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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

13. Dezember 2017 | 23:29 Uhr

Portrait : Eine Region trägt seine Handschrift

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Plaus Bauamtsleiter Klaus Baumgart verabschiedet sich heute in den Ruhestand. Der Karower will sich künftig politisch mehr engagieren.

von
erstellt am 29.Okt.2015 | 07:00 Uhr

Wenn   Klaus Baumgart   heute seinen Ausstand  in der Plauer Verwaltung gibt,    kann  er auf ein Vierteljahrhundert   im Öffentlichen Dienst zurückblicken.     25 Jahre,  die Plaus  Bauamtsleiter  entscheidend mitgestaltet  und nicht unerheblich geprägt hat.   Seit Monaten  sah   der heute 65-Jährige diesen Tag  kommen und  je näher er rückte, desto mehr  mischten sich Stolz und Wehmut.   „Ich  habe mich immer  ehrenamtlich engagiert, auch  zu DDR-Zeiten. Und es hat mir immer  Spaß gemacht“, erzählt  Baumgart, als wir ihn    an einem seiner letzten Arbeitstage im Rathaus treffen. Sicher,  damals habe man nicht alles  durchsetzten können. Aber  das Erreichte sei für die  Menschen gewesen, auch wenn das nicht immer so ankam.

1988 war’s, als sich Klaus Baumgart  für den öffentlichen Dienst empfahl. Er war damals Vorsitzender des VEB Tierzucht Schwerin/Nebenstelle Karow, was zu DDR-Zeiten  im Grunde nicht nur  Job auf Lebenszeit war, sondern auch eine Position, die   Ansehen brachte.   Der kommunalpolitisch interessierte damals 38-Jährige wechselte dennoch die  Lager, wurde Bürgermeister.  

Bereut, Bürgermeister  geworden zu sein

„Ein halbes Jahr später hatte  ich diesen Schritt bereits bereut“,  gesteht Baumgart, der die Gründe  dafür lieber ruhen lässt.  Mit seinem alten  Betrieb  aber hatte er alles klar gemacht  und hätte in seinen Job  zurück gekonnt.

Doch die Wende war schneller. „Wie viele  andere auch hatte  ich jetzt vielmehr zu entscheiden, welches der  richtige Weg sein  würde, der Weg mit Zukunft“, erinnert  sich Klaus Baumgart an die Zeiten  des Aufbruchs. Er entschied,  in der damals  noch eigenständigen Gemeinde   Bürgermeister zu bleiben. Gut vier Jahre  später  legte der Karower mit seinen damals sechs Amtskollegen   den Grundstein  für das  Amt Plau Land, übernahm   den Posten   des Bau- und Ordnungsamtsleiters  und setzte  sich  kein Jahr später  nochmals auf die Schulbank, um sein Verwaltungsdiplom zu machen. Als  man  sich  schließlich  vom  Leitenden Verwaltungsbeamten trennte,   bewarb sich Klaus Baumgart, wurde mehrheitlich  gewählt  und schulterte fortan die schwierigen und anspruchsvollen Herausforderungen  eines Behördenleiters, der gleichzeitig Bau- und Ordnungsamt  vorstand.   

Der strukturelle  Wandel  auf der kommunalen Ebene  sollte  die Plauer   schon bald wieder  einholen. Nach ersten Gesprächen  über die Zusammenlegung des Amtes  Plau  Land mit der Stadt Plau am See  wurde  die 2004  schließlich besiegelt. „Mich kostete das  zwar den Chefsessel, aber  ich  wollte es, weil es der richtige Weg war“, sagt Klaus Baumgart, der  seit  dem  Verwaltungsumbau   als Plauer Bauamtsleiter fungiert.  „Ich habe diesen Job immer  gern  gemacht,   er gab mir  die Chance, nicht nur zu verwalten, sondern auch zu gestalten“, blickt Klaus Baumgart   dankbar zurück. In den Gemeinden  sei zu dieser Zeit schon nicht mehr soviel zu tun gewesen.

Eine Kommune mit der meisten Bautätigkeit

Tatsächlich hätten  die das Gros  zu Amtszeiten erledigt, als  sie   bauten  wie die Kaputten - mit  viel Unterstützung aus den Ministerien.    Jetzt lag der Fokus auf Plau, das sich seitdem  rasant  verändert  hat, das im Landkreismaßstab  aber auch zu den Kommunen  mit der meisten Bautätigkeit gehört. „Wir hatten viele  anspruchsvolle,  fast nicht leistbare Projekte zu  realisieren“,  sagt  Klaus   Baumgart und  denkt   dabei  insbesondere an die großen Herausforderungen  von Strandstraße, Metow  und Mole: „Die Wasserbauwerke, die so wichtig für Plau   sind,  drohten  doch so manches Mal   über unsere Kräfte zu  gehen.“ Herausforderung   war immer auch die Abwasser-Problematik.  Heute  spielt die Stadt  mit dem Gedanken,   sich  von der externen Betriebsführung zu verabschieden  und den Betrieb in Eigenregie  zu nehmen.  Die Entscheidung, die   in den nächsten Monaten  fallen muss, wird  Klaus Baumgart  nicht mehr  live im Rathaus  miterleben.  Womöglich aber wird er sie  beeinflussen. Aber das ist Zukunftsmusik.

Vor allem  die elf  Jahre als Bauamtsleiter, in denen sein Steckenpferd  immer die Bauleitplanung war, machen den   Karower stolz.   „Nicht   nur in der Stadt, auch in unseren Dörfern habe   ich ein Stück Handschrift hinterlassen“,  freut sich Baumgart.

Dass er sich in all den Jahren  nicht nur Freunde gemacht hat, stimmt die Frohnatur nicht eben fröhlicher. Aber   er weiß, dass sein Job  es zwangsläufig  mit sich bringt. „Da   muss man eben auch mal  das eine oder andere Vorhaben ablehnen“, sagt Baumgart.

Illegales Bauen nicht ganz unterbunden

Sondergebiet, Ferienhaussiedlungen, Bootshäuser –     die Verwaltung   war nicht zuletzt   auch  für die Überwachung illegaler Bautätigkeit zuständig.  „Sie  gänzlich zu unterbinden, haben wir bis heute nicht  geschafft.“

Wenn   Klaus Baumgart  dieser Tage   seinen  Schreibtisch räumt, weiß er seinen Job  in guten Händen. Seit drei Monaten  arbeitet er Arno Kühnel als seinen Nachfolger ein. „Ich  habe versucht, ihm  mein Wissen   weiterzugeben und bin mir sicher, dass er einen guten Job machen wird. Auch,  weil   er tolle, fleißige Kollegen  im Bauamt an seiner Seite haben wird.“

„Ich werde Technikfreak in mir freilassen“

Auf seinen Ruhestand    kann  sich  Klaus  Baumgart  indes noch nicht wirklich freuen.  „Vielmehr bin ich  traurig“, gesteht  er.  Damit ihn die Traurigkeit nicht übermannt, hat er in den letzten Monaten   an seinem Fokus geschraubt:  „Ich werde mich mehr um meine Familie  kümmern, werde den Technikfreak in mir   freilassen und wieder  das Schrauben anfangen,  meine Grundstücke genießen,  meine private Hausverwaltung  intensivieren, mich nach  jahrelanger politischen Auszeit  mehr in die Plauer CDU einbringen  und  – wenn  ich gesund bleiben sollte – vielleicht bei der nächsten Wahl zur Stadtvertretung zu Verfügung stehen…“

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