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Gemeinde Passow für Sonnenenergie : Energiewende ein Tor mehr geöffnet

vom

In Brüz möchten Privatinvestoren auf einem knapp 13 000 Quadratmeter großen Grundstück eine Photovoltaikanlage errichten. Die Gemeindevertreter in Passow haben zugestimmt, dass die Planungen beginnen können.

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erstellt am 25.Apr.2013 | 09:28 Uhr

passow | Jürgen Seiler und Thomas Schneider möchten bei Brüz auf einem knapp 13 000 Quadratmeter großen Grundstück eine Photovoltaikanlage errichten. Ihr Projekt stellten die Privatinvestoren am Mittwochabend auf der Gemeindevertretersitzung in Passow vor. Die Abgeordneten stimmten anschließend ausnahmslos dafür, die Planungen anlaufen zu lassen.

Seiler stammt aus Baden und war eigenen Worten zufolge bereits kurz nach der Wende in unserer Region. 2002 sei der Kontakt durch seine Kirchgemeinde im Zusammenhang mit dem Elbehochwasser wieder aufgefrischt worden. Der Diplom-Volkswirt habe sich damals endgültig in Mecklenburg verliebt und ließ sich in Zislow am Ostufer des Plauer Sees nieder, wo er ein Holzhaus - seinen Alterswohnsitz - kaufte. "Wir haben lange nach einer Möglichkeit gesucht, eine Photovoltaikanlage zu bauen", sagt Thomas Schneider, der "Solarstrom im Blut" habe. Mit der Materie ist er eng vertraut: Der 45-Jährige - ein Verwandter von Seiler - leitet beim Hersteller Bosch die Entwicklung von Gleichrichtern, die in Photovoltaikanlagen eingebaut werden. Um die gesammelte Energie nutzen zu können, muss man den Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln.

Die Ausbeute an Solarstrom in unserer Region sei "gar nicht so schlecht, wie man denken könnte" und in Süddeutschland oft kaum besser. Für die Anlage in Brüz haben die Planer einen Ertrag von gut 500 000 Kilowattstunden errechnet, die sie etwas mehr als 400 Meter von der Anlage entfernt in das Mittelspannungsnetz der Westmecklenburgischen Energieversorgungs-AG (WEMAG) einspeisen wollen. Das dafür notwendige Kabel wird in der Erde verlegt. "Mit dem Ertrag lassen sich rund 130 Vier-Personen-Haushalte elektrisch versorgen", so Schneider. Mit der neuen Technik vermeide man jährlich den Ausstoß von knapp einer halben Tonne Kohlendioxid, die durch die Verbrennung etwa von Kohle entstehen würde. Vorgesehen ist, die nach Süden ausgerichteten Module nach vorn hin abfallend auf Metallgestelle zu montieren. Durch die Schrägstellung sei eine Selbstreinigung möglich. Ein großer Vorteil der Photovoltaik gegenüber der Windenergie bestehe auch darin, dass sie nahezu wartungsfrei sei. Schätzungsweise in spätestens zehn Jahren werde zudem die Möglichkeit bestehen, tagsüber gesammelten Strom zu speichern und ihn auch abends/nachts abgeben zu können.

Durch eine zweiwöchige öffentliche Auslegung vom 23. Mai bis zum 7. Juni werden die Einwohner über das Vorhaben informiert. Außerdem schickt das Amt Eldenburg Lübz jetzt die Daten an die so genannten "Träger öffentlicher Belange" (kurz TÖB, unter anderem Nachbargemeinden, mehrere Landesministerien, das Amt für Raumordnung und das Staatliche Amt für Umwelt und Natur), die dann Stellungnahmen abgeben können. "Sie werden von der Gemeinde geprüft und gegebenenfalls eingearbeitet", sagt Norbert Timm, Leiter des Amts für Stadt- und Gemeindeentwicklung.

Nach seiner Aussage sollen für Photovoltaikanlagen künftig keine landwirtschaftlich nutzbaren Flächen (Felder/Äcker) mehr verbraucht werden, sondern das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) habe zum Ziel gesetzt, sie zum Beispiel direkt an Autobahnen und Schienensträngen, auf alten Gewerbegebieten sowie ehemaligen militärischen Liegenschaften und Flächen zu errichten, auf denen sich einst landwirtschaftlich genutzte Gebäude befanden. Letzteres ist in Brüz der Fall: Auf dem hier ins Auge gefassten Grundstück stand einst der Stallkomplex einer LPG, deren Fundamente sich noch im Boden befinden. Noch nicht fest steht, für welche Ausgleichsmaßnahmen die beiden Investoren wegen der Flächenversiegelung sorgen müssen. Die Gemeinde hat unter anderem den Wunsch geäußert, mit ihrer Hilfe eine nicht mehr genutzte, inzwischen gesperrte offene Scheune in Weisin abreißen zu lassen. Hintergrund: In dem mehrere 100 Quadratmeter Land bedeckenden Gebäude ist eine sehr große Menge Wellasbest verbaut.

Um Photovoltaikanlagen errichten zu dürfen, muss Baurecht im Außenbereich geschaffen werden, wozu es notwendig ist, die jeweiligen Flächennutzungspläne zu ändern. Neben Brüz laufen die Vorbereitungen im Amt Eldenburg Lübz gegenwärtig auch in Suckow, Marnitz und Tessenow.

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