Gallin-Kuppentin : „Eine Selbstverständlichkeit“

Vor allem durch Engagement wird laut Bertram Bednarzyk der Zusammenhalt in der Gemeinde gestärkt.
Vor allem durch Engagement wird laut Bertram Bednarzyk der Zusammenhalt in der Gemeinde gestärkt.

Kuppentiner Bertram Bednarzyk für sein Engagement in Sport und Kultur mit Ehrenamtsnadel ausgezeichnet

svz.de von
09. Dezember 2018, 20:00 Uhr

Ein kleines gemütlich eingerichtetes Büro. In der einen Ecke steht ein Sofa, das zum Entspannen einlädt. In der anderen der Schreibtisch samt Computer, auf dem das E-Mail-Programm geöffnet ist. „Das ist mein Reich“, sagt Bertram Bednarzyk. Der Kuppentiner hat volle graue Haare, ein schmales Gesicht und im rechten Ohrläppchen blitzt ein kleiner Stecker. Bednarzyk ist Rentner – aktiver Rentner, wie er sagt – und 72 Jahre alt. Mit seiner offenen, humorvollen und tatkräftigen Art wirkt er jedoch keinen Tag älter als 54. Am Sonnabend wurde Bednarzyk eine besondere Ehre zu Teil. In der Landeshauptstadt zeichnete Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ihn mit der Ehrenamtsnadel des Landes aus.

Bertram Bednarzyk kommt aus einem kleinen Dorf im Sauerland. Trotz erfolgreichem Unternehmen in Wuppertal hat es ihn nach der Wende nicht in NRW gehalten. „Mecklenburg wurde uns immer als Land der 1000 Seen beschrieben“, sagt der 72-Jährige. Als leidenschaftlicher Bootsfahrer wollten er und seine Frau Johanna sich persönlich davon überzeugen. „Hier war es noch schöner, als wir erwartet hatten“, erinnert sich Bednarzyk.

Im kleinen Kuppentin fanden sie ein Haus, das sie eigentlich als Urlaubsdomizil nutzen wollten. Doch die Dorfgemeinschaft hat die beiden „Wessis“ schnell integriert. 1994 war klar: Die Bednarzyks bleiben in Mecklenburg. „Unsere Tochter hat einmal gesagt, dass in anderen Familien die Kinder wegziehen, bei uns sind es aber die Eltern“, so der Rentner.

In Kuppentin hat Bednarzyk sein Hobby zum Beruf gemacht. Er übernahm den Kuppentiner Bootsanleger und hat ihn aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Auch in den Bootsverleih ist er eingestiegen. Bis vor zehn Jahren. Mit 63 ging der gebürtige Sauerländer in Rente – und suchte sich neue Aufgaben. Zum 60. Geburtstag hatte er ein Banjo geschenkt bekommen. „Ein Banjo klingt alleine aber einfach nicht“, sagt Bednarzyk. Er schaltete eine Anzeige, kam mit anderen Hobbymusikern aus der Region und darüber hinaus zusammen und gründete die Band „Country-Buffet“. Seitdem tourt er von Ostern bis November jeden Sommer zwischen Hamburg und Berlin vor allem über Dorffeste. Im Vordergrund steht die Musik. „Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn wir zusammen auf der Bühne stehen“, beschreibt Bednarzyk die Auftritte.

Doch der Rentner investierte seine Freizeit auch in ein weiteres Herzensprojekt. 2012 war er maßgeblich an der Gründung der „Sportgemeinschaft SG Gallin-Kuppentin“ beteiligt. Damengymnastik, Tischtennis, Volleyball und Badminton werden angeboten. Für die Gemeinde ist die SG eine Erfolgsgeschichte. Nicht zuletzt wegen des ehrenamtlichen Engagements Bednarzyks. Nach der Gründung stand er dem Verein vier Jahre lang als Vorsitzender vor, hat die verschiedenen Abteilungen aufgebaut, Veranstaltungen organisiert und die Menschen zusammengebracht.

Nachdem er den Vorsitz aufgab, geriet die SG in Schieflage, Ungereimtheiten traten auf. Daraufhin wandte sich der Verein an seinen Gründer und bat um Hilfe. Ende 2017 übernahm Bednarzyk als kommissarischer Leiter und führte die SG zurück in ruhiges Fahrwasser. „Für mich war es eine Selbstverständlichkeit zu helfen“, sagt der Rentner.

Vor einigen Wochen dann erhielt Bednarzyk Post. „Die Ministerpräsidentin“ stand auf dem Absender. In dem Brief fand er eine Einladung zur feierlichen Auszeichnung mit der Ehrenamtsnadel. Sein leidenschaftlicher Einsatz für den Sportverein blieb bei den Mitgliedern nicht unbemerkt. Ohne ihm etwas davon zu verraten, schlugen einige Mitglieder Bednarzyk für diese höchste Auszeichnung des Landes für ehrenamtliches Engagement vor. In der Begründung für die Auszeichnung wird sein Engagement in Sport und Kultur betont. Vor allem der Sportverein habe sich zum Mittelpunkt des kulturellen Lebens in der Gemeinde entwickelt. „Ich freue mich sehr über die Anerkennung“, sagt Bednazyk. „Aber wir dürfen nicht vergessen, dass in kleinen Dörfern wie unserem jeder Verein und jede Gruppe treibende Kräfte hat, durch deren Engagement unser Dorfleben aktiv gestaltet wird.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen