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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

14. Dezember 2017 | 20:09 Uhr

erinnerung : Eine Reise zum „Ring der Erinnerung“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Karin Mußfeldt aus Woosten besichtigt das französische Mahnmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges

Unser Leserin und Hobby-Fotografin aus Woosten, Karin Mußfeldt, reist immer wieder nach Frankreich. Auch jetzt wieder zum Jahresanfang. Dieses Mal reiste sie zum „Ring der Erinnerung“, dem Gefallenenmahnmal von Notre-Dame-de-Lorette. Das Mahnmal soll an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges erinnern. Karin Mußfeldt begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit und berichtet davon.

In Nordfrankreich, Gebiet der Somme, findet man heute an vielen Ortsschildern das Zeichen des Roten Mohns. Oft sind es kleine Orte, aber nahe des Ortes Reihen sich Friedhof an Friedhof. Hier tobte der Erste Weltkrieg auf den großen Schlachtfeldern, forderte unzählige Opfer – auf allen Seiten.

Das Land ist flach, dünn besiedelt – aber an fast jedem Ort gibt es einen oder mehrere Friedhöfe, oft nur Französische Gefallene, Deutsche oder Britische, auch Polen, Tschechen, Australier, Canadier. Bewegend für mich war diese Reise, die ich für mich selbst machen musste. Als ich den Friedhof von Neuville-St.-Vaast betrat und las 44 830 Deutsche Kriegstote konnte ich diese Zahl nicht fassen, las immer und immer wieder, die Tränen flossen unaufhörlich.

In Roisel, Villers Faucon, habe ich Mohnsaat an manch ein Grab gestreut, Mohnsaat aus Woosten; ich weiß, im Sommer werden sich die Blüten im Wind wiegen.

100 Jahre 1. Weltkrieg – im vergangenen Jahr wurde in Nordfrankreich der „Ring der Erinnerung“ eingeweiht. Er steht nahe Notre-Dame-deLorette, in der Gemeinde Ablain, ein Soldatenfriedhof.

580 000 Namen der Gefallenen stehen auf diesem Ring, alphabetisch. Ich hatte meinen Zettel mit den Namen der Gefallenen von Woosten und Wendisch Waren mit. Schon von weitem sieht man Notre Dame-de-Lorette, die unzähligen Kreuze – dann den Ring.

Es schnürt sich einem der Hals einfach zu, die Tränen rollen, das Herz krampft sich zusammen: Ich fand ihn hier nicht, den Fritz Mußfeldt aus Woosten, aber ich sah die Namen von Johannes Seemann aus Wendisch Waren, gefallen bei Kortryk und Heinrich Kahl, gefallen bei Barleux, auch aus Wendisch Waren. So hat sich ein Ring hier geschlossen, ein Ring der Erinnerung.

100 Jahre 1. Weltkrieg – vielleicht erinnern wir uns, vielleicht im Sommer, wenn der Rote Mohn sich im Wind auch auf unseren Feldern wiegt, wenn Schmetterlinge fliegen, wenn die Lerche ihr Lied singt… Vielleicht...

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