Bootskino auf dem Plauer See : Eine Sommernachtspremiere

Es dunkelt, der Grill ist an, mehr als dreißig Boote sind „vor Anker“.
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Es dunkelt, der Grill ist an, mehr als dreißig Boote sind „vor Anker“.

Zum ersten Mal organisierte die Lübzer Agentur „Abenteuer in Mecklenburg-Vorpommern GmbH“ Kino für Bootsfahrer. Auch wenn diesmal noch nicht alles glatt lief - die Zuschauer hatten ihren Spaß im Mondschein.

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04. August 2015, 21:00 Uhr

Es gibt Autokinos. Es gab auch schon Kinoleinwände auf dem Wasser, aber wo oder wann tuckerten die Zuschauer in Booten herbei, um dann von dort aus auf einer am Seeufer aufgebauten Leinwand einen Spielfilm anzuschauen? „Abgefahren“ urteilte eine Zuschauerin vor Filmbeginn am Plauer See in Quetzin. Und das war das Seehappening, das die Agentur „Abenteuer in Mecklenburg-Vorpommern“ aus Lübz am Sonntagabend aufzog, absolut.

Zu sehen war der Film „Monsieurs Claude und seine Töchter“ aus dem Jahr 2014. Aber der „familientaugliche“ Film war nicht das Ausschlaggebende, sondern das Spektakel drum herum. Schon frühzeitig waren Zuschauer auf der Wiese am See eingetroffen und das Stimmungsbarometer in der wahrhaft goldenen Abendsonne stand auf maximale Zufriedenheit. Zufrieden, weil etwas Neues probiert wurde, aber als friedliches Spiel, zweckfrei und „sinnlos“, bloß schön. Da fühlte man sich auf den Bänken am Strand, mit gemütlich ausgestreckten Beinen, auf einem Logenplatz und genoss den Sommerabend, in dem ein Spektakel am See und auf dem See langsam Gestalt annahm. Es passierte was.

Emsig wateten die Blauhemden der Agentur hin und her durch das seichte Uferwasser zu den beiden schwimmenden Inseln, um den Event wasserdicht zu machen. Der größere der Pontons sollte zur Zuschauerinsel werden, auf dem anderen schwammen Getränke und Grill. In der Mitte von beidem thronte der Master des Equipments, ein bulliger Beamer, Leistung 7500 Lumen, der eine ganze Kinoleinwand bespielen sollte. Und langsam schwebten nun auch die Schiffe ein, hielten auf Sehnähe, eigentümlich lautlos und fern. Bis zum Beginn des Films liefen über dreißig Boote auf, eine bunte Flotte aus Segelbooten, Motoryachten, Kanus, einem kleineren Ausflugsschiff sogar.

Nicht spielerisches Abenteuer, sondern abenteuerliche Arbeit war das Happening für die Mitarbeiter der Agentur. Zum ersten Mal, berichtet Frank Böhm, Chef der Firma, haben sie diesen Event ausgerichtet. „Die Idee dazu hatte ich schon längst.“ Aber immer wieder sei die Realisierung solcher Ideen, die das Normale und Übliche überschreiten, das Problem. Auch ein geeigneter Beamer musste noch an Land gezogen werden. Ein Kraftmeier, wie hier vonnöten, hat seinen Preis. Böhm jedenfalls treibt in diesem Fall nur der „Spaß an der Sache“ an. Er verdiene heute kein Geld, sagt er, was bei einem Eintrittspreis von fünf Euro auch absolut glaubwürdig ist.

Den Spaß sah man dem gebürtigen Hamburger in jedem Augenblick auch an. Lachen und Gelassenheit wichen allenfalls der Anstrengung, als die Leinwand aufgerichtet wurde, und später wahrscheinlich, als es während der Filmvorführung den einen oder anderen Stromausfall gab. Machte aber nichts. Denn als der Film mal Pause machte, wurde aus Sehlust gleich wieder Seelust und das Behagen an der Bilderbuch-Sommernacht fixierte ohnehin wohl niemanden nur auf die Leinwand. Für den öffentlichen Raum sollten mehr Ereignisse dieser Art erfunden und ermöglicht werden. „Nur immer Dorffeste“, sagt Böhm, „locken zu wenige hinterm Ofen hervor, obgleich sie natürlich ihren Stellenwert haben.“ Mit Julia Theek hat er bereits über ein mögliches Lübzer Theaterprojekt, stationenweise gespielt, im Ansatz nachgedacht. Möglicher Titel: „Kunst am Kanal.“ Dergleichen täte Stadt und Region gut.
 

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