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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

17. Dezember 2017 | 03:30 Uhr

Kultur : „Eine nette Plauderei“ im MGH

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Michael und Dagmar Krämling lasen während der Kulturreihe des Mehrgenerationenhauses Lübz aus eigenen Werken

Menschen haben Schwächen. Werden sie offenkundig, rufen sie unterschiedliche Reaktionen hervor, mitleidige, überhebliche, moralisierende – manchmal auch humorvolle. Literarisch ist das allzu Menschliche der Stoff schlechthin für Witz, Satire und für’s humorvolle Genre. Letzteres ist Michael Krämlings Spezialgebiet. Dies stellten der Autor und seine Partnerin Dagmar Krämling im Mehrgenerationenhaus Lübz mit ihrem Programm „Anders als gedacht“ unter Beweis. Des Autors Verse nehmen Missverständnisse und Widersprüche, Verstiegenes und Scheitern in heiterer Form auf’s Korn und stimmen versöhnlich: So ist er nun mal, der Mensch.

Manch einer kennt gewiss Eugen Roths „Ein Mensch“-Gedichte. Die Komik bei Roth entsteht durch die Tonart der Verse, das scheinbar naive Reimen, das menschliche Verirrungen so harmlos daherkommen lässt, dass man bereits über die Diskrepanz zwischen Inhalt und sprachlicher Form lachen muss. Hatten wir uns nicht heroischer, nicht großartiger gedacht? Krämling trifft Roths Tonart ziemlich genau, auch wenn das Versmaß gelegentlich holpert. Er selbst hat die Nähe seiner kleinen Versgeschichten zu Eugen Roth ebenfalls erkannt. „Aber“, sagt er, „erst nachdem es meine Texte schon gab.“ Diese seien so in ihm gewesen und genau in dieser Gedichtform mit Vers und Reim sei das Schreiben für ihn beglückend. Prosa, glaubt er, läge ihm nicht.

Krämling ist Jahrgang 1953. Er arbeitet zurzeit an seinem vierten Gedichtband, allerdings ist auch der dritte noch nicht herausgebracht, da Dagmar Krämling, Malerin und mittlerweile Illustratorin sowie Herausgeberin der Bände ihres Ehemanns, noch mit dem Layout beschäftigt ist. Eine Ausstellung ihrer Bilder in Verbindung mit Gedichten ihres Mannes, die dazu an einer Wäscheleine baumelten, faszinierte einst den Besucher Andreas Buchwald, Chef des relativ jungen Andrebuchverlags. Seitdem geben die Krämlings in diesem Verlag eine eigene Editionsreihe heraus, die das Logo MDK ziert.

Hört man dem sympathischen Team aus Dassow zu, dann hat sich alles irgendwie ergeben, am Anfang war nur die Begabung, die Krämling schon früh verspürte, aber nicht realisierte. Jetzt aber sitzen der „Nachwuchsautor mit über 60“, wie Krämling sich schmunzelnd bezeichnet, und seine Partnerin endlich am runden Lesetisch, an Lesetischen in ganz Norddeutschland. Das Duo liest die Gedichte abwechselnd oder in Dialogform und geht nach dem Ende fließend zu einem freien Dialog über, der das Thema des beendeten Gedichts mit dem des nächsten verflicht. Unter den trotz Kaffee und Kuchen leider nur in geringer Zahl erschienenen Lübzer Zuhörern und den Autoren entwickelte sich eine entspannte, „kuschelige“ Atmosphäre. Die Gäste amüsierten sich durchweg, immer wieder erklang spontanes Lachen. Mal wegen der Schlusspointe oder einer kauzigen Formulierung, mal wegen kurioser Untertreibung. Oft reden in Krämlings Gedichten die Dinge. Da gibt es sprechende Asphaltblasen und einen petzenden Pflasterstein, ein Mikrophon, das sich nach Stromausfall sehnt und einen Fußball, der im nächsten Leben Schuh werden möchte. Auch Satirisches blitzt auf. Ein bedauernswerter Zeitgenosse beispielsweise will anbauen, weil der Verpackungswahn ihn zu immer mehr Tonnen für die Mülltrennung nötigt. Ein anderer behält im Rausch des SSV und der Sonderangebote kühlen Kopf und fordert: „Bitte den Sparbetrag, aber ohne Ware.“

Krämling also darf man ruhig einladen, wenn auch in Form der beiden Bände mit dem Titel „Ich komm mal vorbei“, denn: „Es gibt noch vieles zu berichten, / Geschichten, die das Leben schreibt, / Altes und Neues zu belichten, / damit es im Gedächtnis bleibt. / Kurzum, eine nette Plauderei! /In diesem Sinne: „Ich komm mal vorbei!“ (Michael Krämling)

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