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Strenge Vorgaben : „Ein Wildtierverbot ist Heuchelei“

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Fast vergessen ist der Stress der letzten Saison, an denen täglich Besucher ins Elefantendorf kamen. Entspannung? Daraus wird nichts. Die große Politik hat der Zirkusfamilie einen Strich durch die Rechnung gemacht.

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erstellt am 19.Dez.2011 | 10:03 Uhr

Platschow | Es ist ruhig geworden im Elefantendorf. Fast vergessen sind die stressigen Tage der zurückliegenden Saison, an denen täglich mehrere hundert Besucher ins 40-Seelen-Dorf kamen, um den Dickhäutern einmal ganz nahe zu sein. Für Frankellos ist es die seltene Gelegenheit, um die wenige freie Zeit einmal ganz in Familie zu genießen. Doch daraus ist in diesem Jahr noch nicht viel geworden. Die große Politik hat der Zirkusfamilie einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. "Wir sind schockiert. Das, was der Bundesrat kürzlich beschlossen hat, raubt uns den Schlaf", sagt sichtlich betroffen Sonni Frankello. Auf seiner 890. Sitzung hat der Bundesrat die "Entschließung zum Verbot der Haltung bestimmter wild lebender Tierarten im Zirkus" verabschiedet. Damit wird die Bundesregierung von der Länderkammer auf Antrag von Hamburg und Rheinland-Pfalz aufgefordert, unverzüglich eine Rechtsverordnung zu erlassen, die das Halten von Affen, Elefanten, Bären, Giraffen, Nashörnern und Flusspferden in Zirkusbetrieben künftig verbietet. Für bereits vorhandene Tiere soll womöglich abhängig von ihrer Lebensdauer eine Übergangsfrist gewährt werden.

Elefanten standen in Afrika auf der Abschussliste

Tierschützer, darunter die Organisation "Pro Wildlife" und "Peta" versuchen seit Jahren, das Wildtierverbot durchzusetzen. Bislang erfolglos. Die vom Gesetzgeber geforderten Fakten, die den Antrag untermauern sollen, fehlen bis heute. "Die Aktion ist eine beispiellose Heuchelei", macht sich Sonni Frankello seinem Ärger Luft. "Uns wird pauschal unterstellt, dass die Tiere nicht artgerecht gehalten werden und sogar leiden. Das behaupten Leute, denen das Fachwissen fehlt und die auf unlautere Weise eigene Interessen durchsetzen wollen", meint der international geschätzte Tierlehrer und Elefantendompteur. Bereits in der sechsten Generation leben Frankellos zusammen mit ihren Zirkustieren.

Ende der 90er Jahre haben sie in Platschow, im südlichen Zipfel der Parchimer Region Europas einzigen privaten Elefantenhof aufgebaut. "Unsere Elefanten standen in Afrika ausnahmslos auf einer Abschussliste und kamen als Jungtiere nach Europa", gibt Sonni Frankello zu bedenken. Seit 1989 regelt ein internationales Artenschutzabkommen, dass keine Elefanten mehr importiert werden dürfen. "Die Unterstellung, dass die Tiere bei uns womöglich leiden, schmerzt sehr. Das Gegenteil ist der Fall. Wir tun alles, damit es ihnen besser geht, als in ihrer bedrohten Heimat", sagt der 52-Jährige. Und er hat es Schwarz auf Weiß. Bei den regelmäßigen Kontrollen von Amts wegen gab es bislang keine Beanstandungen. Für die Elefanten gibt es in Platschow zwei beheizbare Ställe, ein großzügiges Freigelände, optimales Futter und tierärztliche Betreuung.

Und auch den Vorwurf, dass die Dressuren wider der Natur der Dickhäuter seien, lässt der Tiertrainer nicht gelten. "Bei uns kann sich jedermann davon überzeugen, dass die Elefanten sehr gelehrig und mit Freude bei der Sache sind." Rückendeckung bekommt der Mann vom Zirkus vom Verhaltensbiologen Dr. Immanuel Birmelin, der die Dickhäuter aus dem effeff kennt. "Die Beurteilung nur aus dem Bauch heraus, ob sich ein Tier wohl fühlt oder nicht, kann dem Tier schaden. Nur wissenschaftliche Experimente und Beobachtungen im Einklang mit viel Einfühlungsvermögen des Betrachters sind dazu in der Lage. Wer an und mit Tieren forscht, muss den Spagat zwischen Wissenschaft und Emotionalität vollziehen. Ohne Empathie und Sachverstand kann man die Persönlichkeit eines Tieres nicht verstehen", so der Experte.

Platschower Elefanten beim Zirkus Krone zu erleben

Der Vorwurf der Initiatoren der Bundesratsinitiative, dass der Beruf des Tierlehrers kein Ausbildungsberuf sei und keinerlei Fortbildungsvorgaben unterliege, trifft Sonni Frankello hart. "Die Leute, die so etwas behaupten, haben einfach keine Ahnung. Wer sich ernsthaft für meinen Job interessiert, kann mich fragen. Das machen viele unserer Besucher", sagt Sonni Frankello.

Nachdem inzwischen auch die Kinder des Dompteurs in seine Fußstapfen getreten sind, gerät mit der Bundesratsinitiative die Zukunftsplanung des Familienunternehmens in Gefahr. "Fest steht längst, dass es eines Tages kaum noch Elefanten in einem Zirkus geben wird. Da die Dickhäuter bei optimaler Betreuung gut 60 Jahre alt werden, sollte dies eigentlich noch eine ganze Weile dauern. Ich hoffe sehr, dass vielleicht auch mein mit 13 Jahren jüngster Sohn die Tradition fortführen kann. Ich kann mir selbst ein Leben ohne meine Elefanten nicht vorstellen."

In dieser Woche reist Sonni Frankello mit drei Elefanten nach Bayern, um dort ab dem 25. Dezember für sechs Wochen seine Elefantenshow im legendären Zirkus Krone zu zeigen. "Ich bin gespannt wie die Leute angesichts der aktuellen Diskussion um ein Wildtierverbot reagieren", so Sonni Frankello.

Fest stehe, dass sich zu Hause in Platschow im kommenden Jahr eine Woche vor Ostern wieder die Tore für jedermann öffnen. "Das sind wir den vielen Freunden der Dickhäuter einfach schuldig", sind sich Frankellos einig.

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