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schleusenkonzert in bobzin : Eine Floßfahrt, die ist musikalisch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Wieder einmal waren die „Uhus“ und Martin Huss als Schleusenfahrer zu hören und zu sehen

Ein roter Hut mal hier, mal dort. Mal auf der einen Seite der Schleuse, mal auf der anderen. Der rote Hut zieht die Blicke auf sich, denn er gehört dem Magneten dieser Show, die sich schließlich metertief in der Bobziner Schleusenkammer zutragen wird. Der Hut gehört Landesposaunenwart Martin Huss und der weiß sich und seine Bläser, die „Uhus“ („Unter Hundertjährigen“), grundsätzlich publikumswirksam zu inszenieren.

Und das Publikum schätzt diese alljährlichen Schleusenkonzerte. Sie haben ihre besinnlichen Anteile, Kirchenlieder gehören zum Programm, aber Huss würzt den Auftritt immer mit seinem Witz, den das Publikum sich gerne abholt. Auch die „Uhus“ nehmen das Spektakel locker. Gut gelaunt sammeln sich die Mitglieder des Blasorchesters wie jedes Jahr an der Anlegestelle des Floßes, auf dem sie sich schließlich in die Tiefe der Kammer schleusen lassen werden. Martin Huss liegt indessen noch scheinbar entspannt auf der Wiese. Das aber täuscht. Denn längst hat er einen Eindringling im Visier, ein Schiff mit weiblicher Crew, die die Schleuse noch nutzen will. Aber Floß und Schiff? Das geht nicht. „Hier ist heute Konzert“, ruft Huss. Und bindet die „Waren“ persönlich am Poller fest. Auch die kleine Turbulenz löst sich schließlich und alle nehmen’s mit Humor, selbst die „Damen“, die jetzt, wie Huss findet, in Ruhe noch etwas Parfüm auflegen können und das, was Frauen eben so machen. Aber warten müssen sie.

Dann ist das Floß am Eldeufer angekommen. Und es schwankt nicht schlecht, als die Bläser mit ihren Trompeten, Tubas, Posaunen darauf Platz nehmen. Der Orchesterleiter besteigt als letzter das Floß. Er solle aufpassen, meinen die Uhus, denn er könne schließlich nicht schwimmen. (Ob das stimmt, wurde nicht überprüft.) Huss spinnt den Faden weiter, gibt zurück, dass er zum ersten Mal nicht einmal eine Schwimmweste trage. Dann verschwindet das Floß kurz, um an die sechs, sieben Meter tief in der Schleusenkammer wieder aufzutauchen. „Eine Seefahrt, die ist lustig“ spielen sie dazu, das Konzert hat begonnen.

Länger als eine halbe Stunde vor Konzertbeginn haben sich die ersten Fans des Schleusenkonzerts bereits eingefunden, um die begehrten Plätze vorne am Brückengeländer Richtung Schleuse zu ergattern. Bei Konzertbeginn ist auch der Platz parallel zur Schleuse dicht besetzt, so mancher hat sich an einem Stand mit Getränken versorgt. Hier sitzen auch jene Uhus, die das Floß nicht fassen konnte. Hin und her fliegt das Spiel zunächst zwischen den Uhus auf dem Wasser und denen auf dem Land. Wie gewöhnlich spielen die Musiker eine unbekümmerte Mischung von allem, was uns an Liedern lieb ist. In fröhlicher Eintracht erklingen das „Ännchen von Tharau“ und „Herrn Pastor sin Kau“, Walzer („An der schönen, blauen Elde“!) und Reinhard Meys „Über den Wolken“. Und vieles mehr. In der Dämmerung dann schickt uns „Guten Abend, gute Nacht“ nach Hause ins Bett. Zu diesem Zeitpunkt sind die Uhus und ihr lustiger Moderator und Dirigent schon wieder ein paar Meter in der Schleusenschlucht aufgestiegen. Und das Publikum hat sich satt gehört an einer Liederpalette, die sich so auch in unseren Köpfen versammelt hat – bekannt, beliebt und ziemlich durcheinander.

„Wenn möglich kommen wir jedes Jahr her“, sagt ein Ehepaar aus Passow. Sie kommen wegen Martin Huss, dem „Unikum“, wie sie sagen, aber auch wegen der anderen Akustik, die sich zwischen den Wänden der Kammer ergibt. Die Hauptrolle im Spektakel spielt wohlmöglich nicht einmal Martin Huss, sondern die Schleuse selbst mit der immerhin tiefsten Kammer an der Elde-Müritz-Wasserstraße.  



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