Ehrenamtlich im Einsatz : Eine, die Opfern zur Seite steht

Bärbel Menzel engagiert sich als Helferin für Kriminalitätsopfer beim „Weißen Ring“.
Bärbel Menzel engagiert sich als Helferin für Kriminalitätsopfer beim „Weißen Ring“.

Bärbel Menzel engagiert sich in der Organisation „Weißer Ring“ und hat dadurch Einblick in dramatische Lebensgeschichten. Häusliche Gewalt steht mit ganz oben.

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15. Februar 2018, 05:00 Uhr

Auch der Kriminalitätsopfern unkompliziert helfende „Weiße Ring“ wird auf der Ehrenamtsmesse am Wochenende in Parchim vertreten sein.

Bärbel Menzel ist eine Helferin, die sich in dieser Organisation engagiert und sich so in ihrer Freizeit unentgeldlich dafür einsetzt, dass es in Not geratenen Menschen wieder besser geht. Soziales Engagement ist bei ihr schon beruflich verankert. Als erfahrene Erzieherin im Jugendhilfeverbund des DRK in Parchim hat die 59-Jährige Einblick in viele problembeladene Familien. „Eines Tages fragte mich ein Mitarbeiter des Weißen Rings, ob ich Interesse hätte, dort mitzuarbeiten. Um zuzustimmen, musste ich nicht lange überlegen“, berichtet Bärbel Menzel. Einsatz für die Gesellschaft hatte sie schon vorher als langjährige Gemeindevertreterin in Tessenow gezeigt. Weil man trotz größter Anstrengung auf dieser Ebene jedoch leider kaum noch etwas bewirken könne, sei der Entschluss, etwas anderes zu tun, noch leichter gefallen.

Nach dem vorgegebenen Besuch eines Grundseminars in Stralsund galt es, sich für die Richtung Opferberatung/-betreuung oder Prävention zu entscheiden. Die 59-Jährige wählte ersteres und wurde schnell mit einem dramatischen Fall konfrontiert, der sie bis heute beschäftigt: Ein intelligenter, aber psychopathisch veranlagter Mann hatte es geschafft, die bei ihm lebende junge Frau so zu manipulieren, dass sie schwerkrank wird und nicht mehr arbeiten kann. Letztlich diagnostizieren Ärzte auch noch Verfolgungswahn. Der Partner behauptet zum Beispiel gegenüber ihren Kollegen, dass die Frau sie angeblich ständig in Verruf bringe, die eigenen Kinder belästige und dichtet ihr ein Verhältnis mit dem Chef an. Als zusätzlich dramatisch erweist sich das Hobby des Mannes: Er ist Waffensammler. „Das Problem ist, dass von Behauptungen – so abwegig sie auch sein mögen – in der Öffentlichkeit immer etwas hängen bleibt, die Opfer letztlich oft sozial isoliert sind“, sagt Bärbel Menzel.

Eine auch räumliche Trennung vom einstigen Partner sei oft die einzige Möglichkeit, um wieder auf die Beine zu kommen. Der Weiße Ring helfe zum Beispiel bei der Vermittlung einer neuen Wohnung, was auch in geschildertem Fall geschah. Nach der Festnahme des Mannes, zweitägiger Durchsuchung des Hauses und Beschlagnahme aller Waffen konnte die ehemalige Partnerin ihr Hab und Gut herausholen.

Häusliche Gewalt in der Familie in der weitaus größten Zahl gegen Kinder, Jugendliche und Mütter bildet mit das Haupteinsatzgebiet beim „Weißen Ring“. Viele wüssten gar nicht, welche breitgefächerten Angebote er vorhalte. So ist zum Beispiel die unkomplizierte Auszahlung einer finanziellen Soforthilfe möglich, wenn – wie auch in unserer Region schon geschehen – einem ins Krankenhaus eingelieferten Rentner die gesamte Rente gestohlen wurde und er auf seinem Konto keinen Cent mehr hat. Eine große Hilfe sei, dass die Polizei Geschädigte auf den „Weißen Ring“ verweise. Sehr viele seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter bildeten das soziale Netzwerk unserer Gesellschaft. „Für ein Engagement ist die Verinnerlichung des humanistischen Gedankens wichtig, aktiv tätig zu werden. Dabei muss natürlich die eigene Familie dahinterstehen“, meint Bärbel Menzel.

Momentan steht sie einer Frau zur Seite, die in frühester Kindheit sexuell missbraucht wurde, was ihr jedoch viele Jahre nicht bewusst war, bis sie auf die Suche nach der Ursache für ihre ständige Angst, Schlaflosigkeit und zunächst unerklärlichen Beziehungsprobleme ging. Hilfe brauchen Menschen jeden Alters und aus jeder sozialen Schicht. Oft gehe es um Mobbing und der Zeit entsprechend nähmen Verbrechen im Internet gravierend zu: „Die kriminelle Energie wächst nicht unbedingt, aber vieles wird immer raffinierter und ausgeklügelter.“

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