Parchim : Eine Blockade als letzter Ausweg?

Konstantin Christoforidis auf seinem Elektro-Mobil im Flur des Sozialamtes in Parchim.
Konstantin Christoforidis auf seinem Elektro-Mobil im Flur des Sozialamtes in Parchim.

Konstantin Christoforidis kämpft im Sozialamt um Grundsicherung. Behörde sichert ihm zu: Bis Freitag wird sein Widerspruch bearbeitet

von
23. Juli 2014, 07:45 Uhr

Konstantin Christoforidis ist am Dienstagmorgen nahe daran, sich auf dem Sozialamt in der Kreisverwaltung Parchim anzuketten. Er hat riesige finanzielle Sorgen. Das Amt will ihm kein Geld geben.

„Er macht einen Sitzstreik. Er bekommt seit Monaten keinen Cent. Er will sich auch anketten und durch die Medien aufmerksam machen, was auf den Behörden so abgeht“, wandte sich seine Gefährtin Barbara Mayer aus Dobbertin über Facebook an unsere Zeitung. Sie spricht von Behördenschikane. „Er hat keinen Cent mehr, bekommt nichts mehr und wir müssen hungern. Die Klagen laufen, aber das wird noch Monate dauern. Bis dahin ist er tot, denn er kann seine Krankenversicherung nicht bezahlen. Und die notwendigen Herzmedikamente bekommt er nicht. Er hatte schon mehrere Herzinfarkte.“

Konstantin Christoforidis kämpft darum, dass er endlich die Leistungen erhält, „die mir zustehen“. Am wichtigsten sei für ihn, dass er seine Krankenversicherung bezahlen kann: 154 Euro im Monat.

„Ich wollte nie auf die Ämter angewiesen sein“, erzählt der 62-Jährige gegenüber unserer Zeitung. Er kann sich nur mit Elektro-Mobil sicher bewegen. Durch einen Schaden im Sakralgelenk stürzt er beim Gehen. „Becken und Schulter sind kaputt“, berichtet Christoforidis. „45 Jahre habe ich gebuckelt.“ Er habe als junger Mann Mehlsäcke getragen und sich damit offensichtlich das Kreuz kaputt gemacht. Seine rechte Hand wurde bei einem Motorradunfall schwer verletzt. Galgenhumor: Er hat sich einen Reißverschluss auf das Handgelenk tätowieren lassen. An der Stelle, wo er 14-mal für Operationen aufgeschnitten wurde.

Und auch das Herz macht ihm Riesensorgen: drei Infarkte. Er und seine Lebensgefährtin hatten eine Zeit in Spanien gearbeitet. Da ihm dortige Ärzte nicht helfen konnten, kam er nach Deutschland zurück und erhielt in einer Notsituation in einem Mecklenburger Krankenhaus beste Behandlung.

Christoforidis und seine Lebenspartnerin, die ursprünglich aus dem Raum Frankfurt/Main stammen, entschieden sich deshalb für ihren neuen Wohnsitz in Dobbertin, wo sie sich mit ihrem Ersparten ein Haus einrichteten.

Nachdem Christoforidis auf Grund seines gesundheitlichen Zustandes selbst nichts mehr verdienen konnte, lebte er vom Geld seiner Gefährtin. Während er aus Spanien eine Erwerbsunfähigkeitsrente von 129 Euro im Monat erhielt, musste er in Deutschland vier Jahre um die Anerkennung kämpfen. Im November vergangenen Jahres wurden ihm 280 Euro im Monat zuerkannt. Und er erhielt eine Nachzahlung für die Vorjahre. Das Geld ist Christoforidis nach eigenen Worten aber längst los: Das Jobcenter forderte eine Rückzahlung, er musste private Schulden abstottern, kaufte sich ein Auto, in dem das Elektro-Mobil Platz hat.

Seine Erwerbsunfähigkeitsrente von 409 Euro reiche nicht einmal, um die Kosten für Krankenversicherung, Strom und Gas zu zahlen. Bereits im Januar hatte er einen Antrag auf Grundsicherung gestellt, berichtet er. Ende Mai kam der Bescheid mit der Ablehnung. Viele seiner Ausgaben wolle das Sozialamt nicht anerkennen, erklärt der Dobbertiner.

Christoforidis schaltete eine Anwalt ein und ging in Widerspruch. Als er in dieser Woche noch immer keine Antwort und kein Geld hatte, drohte er am Dienstag auf dem Amt mit Sitzstreik.

Christiane Krüger, amtierende Sozialamtsleiterin, sicherte Christoforidis zu, dass der Widerspruch bis Freitag dieser Woche bearbeitet wird. Drei Monate habe der Kreis eigentlich dafür Zeit, sagt sie gegenüber SVZ. Es sei wichtig, gründlich zu prüfen. Inhaltlich kann sich Krüger nicht zu dem Fall äußern.

Sie verweist aber darauf, dass es im Falle von negativen Entscheidungen des Sozialamtes für die Betroffenen die Möglichkeit gibt, vor Gericht im Eilverfahren eine einstweilige Verfügung zu beantragen. Konstantin Christoforidis ist skeptisch, wie der Widerspruch ausgeht. Sollte er kein Geld bekommen, sei er spätestens am Montag wieder im Sozialamt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen