Einwohner zieht es zur Arbeit hin

Kennt die Zahlen, kennt das Problem: Marko Kinski, Leitender Verwaltungsbeamter im Amt Goldberg-Mildenitz, wägt aber in Bezug auf den Einwohnerrückgang ab. Es ist ein generelles Problem des gesamten Bundeslandes. sabrina panknin
Kennt die Zahlen, kennt das Problem: Marko Kinski, Leitender Verwaltungsbeamter im Amt Goldberg-Mildenitz, wägt aber in Bezug auf den Einwohnerrückgang ab. Es ist ein generelles Problem des gesamten Bundeslandes. sabrina panknin

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11. Juli 2012, 10:00 Uhr

Goldberg | Landesweit spüren Städte und Gemeinden den demografischen Wandel. Immer mehr Menschen wandern ab. In die Großstadt - nach Hamburg unter anderem. Dorthin, wo Arbeit ist. Das bemerkt auch Marko Kinski, Leitender Verwaltungsbeamte (LVB) des Amtes Goldberg-Mildenitz. Doch er wägt ab: "Den Einwohnerrückgang kann man nicht allein an einer Stadt wie Goldberg festmachen. Die Problematik ist ein generelles im ganzen Land. Und die Gründe dafür sind überall die gleichen, ob auf dem Land oder in der Stadt." Damit spricht der LVB vor allem die schlechte Situation für Jugendliche an. "Jugendliche haben hier kaum Berufschancen, deshalb zieht es sie weg aus ihrer Heimat. Wer Hamburg besuchen fährt, kann mittlerweile sicher sein, dass er Bekannte oder Familie trifft", so Marko Kinski. Auch die Infrastruktur sei ein Problem.

Seit Jahren bewegen sich die Einwohnerzahlen in Goldberg rückwärts. Vor der Fusion mit Diestelow und Wendisch Waren hatte Goldberg insgesamt 3251 Einwohner (Stand 30. Juni 2011, Auszug aus dem Melderegister). Zur Jahrtausendwende lebten in Goldberg noch 3931 Menschen. "Einen herben Einschnitt gab es 1990 als der Armeestandort hier aufgelöst wurde. Viele Soldaten haben hier gelebt. Das war dann plötzlich nicht mehr der Fall", erinnert Marko Kinski. Damals ging die Bevölkerungszahl in Goldberg um 181 Bürger von 5168 auf 4987 zurück. "Danach ging es stetig bergab mit den Zahlen. Doch das ist im ganzen Land so. Die Menschen gehen dorthin, wo Arbeit ist. Das kann ich nur immer wieder betonen", sagt Marko Kinski. Doch der LVB ist auch zuversichtlich. Denn viele ehemalige Goldberger wollen zurück in ihre Heimat. "Wir haben hier Bewerbungen auf dem Tisch liegen von ehemaligen Einwohnern. Die haben dann in Schleswig-Holstein gelernt, wollen aber zurückkehren." Darüber freut sich Marko Kinski. Denn junge Leute brauchen alle Gemeinden und Städte. Denn Mecklenburg-Vorpommern wird immer älter. Pro Jahr verliert Goldberg derzeit im Schnitt rund 80 Bürger. "Das liegt vor allem am Geburtenrückgang. Wir haben mehr Sterbefälle als Neugeburten."

Mit Blick auf die Zukunft hofft der Leitende Verwaltungsbeamte, dass Berliner oder Hamburger nach Mecklenburg-Vorpommern ziehen. "Wir haben hier so unsere Vorteile. Natur und die vielen Seen sprechen für unseren Amtsbereich", verdeutlicht Marko Kinski. Für Familien sei Goldberg auch sehr attraktiv. "Wir haben hier genügend Kindertagesstätten, eine schöne Grundschule und eine Regionalschule. Das sind alles Punkte, die wichtig für Familien sind." Wenn nicht auch noch die älteren Menschen abwandern sollen, müssten Gemeinden und Städte mehr auf altersgerechte Wohnungen setzen. "Barrierefrei muss es sein", so Marko Kinski. Mit dem Stand von Juni 2012 und nach der Fusion mit Diestelow und Wendisch Waren leben derzeit insgesamt 3953 Einwohner in Goldberg.

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