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Pfingstkonzert im Schloss : Ein Tanz über Schwarz und Weiß

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

So fliegen Janka Simowitschs Finger über die Klaviertastatur. Auch bei ihrem dritten Konzert begeistert die Pianistin ihr Publikum.

Schwarz wird der Himmel allmählich am Pfingstsonntag. In weiter Ferne ruft ein Kuckuck. Der See liegt ruhig an diesem Abend. Auf der Terrasse des neu eröffneten Hotels Schloss Passow weht kein Lüftchen, es ist schwül am Pfingstsonntag gegen kurz vor fünf. Dennoch strömen immer mehr Besucher ins Schloss Passow. Sie alle haben ein gemeinsames Ziel: Erneut Janka Simowitsch lauschen. Bei schwülen 33 Grad Celsius draußen füllt sich langsam der Ballsaal im Schloss. Stuhlreihe für Stuhlreihe. Ganz vorne traut sich bislang niemand Platz zu nehmen. Noch steht er einsam da – ein schwarzer Flügel, bereit gestellt von der Firma Klavier-Service Richter aus Schwerin – und wartet auf seine Künstlerin, Pianistin Janka Simowitsch. Zum dritten Mal erfreut sie bereits ihr Publikum mit einem Konzert. Wieder einmal ist es Gerhard Stromberg und Birgit Schröder aus Goldberg, vom Verein Goldbergkunst, gelungen, die 26-jährige Ausnahmepianistin in die Region zu holen.

In einem zarten blauen Kleid, die blonden Haare wie immer zusammen gebunden, betritt Janka Simowitsch fröhlich und heiter den Ballsaal. Ein wenig verwirrt blickt sie in die erste Reihe. „Es ist ein wenig befremdlich“, sagt sie charmant. „Die erste Reihe? Vielleicht trauen sich einige nach der Pause zu mir nach vorne“, führt Janka süffisant weiter aus. Ihr Konzertprogramm ist wieder einmal anspruchsvoll – Klavierkunst in Vollendung von Wolfgang Amadeus Mozart über Ludwig van Beethoven bis hin zu Franz Schubert. Zu allen drei Stücken weiß die Pianistin immer Anekdoten, erzählt sie bevor sie ihr Spiel beginnt. Sobald der erste Ton von Janka Simowitsch erklingt, ist sie in ihrer Welt. Sie ist jetzt ganz versunken in der Musik. Die Noten sind irgendwie immer da. „Es gibt mehrere Gleise, mehrere Baustellen. Wenn die eine ausfällt, ist auf jeden Fall eine andere Gleise da. Es gibt mehrere parallel“, verrät Janka Simowitsch in der Konzertpause. Die Noten merkt sie sich auf viele verschiedene Arten. „Ich habe zunächst einmal die Melodie im Kopf, rein musiktheoretisch weiß ich, wie die Harmonien sind, und dann merke ich mir alles visuell, Bewegungsabläufe prägen sich mit jedem Mal Üben mehr und mehr ein.“

Ihre Finger huschen über die weißen und schwarzen Tasten des Flügels. Sie tanzen förmlich und Janka Simowitsch bestimmt, wie schnell, wie langsam, wie stark... Die drei Stücke am Pfingstsonntag sind heiter, sind schwer, sind fröhlich, sind traurig... „Die Sonate in C-Dur von Mozart ist mit viel Humor versehen: Er ist frisch verliebt. Das ist deutlich zu hören“, erzählt Janka Simowitsch und beginnt ihr Spiel. Zwischen den Tempi – Allegro moderato, Andante cantabile, Allegretto – hält die Rostockerin kurz inne. Sie legt sich in die Musik. Kaum etwas ist im Ballsaal des Passower Schlosses nun zu hören. Nur draußen weht der Wind, unheimlich pfeift er durch die Bäume. Ein Gewitter zieht auf. Verschafft allen Konzertbesuchern und vor allem der Künstlerin beim späteren Abendessen ein Durchatmen. Die Luft hat sich merklich abgekühlt. Immer wieder prasselt der Regen nieder – auf den heißen Boden. Doch Janka Simowitsch spielt, spielt ihr Konzert vor knapp 100 Besuchern. Und wieder einmal gibt es eine Zugabe. Ein Stück von ihrem im vergangenen Jahr veröffentlichten Album „MakeUp“ – eine Zugabe für Hotelbesucher aus Oldenburg: Soiree de Vienne. Aber auch für alle anderen. Denn ohne ein weiteres Lied hätten die Besucher die junge Pianistin nicht nach Hause gelassen. Freudestrahlend beendet Janka Simowitsch ihr drittes Konzert für Goldbergkunst. Klavierspielen ist wie Hochleistungssport. „Ich habe einen Bärenhunger“, verrät sie und lacht.

Ruhig liegt der See unterhalb des Passower Schlosses. Die dunklen Wolken haben sich verzogen, auch der Kuckuck ist verschwunden, seinen Ruf hat er zumindest eingestellt.


 

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erstellt am 10.Jun.2014 | 22:00 Uhr

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