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MediClin sponsert nagelneue Kielyacht : Ein Stückchen Freiheit unter Segeln

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Das weiße Boot mit den grauen, lichtdurchlässigen Segeln ist nagelneu, und gehört seit zwei Tagen den "Plauer Haien". Dank des MediClin Krankenhauses in Plau am See war die Anschaffung überhaupt möglich.

svz.de von
erstellt am 03.Nov.2013 | 05:25 Uhr

Plau Am See | "Die Finnen bauen definitiv die besten Boote." Martin Doller, 1. Vorsitzender des Hai-Live e.V. in Plau am See, sagt es mit viel Respekt und streicht der "Mediclin" sachte über den glänzenden Rumpf. "Auf alle Fälle, was die 2.4 mR, das kleinste Kielboot in der Meterklasse betrifft." Der weiße Flitzer mit den grauen, lichtdurchlässigen Segeln ist nagelneu, und er gehört seit zwei Tagen den "Plauer Haien". Dank des MediClin Krankenhauses, das nur ein paar Kilometer weiter am Ufer des Plauer See liegt, war die Anschaffung überhaupt möglich.

Und es ist weit mehr als nur eine Geste: Den Plauer Verein und das Krankenhaus verbindet viel. Vor sieben Jahren war Hai-Live aus der Klinik heraus von Dr. Peter Schumann und seiner Frau Annette gegründet worden. Zu einer Zeit, als Inklusion noch nicht in aller Munde war. Doch ist es genau das, was die Plauer von Anfang praktizieren. Die Kielyachten, die eine geschrumpfte Miniausgabe des "American Cupers" sind, können auch von Menschen mit Handicap gesegelt werden. Überdies lassen sie sich an die verschiedenen Defizite anpassen. "Ursprünglich war die 2.4er von den Machern als simples Trainingsgerät entwickelt worden, samt kompletter technischer Ausstattung des zehn Mal so großen Cupers. Nur wird die kleine Kielyacht, die weder kentern noch untergehen kann, nicht von 18, sondern von nur einem Mann gesegelt", erklärt Martin Doller.

Genau das machte sie für den Plauer Verein von Anfang an so interessant. Denn seit seiner Gründung engagiert der sich wie kein zweiter in Deutschland dafür, dass Menschen mit und ohne Handicap Segelsport in der Freizeit und im sportlichen Regattawettbewerb gemeinsam und chancengleich erleben können. Die Kooperation mit der Klinik, aus der in den letzten Jahren eine noch intensivere Zusammenarbeit wurde, bot sich an. "Bereits vor einigen Jahren haben wir begonnen, auch mit Patienten der Klinik zu segeln", sagt Coach Peter Bauer. Anfangs noch sporadisch, bald aber schon an zwei festen Tagen in der Woche. Finanziell für den mittlerweile 60 Mitglieder starken Verein aus eigener Kraft ebenso kaum zu wuppen, wie die Unterhaltung der Boote oder die Anschaffung des (o.g) neuen Flitzers "Medi clin". Und so läuft die Vergütung auch für Peter Bauer über das Krankenhaus. Bei 289 Reha-Segelterminen mit 81 Patienten allein in der jetzt zu Ende gegangenen Saison kommt da einiges zusammen. Jahr für Jahr. Doch Prof. Dr. Erich Donauer, der den Standortvorteil am Plauer See für die Behandlung der Reha- und Akutpatienten unbedingt nutzen möchte und sich beim Sitz der Aktiengesellschaft der Medi Clin in Offenburg auch deshalb für den Bootskauf bei den Skandinaviern stark gemacht hatte, weiß, dieses Geld ist sehr gut investiert: "Nun, nicht alle unsere Patienten können die ärztliche Freigabe zum Segeln bekommen. Andere überwinden ihre Angst nicht. Bei jenen aber, die ins Boot steigen, erleben wir immer wieder das Gefühl der wiedergewonnenen Freiheit. Und das ist so immens wichtig für sie." Donauer weiß das Segeln aber auch in Bezug auf die Schulung von Körpergefühl und Gleichgewichtssinn zu schätzen. "Und nicht zuletzt gibt es unseren Patienten viel von dem Selbstvertrauen zurück, das ihnen Krankheit oder Handicap genommen haben." "Wenn Patienten das erste Mal ins Boot steigen, raussegeln und dann wieder zurückkommen, ich sage Ihnen, keiner, der da nicht Tränen in den Augen hat", hat Peter Bauer genau das schon sehr oft erlebt.

Gut 30 Jahre ist die Entwicklung des Bootstypes, den der Hai-Live e.V. fährt, inzwischen her, und er hatte damals mit Handicap ersteinmal gar nichts zu tun. Diese Option setzte sich erst 2000 durch, als Segeln paralympisch wurde. "Der eigentliche Charme besteht nämlich darin, dass mit diesen Miniyachten Menschen mit Behinderungen ohne Vergütung gegen ganz normale Segler antreten können, der Querschnittsgelähmte mit den Champions um den Regatta-Sieg fahren kann, ohne ihm am Start Vorteile zu gewähren." Das Boot macht die körperlichen Defizite wett. Heiko Kröger und Lasse Klötzing, beide Segler mit Handicap, sind der aktuelle Beweis dafür. In der Klasse der 2.4 mR sind sie die Besten in Deutschland. Der Hai-Live e.V., der nicht nur eine Sektion Behindertensport unterhält, sondern von Anfang an und vollständig auf Inklusion setzte, hat sich in der Szene längst einen Namen gemacht und ist in der Vereinswertung Zweiter in der Deutschen Rangliste. "Und wer weiß, mit unserer neuen Yacht haben wir jetzt ein richtig starkes Regatta-Boot, mit dem wir ja vielleicht auch mal den Blumentopf gewinnen", sagt Martin und lacht.

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