Lübz : „Einer muss den Job ja machen“

Verewigt auf Leinwand: Künstlerin Martina Kriedel machte dem früheren Regionalleiter des Unternehmerverbands, Wolfgang Waldmüller (r.), ein symbolträchtiges Abschiedsgeschenk. Sein Nachfolger Volker Rumstich sagt Danke für die lange ehrenamtliche Arbeit im Verband.
Verewigt auf Leinwand: Künstlerin Martina Kriedel machte dem früheren Regionalleiter des Unternehmerverbands, Wolfgang Waldmüller (r.), ein symbolträchtiges Abschiedsgeschenk. Sein Nachfolger Volker Rumstich sagt Danke für die lange ehrenamtliche Arbeit im Verband.

Wolfgang Waldmüller zum Abschied vom Unternehmerverband geehrt: Zukunftsaufgaben: Fachkräftemangel und Unternehmenskultur

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04. Dezember 2018, 05:00 Uhr

Das goldene Buch des Friedrich-Franz-Gymnasiums hat zum ersten Mal in seiner Geschichte das Schulgebäude verlassen. Der Grund: Wolfgang Waldmüller durfte sich eintragen. Der frühere Regionalleiter des Unternehmerverbandes Ludwigslust-Parchim hatte vor fast 20 Jahren die Jungunternehmerschule am Gymnasium mit initiiert. Im Wahlpflichtfach, das auch das staatliche Schulamt anerkennt, sind die Schüler direkt mit wirtschaftlichen Sachverhalten konfrontiert, lernen, unternehmerisches Risiko zu kalkulieren. „Eine gute Erziehung ist die beste Ökonomie und Unwissenheit die teuerste“, zitierte Schulleiter Volkhard Merzsch den Ökonomen Adam Smith.

Nachdem Waldmüller sein Ehrenamt beim regionalen Unternehmerverband nach 21 Jahren aufgegeben hatte, setzten Kollegen, Freunde und Bekannte aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Bildung im Spornitzer Van der Valk Landhotel gestern ein Zeichen zum Abschied. Landrat Stefan Sternberg hob in seinem Grußwort die Entwicklung des Kreises hervor. „Wir sind einer der wirtschaftsstärksten Kreise im Land mit weniger als sechs Prozent Arbeitslosigkeit. Sie haben auch einen großen Beitrag dazu geleistet, dass Parchim heute eine schöne Kreisstadt geworden ist“, sagte Sternberg im Rückblick auf die Kreisgebietsreform 2011. Zum Abschied gab es von Sternberg einen Zinnteller mit Kreiswappen. Die Künstlerin Martina Kriedel verewigte den früheren Regionalleiter in sinnierender Pose auf Leinwand. Für Waldmüller hat der Abschied nach über zwei Jahrzehnten zum einen private Gründe: Zu wenig Zeit für die Familie als Ruhepol. Andererseits habe er sich selber in den vergangenen Jahren vom Unternehmer zum Politiker entwickelt. Wenn ein Unternehmerverbandsvorsitzender, der gegenüber der Politik neutral sein soll, in Personalunion selber Politiker sei, könnte es Anfeindungen geben, erklärt Waldmüller die Lage. Er bleibe dem Verband aber als Mitglied treu und biete jede Unterstützung an.

„Früher war die Aufgabe, so viel Arbeit wie möglich in die Region zu bekommen. Doch die Gesellschaft wandelt sich. Heute geht es darum, wo bekommen wir die Fachkräfte her und wie schaffen wir eine Unternehmenskultur, die die Mitarbeiter motiviert zu bleiben“, umriss Waldmüller die Zukunftsaufgaben.

„Einer muss den Job ja machen“, zitierte Ehrengast Jürgen Seidel, früherer Wirtschaftsminister MVs, den Sänger Udo Lindenberg. Nicht despektierlich, sondern mit Blick darauf, dass ehrenamtliche Arbeit im Verband auch mit viel Zeitaufwand und eigenem Investment verbunden ist. „Es wird immer salbungsvoll vom Ehrenamt geredet, aber eines zu übernehmen ist nicht selbstverständlich“, so Seidel. Eine Gesellschaft, der Kultur und Soziales wichtig sind, die müsse nicht nur Unternehmertum fördern, sondern dürfe auch ehrenamtliche Lobbyarbeit für die Wirtschaft nicht geringer schätzen. Sein Nachfolger im Amt, der Parchimer Spediteur Volker Rumstich konnte sich in seiner Tätigkeit schon gut einleben. „Der Pessimist hat ein Problem, der Optimist hat eine Aufgabe“, sagte Rumstich.

Zählte der Regionalverband im Jahr 1997 noch 150 Mitglieder, heute sind es 286. Über 140 Firmenbesuche werden pro Jahr durchgeführt, „und das im ganzen Kreisgebiet. Es gibt bei uns kein Altkreisdenken mehr“, sagt Guido Raabe, Regionalgeschäftsstellenleiter des Unternehmerverbands.

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