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Entsetzen auf Lübzer Friedhof : "Eine dicke Ohrfeige für die Toten!"

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Erwin Bergel, Malermeister aus Lübz, kocht sichtbar vor Wut. Grund: Auch das zum Totensonntag für viel Geld geschmückte Grab seiner Eltern und Großeltern wurde durch die Bauarbeiten an Wegen auf dem Friedhof verdreckt.

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erstellt am 09.Dez.2011 | 07:00 Uhr

lübz | "Dass man die Toten nicht einmal auf dem Friedhof in Ruhe lässt, ihnen den gebührenden Respekt versagt, indem man an diesem Ort wie auf einer Müllkippe wütet, wo es auf nichts ankommt, ist absolut unfassbar!" Erwin Bergel, Malermeister aus Lübz, kocht sichtbar und hörbar vor Wut. Grund: Auch das zum Totensonntag für viel Geld geschmückte Grab seiner Eltern und Großeltern wurde durch die Bauarbeiten an Wegen auf dem Friedhof (wir berichteten) mehrere Zentimeter hoch durch Holzschnitzel verdreckt, die beim Herausfräsen von Baumstümpfen der beseitigten Fichtenallee entstanden, aber nicht vollständig aufgefangen wurden. Aus gleichem Grund hatte sich bereits Katrin Weber aus Plau am See bei uns gemeldet, durch deren Aussagen sich Bergel ermutigt fühlte, auch von seinem Ärger zu berichten.

Auf das Entsetzen von Angehörigen der Verstorbenen angesprochen, hatte Friedhofsverwalter Reinhard Buß Ka-trin Weber gegenüber geäußert, dass das mit den Abholzungen beauftragte Unternehmen Gräber selbst gereinigt habe, bei denen es Beschwerden gab. Der Verwalter damals wörtlich: "Und wo gehobelt wird, fallen Späne. Das ist auch hier so." Individuell sehr verschieden sei zudem, wie schlimm eine Beschädigung eingeschätzt wird.

"Unglaublich, so etwas zu äußern! Zudem ist es eine Frechheit, dass niemand vor Beginn der Arbeiten informiert wurde. Das wäre das Mindeste gewesen. Ich habe das Grab zwar neu abgedeckt, den Dreck aber darunter liegen lassen, um auch eventuellen Zweiflern zeigen zu können, was hier passiert ist", sagt Bergel, der sich auch bei dem Verwalter gemeldet hat. "Als "besonders schnodderig" bezeichnet er das Verhalten, den großen, mit dem Sockel durch Eisenstifte verbundenen Stein der Familie auf den Blumenschmuck zu werfen. Selbst wenn er trotz vor wenigen Jahren neu eingezogener Stifte lose gewesen wäre, hätte man ihn hinter das Grab legen können. Was jedoch in dieser Woche geschehen sei, habe ihm die Sprache verschlagen. Der kleinere, flache Stein für die Großeltern lag Bergels Worten zufolge mitten auf dem Grab - aus der Erde gerissen, was kaum zu schaffen gewesen sei, weil der Malermeister ihn vor einigen Jahren mit einem Betonfundament versehen habe: "Bei solch einem Verhalten feiert die Primitivität Triumphe."

Was die Fällung der Bäume betrifft. habe man alle Betroffenen vor vollendete Tatsachen gestellt. Einige Wochen vorher seien noch alle Zweige ordentlich in Kopfhöhe abgeschnitten worden, so dass niemand mit den weiteren Schritten gerechnet habe. "Wenn wir von etwas gewusst hätten, wäre es für uns kein Problem gewesen, Material zu besorgen, mit dem man alle Gräber nahtlos hätte abdecken können", so Bergel. "Fest steht: Wenn ich und auch andere so arbeiten würden wie die Firma auf dem Friedhof, hätten wir ganz schnell keine Kunden mehr."

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