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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

18. Oktober 2017 | 02:10 Uhr

Lokalpolitik : Entwicklung fernab jeden Luxus’

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Plaus Bürgermeister Norbert Reier über Erreichtes 2016 und Schwerpunkte, die den Luftkurort in diesem Jahr erwarten

von
erstellt am 04.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Im Luftkurort sind die Augen viele Jahre schon auf ein imposantes Ensemble im Zentrum gerichtet - auf die Burg, auch Schloss Plau oder fürstliches Haus genannt. 2017 wird seine Sanierung nun endlich beginnen. „Mit der Entkernung“, kündigt Plaus Bürgermeister den Start jenes Projektes an, das neben Mole, Metow und Leuchtturm wohl die meiste Strahlkraft für den Tourismus im Luftkurort haben wird. Zwei Jahresabschnitte sind geplant. Jedoch sind die Plauer gewappnet für das, was kommen kann. „Bei einem 200 Jahre alten Gemäuer weiß man nie, da steckt der Teufel im Detail“, so Norbert Reier, der natürlich das Beste hofft.

Doch auch falls Entkernung, Sanierung, Umbau und Neugestaltung der Außenanlagen länger dauern sollten – am Ende wird das Fronthaus Plaus „Haus des Gastes“ sein und damit das neue Portal zur Stadt, über das Besucher sowohl die Innenstadt als auch die Metow erreichen können.

Früher noch als die Burg, nämlich voraussichtlich im April, soll auf der beräumten Fläche der ehemaligen Wäscherei der Touristen-Parkplatz gebaut werden – 130 Pkw-, sechs Caravan- und zwei Bus-Stellplätze. Plaus Bürgermeister hängt dieses Projekt sehr hoch: „Es ist wichtig für unser künftiges Verkehrskonzept, das die Entlastung der Innenstadt zum Ziel hat.“ Den überörtlichen Verkehr zum „Wäscherei-PP“ zu bekommen, erfordert entsprechende Beschilderung, die an den Bundesstraßen beginnt und sich in der Innenstadt fortsetzt. Mit Metow und Mole, der innerstädtischen Infrastruktur am See, hat es der Luftkurort geschafft, das Interesse der Touristen zu wecken. Viele kommen über die Elde, noch mehr über die Straße. Und die Stadt, die Parkraum bisher nur begrenzt bereitstellen kann (Metow I), muss und will das Zentrum vor drohendem Park-Kollaps bewahren. Der zentrumsnahe Parkplatz bietet die Option, Haus des Gastes, Burg, Metow und natürlich die Innenstadt mit ihren Einkaufsmöglichkeiten für die Touristen fußläufig zu erschließen. „Im August könnte der Parkplatz fertig sein“, sagt Reier – mit Verzögerung rechnend.

Plauer Investitionen sind in der Vergangenheit oft zu 90 Prozent gefördert worden, wofür die Stadt Land und Bund dankbar ist. Da waren die 27,5 Mio Euro Altstadtsanierung, die 2016 mit der Neugestaltung des Kirchgartens und der Errichtung des Markt-Brunnens ihren Abschluss fand. Da flossen ca. sechs Mio Euro inklusive Eigenmittel in die Sanierung der Schulen, hat die Stadt mittlerweile 2,5 bis 3 Mio Euro in die Erschließung des Entwicklungsgebietes „Quetziner Straße“ gesteckt und endlich die ca. 1,2 Mio Euro in den Ausbau des Seeradweg investieren können. „Ein sehr wichtiges Projekt, für das wir Jahre gekämpft haben“, sagt Norbert Reier. Er sei froh, dass der erste Bauabschnitt mit Rücksicht auf naturschutzrechtliche Belange soweit fertig gestellt werden konnte. Für den zweiten – KMG-Klinik bis Gemarkung Ganzlin – läuft der Förderantrag. Wald, FFH-, Quell- und Vogelschutzgebiete und Uferschutzzonen machen das Projekt kompliziert. „Doch selbst wenn wir hier nur auf maximal 1,50 Meter Breite ausbauen, wird das eine Verbesserung sein“, ist Reier überzeugt.

Wichtiges Projekt 2017, bei dem die Stadt nicht Träger ist, wird die Ortsumgehung sein, wichtiges Thema der ÖPNV. Beim Bahnhofsvorplatz, was durchaus ehrgeiziges städtisches Vorhaben ist, trennt Plau nur noch der Förderbescheid von der dringend notwendigen Umgestaltung.

Plau steckt mitten drin in der 16. Haushaltskonsolidierung. „Wir leben auf Pump“, sagt Norbert Reier und erläutert: „2,25 Millionen Euro Defizit schieben wir im Ergebnishaushalt vor uns her.“ Insofern sei er froh, dass freiwillige Leistungen vielfach mit Spenden abgedeckt werden können, wie durch den Förderverein der Feuerwehr, Spenden für das Kinder- und Jugendhaus, den CDU-Weihnachtsstammtisch, dessen Erlös Vereinen und Einrichtungen zugute kommt… „Auch wenn unser Spielraum größer ist als der anderer Kommunen, freiwillige Aufgaben können auch wir nur durch Verzicht auf andere leisten.“ Darum werde jede Investition auf ihre Relevanz geprüft.

„Hauptaugenmerk liegt auf der Wirtschaftsentwicklung, von der Tourismus, Gesundheits- und Dienstleistungsbranche profitieren“, so Reier. Dennoch könne sich Plau Luxus nicht leisten, was heißt, ohne 90-prozentige Förderung von Projekten seien Investitionen definitiv nicht möglich. „Wir können sie nicht aus Rücklagen finanzieren. Das geht nur aus laufenden Geschäften oder über Kredite.“

Hauptaugenmerk soll städtischerseits 2017 auf dem Breitband-Ausbau liegen. „Und hoffentlich stehen wir nicht allein da“, sagt Norbert Reier, der Gespräche mit den zuständigen Stellen ankündigt, in denen die Fetzen fliegen könnten. „Es kann einfach nicht sein, dass die Telekom nichtgeförderte Investitionen in Plau ankündigt und damit den Dobrindt-Topf für andere Anbieter und uns zumacht“, ist Reier entrüstet. „Solch eine Erklärung muss bindend sein. Ansonsten hat das mit wirtschaftlicher Entwicklung und Stärkung der ländlichen Regionen nichts zu tun.“

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