uwe Knust

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22. September 2015, 12:00 Uhr

Wenn er in die Luft geht, ist Staub das wenigste, was aufgewirbelt wird. Bei ihm jedoch als ungewollte Nebensächlichkeit, die sich nicht verhindern lässt: Uwe Knust ist Hubschrauberpilot im Rettungsdienst.

Ein zugänglicher Mann mit herrlich trockenem Humor, der ansatzweise schon beim ersten Satz – der Antwort auf die Frage nach seinem Namen – zutage tritt: „Uwe Knust,  wie der Brotrest.“ Zusammen mit Notarzt und Rettungsassistent stand er unlängst Besuchern beim Tag der offenen Tür im MediClin Krankenhaus Plau am See (wir berichteten) an einem von besonders vielen Interessenten angesteuerten Punkt – dem Hubschrauberlandeplatz – Rede und Antwort. Nach ihm wird gerufen, wenn nach einem schweren Unglück alles andere zu langsam ist: Er rückt mit zwar vier Tonnen Gesamtgewicht an, aber wenn man weiß, dass dies von zwei 1500 PS leistenden Triebwerken angehoben wird, ist die Sache klar. Alle Punkte in Mecklenburg-Vorpommern erreicht Knust mit maximal 320 Kilometern in der Stunde in 20 bis höchstens 30 Minuten, aber er steuert auch Spezialkliniken in ganz Deutschland an. Die Durchschnittsgeschwindigkeit in 150 bis 600 Metern Höhe liege allerdings bei „nur“ 240 bis 250 km/h: „Durch Vibrationen wird es innen sonst zu unruhig, was für den Verletzten nicht gut ist.“ Für den Kraftstoffverbrauch sind pro Stunde zwischen 310 und 320 Liter  einzuplanen. Dann ist allerdings auch schon weit mehr als die Hälfte Deutschlands erreicht.

„Mein Vater war Flugkapitän, womit der Weg für mich feststand“, sagt Knust. „Die Ausbildung in Dresden war damals allerdings nicht mehr möglich und dann kam die Armeezeit dazwischen.  Zwischendurch wurde ich dann sogar Stewart – Saftschubse.“ Die Pilotenausbildung fand letztlich in Leipzig statt, 1968 folgte der erste Alleinflug. Knust kam zur Interflug, die fünf Teilbereiche unterhielt. Der junge Mann stieg beim Spezialflug ein – immer im Hubschrauber. Stimmt es, dass er allgemein schwerer zu bedienen ist als ein anderes Fluggerät? „Ja, weil er durch den Rotor instabil ist. Ich verdeutliche es immer so: Man muss mit einer kleinen Kugel auf einer halben großen landen.“

Beim  Blick ins Cockpit sind viele Besucher vom Anblick überwältigt und können vielfach kaum nachvollziehen, wie man diese geballte Technik in allen Einzelheiten beherrschen kann. Der trockene Humor des Piloten setzt sich auch hier fort. „Ach was – das meiste hat rein informativen Charakter. Wichtig ist vor allem diese Ecke hier“, sagt Knust und deutet auf ein kleines Feld vor ihm, in dem der die Fluglage anzeigende künstliche Horizont, der Höhen- und Geschwindigkeitsmesser sowie  die Kursangabe zu finden sind. Seine Tochter habe er übrigens erfolgreich davon abhalten können, dem Vater beruflich exakt zu folgen: „Sie ist jetzt Pilotin einer Boeing 747 bei der Lufthansa – noch ein bisschen schöner.“

Weil  das Trio an Bord des Hubschraubers am Tag der offenen Tür bereits seit 2 Uhr in der Nacht zuvor unterwegs ist, unter anderem zwischen Rostock, Neubrandenburg und Berlin pendeln musste, fällt am frühen Nachmittag  die Entscheidung, sich auf den Weg zum Stützpunkt Rostock zu machen, um zu schlafen – von Plau am See aus rund 18 Minuten Flug.

Mit Humor und Entspannung ist es dann zunächst von einer Sekunde auf die andere vorbei, als ein Handy auffallend laut klingelt. „Die Johanniter Luftrettung, Guten Tag!“, meldet sich Knust ernst. Es ist die Leitstelle, die einen schweren Verkehrsunfall meldet, bei dem der Hubschrauber benötigt wird: „Wir sind schon unterwegs!“ Der Notarzt fordert alle Besucher auf, sofort auszusteigen, wozu sie trotz allem ein bisschen Zeit haben, denn zunächst müssen die Triebwerke im Stand ausreichend hochgefahren sein, um die vier  jeweils etwa sechs Meter langen Rotorblätter in ausreichende Umdrehung bringen zu können. Alle sind viel zu sehr Profis, um hektisch zu werden und beim Anlegen der den gesamten Kopf verhüllenden Bekleidung mit Blick in die Kamera ist der Pilot schon wieder der Alte: „Das ist doch jetzt super, oder?“ Keine Minute später gibt er in mehreren Stufen Gas,  rundherum fliegt alles Leichtere durch die von den Rotoren ausgehende Kraft durch die Gegend und D – HA MV hebt donnernd ab.

Bei dem Unfall gab es trotz allem nichts mehr zu retten. Der am schlimmsten Verletzte sei tot, heißt es  kurze Zeit später im Radio.

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